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Kolumne Hans Ulrich ObristSchreib einem Baum einen Brief

Das ist eine gute Übung, um wieder ins Briefeschreiben hineinzukommen. Wir sollten es uns wieder angewöhnen.

Gemälde «Der Eichenwald» (1882) von Robert Zünd. Man kann natürlich auch einem Bild einen Brief schreiben.
Gemälde «Der Eichenwald» (1882) von Robert Zünd. Man kann natürlich auch einem Bild einen Brief schreiben.
Foto: Kunsthaus Zürich

Seit Jahren bedaure ich, dass kaum noch jemand Briefe schreibt. Auch meine Briefkorrespondenz war schon mal ergiebiger, aber ich denke nicht, dass ich damit jemals ganz aufhören werde – zu sehr freue ich mich darüber, einen Umschlag zu öffnen, das Briefpapier zu entfalten und die handgeschriebenen Zeilen zu lesen.

Unsere Handschrift ist wie unsere Stimme – sie teilt viel mehr mit als das nackte Worte selbst. Meiner Liebe zum Brief als Kommunikationsform hat nun der britische Sozialanthropologe Timothy Ingold ein argumentatives Fundament gegeben. In einem Essayband mit dem Titel «Correspondences», der kommendes Jahr erscheinen wird und wovon mir der Autor einen Vorabdruck geschickt hat, schreibt Ingold, keine andere Form der schriftlichen Kommunikation sei ehrlicher, emotionaler und direkter als der Brief.

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