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36 Todesfälle nach Medikamenten-Versuchen

Neues Buch zeigt: In Münsterlingen prüfte ein Psychiater jahrzehntelang nicht zugelassene Medikamente an Patienten. Diese waren ahnungslos. Er verdiente Millionen.

Umstrittene Psychopharmakaforschung: Der renommierte Psychiater Roland Kuhn verabreichte Tausenden von Patienten noch nicht zugelassene Präparate. Foto: Staatsarchiv des Kantons Thurgau
Umstrittene Psychopharmakaforschung: Der renommierte Psychiater Roland Kuhn verabreichte Tausenden von Patienten noch nicht zugelassene Präparate. Foto: Staatsarchiv des Kantons Thurgau

«Jetzt macht man mir einfach Spritzen, sodass ich am Sonntag nicht einmal in die Kirche kann. Hier macht man einen noch kränker, als man schon ist. Ich bin doch kein Versuchstier, ich bin doch ein Mensch. Ich will fort!»

Mit diesen Worten versuchte sich im Jahr 1954 eine Patientin in der Psychiatrischen Klinik Münsterlingen einer sehr schmerzhaften Injektion zu widersetzen. Es nützte nichts: Fräulein Wild* (Pseudonym) bekam das Präparat G 22150 verabreicht – auch «Geigy Weiss» genannt. Dabei handelte es sich nicht um ein zugelassenes Medikament, sondern um einen Prüfstoff, der bisweilen starke Erregung und Sehstörungen auslöste.

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