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Corona nur eine Medienstory?Roberto Mancini hüpft von Fettnapf zu Fettnapf

Sportlich hält der Nationaltrainer die italienische Fussball-Auswahl auf Kurs. Mit den sozialen Medien hat er seine liebe Mühe.

Italiens Fussball-Nationaltrainer Roberto Mancini eckt mit seinen Instagram-Posts an.
Italiens Fussball-Nationaltrainer Roberto Mancini eckt mit seinen Instagram-Posts an.
Foto: Adam Warzawa (Keystone)

Ein Ausrutscher ist ein Unfall, ein Unglück. Rutscht jemand in kurzer Zeit gleich dreimal aus, jedes Mal gleich, ist das unerhört viel Pech. Oder, eher: Vorsatz.

Roberto Mancini, 55 Jahre alt und seit 2018 erfolgreicher und gefeierter «Commissario Tecnico» der italienischen Fussball-Nationalmannschaft, steht gerade mitten in einem Sturm, den er selbst ausgelöst hat – zuletzt mit einem Videopost auf Instagram zu Covid-19, einem Comic mit Sprechblasen. Man sieht einen Patienten im Krankenhaus, neben ihm sein Pfleger. Der Pfleger: «Hast du eine Idee, wie du erkrankt bist?» – Der Patient: «Beim Nachrichtenschauen.»

Roberto Mancinis Videopost.
Roberto Mancinis Videopost.
Foto: Screenshot Instagram

Die Botschaft lässt wenig Raum für Interpretationen. Diese Pandemie, findet «Mancio» also, sei ein Hype, hochgepeitscht von den Medien. Die Folge? Eine Psychose, die einen krank mache. Nun ist das natürlich insgesamt eine entwaffnend tumbe und obendrein pietätlose These, die gut ins Repertoire von Negationisten und Relativisten passt. Erstaunlich ist aber auch, dass er sie ausgerechnet jetzt herumpostet, wo die Infektionen wieder dramatisch zunehmen, die Krankenhäuser sich füllen, Menschen um ihr Leben kämpfen.

Kaum war der Post online, setzte ein gewaltiger Shitstorm ein, den der Trainer mit einem Tweet zu bändigen suchte. «Ich habe doch nur eine Zeichnung geteilt, von der ich glaubte, sie entdramatisiere diesen so komplizierten Moment.» Wenn er damit die Gefühle von Kranken verletzt habe, entschuldige er sich.

Dritter spezieller Post in kurzer Zeit

Nun, eine echte Entschuldigung hört sich anders an. Es ist ja eben nicht das erste Mal, dass sich Mancini in dieser Sache – sagen wir mal – eigentümlich geäussert hat. Neulich legte er sich mit dem italienischen Gesundheitsminister an. Der hatte erklärt, der Fussball sei keine nationale Priorität, die Schule aber schon – und darum öffne die Regierung die Schulen wieder, während die Stadien fast ganz geschlossen blieben. In Italien dürfen maximal 1000 Zuschauer zu den Spielen. Mancini sagte darauf, der Minister möge nachdenken, bevor er rede, es gebe nämlich auch ein Recht auf Sport.

Die Sache mit den leeren Stadien ärgert ihn so sehr, dass er sich auch mit dem Verband anlegte. Und da er hinter dem Verbot einen viel grösseren politischen Zusammenhang zu erkennen glaubt, dünkte es ihn angebracht, in einem Post mit dem Titel «Die Macht der Angst» Hermann Göring aus den Nürnberger Prozessen zu paraphrasieren. «Um die Menschen zu versklaven, braucht man ihnen nur Angst zu machen.» So stand es dann auf Mancinis offiziellem Konto bei Instagram.

«La Stampa» schreibt, Mancini habe mit dem Comic ein Foul im Strafraum begangen, penaltywürdig also. «Der Trainer der Nationalmannschaft ist ein kleiner Premierminister.» Gerade in Italien. Bei ihm habe jedes Wort Konsequenzen. Jeder Ausrutscher, jede Grätsche.

1 Kommentar
    R. Pellaton

    Mit Mancinis Göring-Zitat kann ich nicht viel anfangen. Dass aber die mediale Dauerberichterstattung die Moral der Menschen zermürbt, und dass die frustrierende Erkenntnis, dass sich weder die Experten noch die Regierungsmitglieder einig sind, nicht gerade zur Steigerung des persönlichen Wohlbefindens beiträgt - damit hat Mancini nun schlicht und einfach recht. Die Menschen erleben nicht nur das Virus und die damit verbundenen Einschränkungen, sondern immer mehr auch den medialen Umgang mit dem Virus und mit Andersdenkenden als enorm anstrengend und belastend. Nein, Herr Meiler, das ist eben nicht "insgesamt eine entwaffnend tumbe und obendrein pietätlose These", sondern genaus das, was überall auf der Welt die Menschen spüren und deshalb als belastend empfinden.