Zum Hauptinhalt springen

Clown Dimitri ist gestorben

Der Schweizer Clown Dimitri ist im Alter von 80 Jahren überraschend gestorben.

Der Schweizer Clown Dimitri ist überraschend am späten Dienstagabend im Alter von 80 Jahren verstorben. Eine Agentin der Künstlerfamilie bestätigte der Nachrichtenagentur sda eine Meldung des Tessiner Radio und Fernsehens RSI.

Dimitri zu Gast bei Sternstunde Philosophie am 20. September 2015. Video: SRF

Wie das Teatro Dimitri am Mittwochmorgen in einem Communiqué schrieb, sei der Künstler «nach kurzem Unwohlsein» überraschend «mitten aus seinem vielseitigen Schaffen» gerissen worden. Noch am Sonntagabend hatte der Clown im Freilichtstück «Sogni di un'altra vita» auf dem Monte Verità auf der Bühne gestanden.

Im Dorf Verscio bei Locarno ist durch den Einsatz Dimitris ein kunterbuntes Imperium entstanden: Neben dem 1970 gegründeten Theater entstand in der Folgezeit eine Theaterschule, die sich seit 2015 «Accademia» nennt. In der jüngeren Zeit kamen noch ein Komik-Museum und der «Parco del Clown» hinzu.

Blumen werden vor der Eingangstür des Theater Dimitri in Verscio niedergelegt. Video: Keystone

Seit 20 Jahren träumte Dimitri davon, einen Stummfilm in Schwarz-Weiss zu drehen wie Charlie Chaplin, den er persönlich gekannt hat. Im Frühling sollte der Dreh beginnen. Nun hat sein unerwarteter Tod das Projekt begraben.

Am Montag stand er noch auf der Bühne, am Dienstagabend verschied er mit 80 Jahren «nach kurzem Unwohlsein», wie seine Familie mitteilte. Dabei hatte er noch viel vor, nicht nur einen Film. Noch letztes Jahr antwortete er Roger Schawinski auf die Frage «Wer bist du?», er sei «einer, der ein noch besserer Clown werden möchte».

Sein alter Wunsch, «bis zum Umfallen» weiterzumachen, nahm er zurück, nachdem er kurz vor seinem 75. Geburtstag während einer Vorstellung einen Unfall hatte und sich zwei Wirbel brach. Wie er so auf der Bühne gelegen sei, und gemeint habe, er sei gelähmt, habe er sich gesagt, fürs Publikum «isch das überhoupt nid luschtig».

Der gebürtige Tessiner, der akzentfrei Berndeutsch sprach, gilt manchen als nationales Monument - dabei war er recht eigentlich ein internationales. 1995 war er der erste Ausländer, der zu Lebzeiten in die Clown Hall of Fame in Delavan, Wisconsin, aufgenommen wurde.

1975 hatte er die erste von zehn US-Tournéen absolviert. Touren durch Südamerika und Gastspiele in China, Japan und Australien folgten. «Meine Kunst beruht auf einer nichtverbalen Ausdrucksweise, auf einer Körpersprache, der Komik und Musik, also auf einer Art Universalsprache», sagte er. «Diese wird an allen Ecken und Enden der Welt verstanden. So fühle ich mich nicht mit einer bestimmten Kultur verbunden. Ich fühle mich als Weltbürger.»

«Kasperligesicht»

Dimitri wurde am 18. September 1935 in Ascona geboren als Sohn eines Bildhauers und einer Kunsthandwerkerin und Enkel eines Russen. Seinen Taufnamen Dimitri Jakob Müller liess er später in Jakob Dimitri ändern. Als er sieben war, sah er im Circus Knie den Clown Andreff und beschloss, diesen Beruf ebenfalls zu ergreifen. 1941 bestärkte der Kabarettist Walter Morath den 16-Jährigen in seinem Vorhaben: Er habe genau das richtige «Kasperligesicht» dafür.

Auch die Weichen zum glücklichen Familienleben stellte Dimitri schon früh: Mit zwölf verliebte er sich in einem Ferienlager in seine spätere Frau Gunda, die seine Gefühle vorerst nicht erwiderte. Auch eine zweite Begegnung fünf Jahre später fruchtete nicht, es dauerte noch einmal acht Jahre, bis Amors Pfeil traf. Im Jahr drauf wurde geheiratet, fünf Kinder folgten, drei sind heute auch im Show-Business.

Unsterbliche Nummern

Nach der Schulzeit in Ascona zog Dimitri mit Mutter und Schwester ins Bernbiet, wo er eine Töpferlehre absolviert. Daneben nahm er Ballett-, Akrobatik-, Schauspiel- und Klarinettenstunden und spielte im Studententheater. Dort lernte er den später weltberühmten Kurator Harald Szeemann kennen. Im Jahr 2000 sollte ihm dieser auf dem Gelände des Teatro Dimitri und der Scuola Teatro Dimitri in Verscio TI das Museo Comico einrichten.

Nach dem Abschluss der Töpferlehre zog Dimitri zunächst nach Südfrankreich zum Töpfern und danach zur Erweiterung seiner Clownausbildung nach Paris, wo er neben Pantomime bei Etienne Decroux auch Akrobatik, Ballett, internationale Volkstänze und Flamenco-Gitarre studierte - alles in allem spielte er als Clown zehn Instrumente.

1958 belegte er einen Kurs bei Marcel Marceau und spielte in seinem Ensemble. Im Jahr drauf verschaffte ihm sein Vater seinen ersten Solo-Auftritt im Rahmen eines Fests des örtlichen Kunstvereins in Ascona. Manche seiner Nummern, etwa das legendäre Liegestuhl-Debakel, spielte er seine ganze Karriere über immer wieder.

Engagement für Flüchtlinge

Doch «man kann sein Leben nicht nur damit verbringen, indem man lacht oder Witze macht», sagte Dimitri einmal. Deshalb engagierte er sich schon früh politisch für Flüchtlinge, beispielsweise als Weggefährte des «Kampfpriesters der Heimatlosen», Kaplan Cornelius Koch. Die aktuelle Flüchtlingskrise stimmte ihn unheimlich traurig, sagte er letztes Jahr im Interview.

«Z Brieggeli u z Lächeli sy im gliche Chächeli» (Weinen und Lachen liegen im selben Topf) war nicht umsonst eines seiner Lieblings-Sprichwörter.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch