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BirdLife Schweiz kürt den Neuntöter zum Vogel des Jahres 2020

Der Neuntöter ist Vogel des Jahres 2020. Er nistet in Dornenhecken und jagt in mageren Wiesen Insekten. In der intensiven Landwirtschaft findet der Vogel kaum noch Lebensraum – auch im Unterland.

Selten geworden: In den letzten 30 Jahren hat sich der Bestand des Neuntöters halbiert.
Selten geworden: In den letzten 30 Jahren hat sich der Bestand des Neuntöters halbiert.
Pixabay

Der Neuntöter, von BirdLife Schweiz zum Vogel des Jahres 2020 gekürt, war in der ganzen Schweiz einst häufig. Der Vogel fand überall Hecken mit Dornbüschen und in den Wiesen ein reiches Angebot an Insekten, kleinen Mäusen und Eidechsen. Da Insekten bei Regenwetter kaum aktiv sind, hat der Neuntöter ein interessantes Verhalten entwickelt: Er legt Vorräte an, indem er seine Beutetiere auf Dornbüschen aufspiesst. Die Legende besagt, dass er immer zuerst neun Beutetiere aufspiesse, bevor er zu fressen beginne, was ihm die Namen einbracht hat.

Zurzeit befinden sich die Neuntöter noch in Ost- und Südafrika, wo sie das reichhaltige Insektenangebot in den Trockensavannen nutzen. Bald schon machen sie sich auf den Rückweg in die Schweiz. Hier erwartet sie ab Anfang Mai eine strenge Zeit mit Brüten und Aufzucht der Jungen – sofern sie überhaupt noch einen Lebensraum finden.

Grossinsekten fehlen

In den meisten Unterländer Gemeinden finden die Neuntöter kein passendes Gebiet mehr. In Buchs etwa hat Ursula Loritz vom örtlichen Natur- und Vogelschutzverein in den vergangenen Jahren keine mehr beobachten können. Bei der Vogelzählung für den Zürcher Brutvogelatlas von 2006 bis 2008 hat man auf Buchser Gemeindegebiet noch drei Neuntöter-Paare notiert. Loritz vermutet zwei Gründe für das Verschwinden des Insektenfressers: der abnehmende Anteil an Dornensträuchern in den Buchser Hecken und das Fehlen von Grossinsekten. «Auch Insekten brauchen einen Lebensraum, doch wertvolle Flächen wie Buntbrachen, magere Wiesen und weniger oft gemähte Ackerschonstreifen sind weitgehend verschwunden», sagt sie.

Quelle: Youtube

Die Nachfrage bei Röbi Brunner vom Natur- und Vogelschutzverein Steinmaur ergibt ein etwas erfreulicheres Bild über das Vorkommen des Vogels in seiner Gemeinde. Wer den Hecken am Südhang der Egg entlang wandere, könne alljährlich den Neuntötern beim Jagen zuschauen, sagt er. Vergangenes Jahr jedoch habe der Vogel gefehlt. Wieso kann sich Brunner nicht erklären, denn der Lebensraum am Südhang der Egg mit den vielen Dornenhecken und extensiven Wiesen sei nach wie vor intakt.

Erfreuliches über die Vorkommen des Neuntöters hat Fabian Rüeger vom Rafzerfeld zu berichten. Der Wilemer Ornithologe zählt dort alljährlich die Vögel im Auftrag von BirdLife Zürich und kennt darum den Neuntöterbestand in seinem Gebiet genau. Acht bis zehn Brutpaare könne er jedes Jahr notieren. «Der Bestand im Rafzerfeld ist erfreulich stabil.» Den Grund sieht er in den warmen, trockenen Flächen um die zahlreichen Kiesgruben, wo die Neuntöter ausreichend Beute und Nistplätze finden.

Rückgang als Alarmzeichen

Gemäss BirdLife Schweiz hat sich der Bestand des Neuntöters in den letzten 30 Jahren halbiert. Ab den sechziger Jahren wurden viele Hecken und Buschgruppen aus dem Kulturland entfernt. Wegen massivem Einsatz von Gülle und Kunstdünger, Herbiziden und Pestiziden und häufigem Schnitt der Wiesen brachen die Insektenbestände im Kulturland zusammen. Der Verband sieht im Rückgang des Neuntöters ein Alarmzeichen für die Landwirtschaftspolitik des Bundes und fordert ein massives Umdenken bei den Subventionen für die Landwirtschaft.

Infrastruktur für Neuntöter

So ist der Neuntöter ein guter Botschafter für die neue Kampagne des Verbandes, die der «Ökologischen Infrastruktur» gewidmet ist. Gemeint ist damit ein landesweites Netzwerk von Flächen, welche für die Biodiversität wichtig sind.

Um wieder überlebensfähige Neuntöter-Populationen zu sichern, fordert BirdLife Schweiz grössere Kerngebiete mit Hecken, Buschgruppen und insektenreichen Wiesen sowie kleinere Gebiete, welche die Verbindung zwischen den grösseren garantieren.

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