"Mundart Folk" - Musiker Kunz verhilft dem Hackbrett zum sexy Image

Marco Kunz mag es unkompliziert: Als Musiker nennt er sich kurz Kunz, sein neues Album heisst wie seine Musikrichtung schlicht "Mundart Folk". Dabei steckt viel mehr in dem Zweitling als Dialekt und Folk-Einschlag - allem voran der betörende Sound eines Hackbretts.

Neues von Kunz: Auf seinem zweiten Album

Neues von Kunz: Auf seinem zweiten Album "Mundart Folk" räumt der Luzerner Musiker dem Hackbrett noch mehr Raum ein (Pressebild). Bild: Keystone

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Dass Schweizer Musiker traditionelles heimisches Liedgut mit Elektronik oder artfremden Musikstilen mischen, kommt immer wieder vor. So hat Christine Lauterburg seinerzeit den "Techno-Jodel" erfunden, die Bieler Band QL bekannte Mundartsongs auf Punk getrimmt oder Bligg den Rap mit Volksmusikelementen vermengt.

Auch die Lieder von Kunz enthalten sowohl Traditionelles wie Modernes. Allerdings macht sein Mix aus Pop, amerikanischem Folk und Mundart-Rock einen viel natürlicheren, weniger konzeptorientierten Eindruck. Kunz sucht nicht zwanghaft nach Kontrasten. Seine Musik klingt wie er sie spürt - halt "Eifach so", wie er sein erstes Album (2014) nannte.

In der Medienmitteilung zu "Mundart Folk" ist zu lesen, dass sein "lebendiger Live-Sound direkt ins Herz" geht und dass sein Name für "grosse Melodien, stampfende Rhythmen und eine Stimme klar wie ein Bergsee" steht. Alles wahr. Doch das eigentlich faszinierende an dem neuen Kunz-Album ist der Einsatz des Hackbretts.

Nationalinstrument mit weltlichem Klang

Das von Christoph Pfändler gespielte Instrument, das seinen Platz hierzulande vorwiegend in der Volksmusik findet, gibt der Musik zwar traditionell schweizerisches Flair. Doch: "Ich mache ganz klar Folk mit 'F' und nicht mit 'V'", so Kunz im Gespräch mit der Nachrichtenagentur sda. Die einzige Gemeinsamkeit zwischen seinem Sound und Volksmusik sei die Sprache.

Das Hackbrett (das übrigens schon auf "Eifach So" zum Einsatz kam) ist nicht etwa dafür da, den Kunz-Pop vom Durchschnitts-Pop abzuheben. Es fügt sich völlig unaufgeregt in die Kompositionen ein, zieht sich mal das Klangkleid der Mandoline, mal jenes des Banjos oder des Klaviers über.

Ganz nebenbei pusht es den Sound in einer Selbstverständlichkeit auf, dass es klingt, als hätte Kunz das Album in einem Stadion aufgenommen. Eine Hackbrett-Passage mit dem Appeal eines Coldplay-Livekonzerts - das hat es in der Geschichte der Schweizer Mundartmusik noch nie gegeben. Kunz erinnert sich: "Auch ich hatte Hühnerhaut, als ich das zum ersten Mal hörte."

(sda)

Erstellt: 30.09.2015, 10:34 Uhr

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