Polymechaniker – der Hightech-Handwerker

Sven Pfister absolviert an der Mechatronik Schule Winterthur (MSW) die Ausbildung zum Polymechaniker. Der 20-jährige Seuzacher erklärt, warum er sich nach dem erfolgreich abgeschlossenem Gymnasium für eine Lehre entschieden hat, was ihn an seinem Beruf fasziniert und wie seine Zukunftspläne aussehen.

Um die angehenden Polymechaniker auf die Zukunft vorzubereiten, setzt die MSW in der Ausbildung auf moderne Werkzeugmaschinen. Die Bedienung und Wartung solcher Hightech-Geräte gehört zu Sven Pfisters Berufsalltag.

Um die angehenden Polymechaniker auf die Zukunft vorzubereiten, setzt die MSW in der Ausbildung auf moderne Werkzeugmaschinen. Die Bedienung und Wartung solcher Hightech-Geräte gehört zu Sven Pfisters Berufsalltag. Bild: Madeleine Schoder

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Philipp Weber: Vor rund zwei Jahren hast du das Gymi erfolgreich abgeschlossen. Danach hast du dich für die Lehre als Polymechaniker entschieden, wie kam es dazu?
Sven Pfister: Schon während der Sekundarschule war für mich die Lehre eine Option. Nachdem ich dann aber die Gymiprüfung bestanden habe, wechselte ich mit meinem besten Freund zusammen an die Kanti. Während der Kantizeit habe ich dann aber festgestellt, dass mir die Theorielastigkeit nicht behagt. Ich konnte mir nicht vorstellen, an der Uni oder ETH nochmals vier oder fünf Jahre die Schulbank zu drücken. Aus diesem Grund habe ich nach dem Abschluss eine alternative Lösung gesucht.

Wie bist du auf den Beruf des Polymechanikers gestossen?
Ich hatte bereits während der Kantizeit, aber auch schon früher, viele Berührungspunkte mit der Technik. Ein Youtube-Video, in dem zu sehen war, wie ein Metallblock in höchster Präzision gefräst wurde, diente sozusagen als Initialzündung. Das hat mich fasziniert. Nach intensiver Recherche habe ich festgestellt, dass das Berufsbild des Polymechanikers meinen Interessen am besten entspricht. Ein weiterer Pluspunkt: Polymechaniker sind momentan sehr gefragt, die Zukunftsaussichten sind also gut.

Wie kamst du zu deiner Lehrstelle bei der MSW?
Lustigerweise habe ich bereits während der Berufswahlphase in der zweiten Sekundarschule eine Schnupperlehre bei der MSW absolviert. Ich hatte also bereits eine Ahnung, wie der Alltag des Polymechanikers aussieht. Nach verschiedenen Gesprächen mit den Verantwortlichen der MSW unterzeichnete ich den Lehrvertrag.

Die Lehre als Polymechaniker dauert normalerweise vier Jahre. Musst du als Quereinsteiger die gleichen Leistungen erbringen?
Ich absolviere eine sogenannte Way-up-Lehre. Dieser spezielle Ausbildungsweg bietet Maturanden die Möglichkeit, eine verkürzte Lehre in technischen Berufen wie dem Polymechaniker abzuschliessen. Die reguläre Lehrzeit dauert eigentlich vier Jahre, die abgekürzte Ausbildung für Maturanden beträgt zwei Jahre. Nach Absprache mit der Schulleitung der MSW habe ich mich dann allerdings für eine dreijährige Lehrzeit entschieden. So bleibt mir genug Zeit, um die komplexe Materie von der Pike auf zu lernen.

Was gefällt dir an deiner Ausbildung besonders gut?
Das Arbeiten mit Metall und das Bedienen der Hochpräzisions-Maschinen gefällt mir. Zu Beginn war auch viel Respekt dabei, wenn man eine 100 000 Franken teure Apparatur bedient. Bei falscher Programmierung kann man diese auch kaputt machen. Diese Verantwortung gefällt mir.

Die MSW ist ein Ausbildungszentrum, Schule und Werkstatt befinden sich unter einem Dach. Vor- oder Nachteil?
Definitiv ein Vorteil. Wir bewegen uns oft im Klassenverband, die Atmosphäre ist fast schon familiär. Der wirtschaftliche Druck, wie er bei einem Ausbildungsplatz in der Privatwirtschaft besteht, fällt bei uns weg. Das bietet uns die Chance, das gesamte Spektrum des Polymechanikerberufs kennenzulernen, und wir können uns erst noch mit den Elektronikern und den Automatikern, die auch an der MSW ausgebildet werden, austauschen.

Aus deiner Erfahrung: Welche Fähigkeiten sollte man als angehender Polymechaniker mitbringen?
Technisches Verständnis, räumliches Vorstellungsvermögen und eine gewisse Affinität für Mathematik, Physik sowie Englischkenntnisse für die Fachbegriffe sind sicher von Vorteil. Das Wichtigste aus meiner Sicht ist aber eine gesunde Portion Neugierde. Auch wenn zu Beginn alles sehr komplex und schwierig erscheint, mit Ehrgeiz und Wissensdurst kann man sich das nötige Fachwissen aneignen.

Im Sommer schliesst du die Lehre ab. Welche Zukunftspläne hast du?
Momentan bin ich dabei, mich für die Swiss Skills, die Schweizer Berufsmeisterschaften, zu bewerben. Falls ich die Vorausscheidung überstehe, darf ich mein Können zusammen mit den besten Polymechanikern der Schweiz im September 2020 in Bern unter Beweis stellen. Nach Abschluss der Lehre im Sommer 2020 gehe ich auf Jobsuche und in die Rekrutenschule. Langfristig ist sicher auch das Studium an einer Fachhochschule ein Thema.

Die Metallarbeiterschule Winterthur an der Zeughausstrasse 56.

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Polymechaniker/in EFZ – ein vielseitiger Beruf

Polymechaniker/innen mit eidgenössischem Fähigkeitszeugnis werden polyvalent ausgebildet. Die Herstellung von komplexen und sehr genauen Werkstücken mit computergesteuerten Bearbeitungsmaschinen wie auch die Montage und Programmierung von mechatronischen Systemen gehören zur Ausbildung in diesem Beruf. Die Werkstücke, teilweise auf den Hundertstel oder Tausendstel Millimeter genau, werden mit Unterstützung computerbasierter Programmiersysteme (CAD/CAM) hergestellt. Polymechaniker planen ihre Arbeit selbständig, effizient und kostengünstig. Sie tragen die Verantwortung für teure CNC-Fertigungsmaschinen, Werkzeuge und Messmittel.

MSW – alles unter einem Dach

Die Mechatronik Schule Winterthur (MSW) ist eine Lehrwerkstätte der Stadt Winterthur für technische Berufe. Sie beschäftigt rund 40 Mitarbeitende und bildet 180 Lernende in den Berufen Automation, Elektronik und Polymechanik aus. Dank der Integration von Berufsfachschule und Produktionsbetrieb unter einem Dach lassen sich Theorie und Praxis optimal aufeinander abstimmen. Die Lernenden haben während ihrer 4-jährigen beruflichen Grundbildung einen Lehrvertrag mit der MSW. Der zusätzliche Besuch der Berufsmaturitätsschule (BMS) wird unterstützt. Der erfolgreiche Abschluss der BMS erlaubt den prüfungsfreien Übertritt zum anschliessenden Studium an der Fachhochschule.
www.msw.ch

Way-up: Berufslehre für Maturanden

way-up.ch bietet Maturandinnen und Maturanden fünf zukunftsorientierte Berufsausbildungen. Der (in der Regel) zweijährige kompakte und praxisoriente Lehrgang schliesst mit dem eidgenössischen Fähigkeitszeugnis ab. Der Abschluss der way-up Lehre eröffnet zudem den Zugang zur Fachhochschule. Way-up ist in den folgenden Berufen möglich: ?Automatiker/in?, ?Elektroniker/in?,??Informatiker/in?, ?Konstrukteur/in?, ?Polymechaniker/in?, ?Mediamatiker/in?, Kauffrau/Kaufmann.
www.find-your-future.ch

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