Vierwaldstättersee könnte alle Anrainer mit Wärme versorgen

Das Wasser aus dem Vierwaldstättersee kann den gesamten angrenzenden Siedlungsraum mit Wärme oder Kälte versorgen ohne Nachteile für die Umwelt. Zu diesem Schluss kommt eine Studie zuhanden der Aufsichtskommission Vierwaldstättersee (AKV) und des Kantons Luzern.

Der Vierwaldstättersee (im Bild rechts oben das Luzerner Seebecken) enthält fast 12 Milliarden Kubikmeter Wasser. Damit könnte der Wärmebedarf von gegen 300'000 Menschen gedeckt werden (Archiv).

Der Vierwaldstättersee (im Bild rechts oben das Luzerner Seebecken) enthält fast 12 Milliarden Kubikmeter Wasser. Damit könnte der Wärmebedarf von gegen 300'000 Menschen gedeckt werden (Archiv). Bild: Keystone

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Ein Kubikmeter Seewasser reiche aus, um einen Quadratmeter Fläche in einem Gebäude rund zwei Tage lang zu beheizen, teilte die AKV am Mittwoch mit. Der Vierwaldstättersee enthalte mit fast zwölf Milliarden Kubikmeter Wasser ein gewaltiges Potenzial zum Heizen und Kühlen von Gebäuden in der Region.

Die Wissenschaftler der ETH-Forschungsanstalt Eawag gingen bei ihren Berechnungen davon aus, dass sich während der Heizsaison die obersten 50 Meter des Sees um höchstens ein halbes Grad Celsius abkühlen dürfen. Demnach fände sich im See eine Wärmemenge von total 2900 Gigawattstunden. Dies entspricht einem Wärmebedarf von gegen 300'000 Einwohnern. In der gesamten Zentralschweiz leben rund 780'000 Personen.

Für eine Kühlung, bei der sich der See bis zu 40 Metern Tiefe um maximal ein halbes Grad Celsius erwärmt, liegt das Potenzial bei rund 1110 Gigawattstunden. Dieses liege ebenfalls deutlich über einer realistischen Nachfrage, heisst es in der Mitteilung.

Flache Luzernerbucht nicht geeignet

Die Entnahme von Wasser hat für den See an sich laut den Forschern keine ökologische Bedeutung. Sie sei unbedenklich, schreibt die Aufsichtskommission. Einzig die sehr flache Luzernerbucht sei im Sommer zum Kühlen ungeeignet, weil der See bei der Einleitung des Kühlwassers zu stark erwärmt würde.

Bei der Nutzung von Wärme- und Kühlenergie aus dem See würden die Temperaturen unter dem Strich nur im Bereich von Zehntelgraden verändert. Ausserdem sind die Wärme- und Kühlpotenziale des Vierwaldstättersees deutlich grösser als der realistische Bedarf, wie die Studie zum Schluss kommt.

Angesichts der künftigen klimabedingten Erwärmung der Gewässer hätte der Entzug von Wärme eine positive Wirkung, hält die AKV fest. Auch unter diesem Aspekt könne die Nutzung von Seewasser durchaus begrüsst werden.

Anlagen an anderen Seen in Betrieb

Ein erster Projekt am Vierwaldstättersee soll in Horw LU realisiert werden. Die Firma Seenergy hatte im Juli 2014 ein Konzessionsgesuch eingereicht. Sie will mit Wasser aus der Horwerbucht bis zu 1,1 Millionen Quadratmerter Wohn-, Büro- und Gewerbefläche im Gebiet Horw und Luzern Süd heizen respektive kühlen.

Das Unternehmen erwartet die Konzession in den kommenden Monaten, wie Mitinitiant Bruno Amberg auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda sagte. Das Projekt soll ohne Gas und Erdöl auskommen. Den für den Betrieb benötigte Strom wollen die Verantwortlichen zu 100 Prozent aus Solaranlagen gewinnen.

In der Schweiz wurden bereits an mehreren grossen Seen Wassernutzungsprojekte realisiert. In St. Moritz GR werden seit 2007 das Badrutt’s Palace Hotel, ein Schulhaus und Mehrfamilienhäuser mit Wasser aus dem St.-Moritzer-See beheizt. Wasser aus dem Genfersee machen sich der Campus von Uni und ETH in Lausanne VD und sowie die UNO-Gebäude in Genf zu Nutzen. Zudem kühlt der Luganersee ein Hochleistungsrechenzentrum in Lugano TI.

(sda)

Erstellt: 24.06.2015, 14:51 Uhr

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