Demeter – was wirklich dahinter steckt

Qualität oder Hype? Zu Besuch auf einem Hof, der gerade von Bio auf Demeter umstellt.

Demeter zielt auf möglichst naturbelasseneLebensmittel: Andreas Schneider mit seinen Kühen. Bild: Raphael Moser

Demeter zielt auf möglichst naturbelasseneLebensmittel: Andreas Schneider mit seinen Kühen. Bild: Raphael Moser

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Fliegen schwirren über dem Misthaufen. Gegenüber liegen die Kühe im Schatten. Andreas Schneider öffnet das Gatter, die Kühe stehen auf und scharen sich um ihn. Eine Kuh leckt ihm die Hand. «Das ist Elba», sagt An­dreas Schneider, während er ihr den Rücken tätschelt. 18 Hinterwälder-Kühe – trittsicher, robust – leben auf dem Hof von Andreas und Kathrin Schneider am Hang zwischen Walkringen und Bigenthal. Dazu kommen 18 Jungtiere und Gusti.

Auf den 19 Hektaren wachsen zudem Kartoffeln, Urdinkel, Hopfen und Braugerste. «Bio-Suisse» prangt auf einem Schild an der Scheune. Doch die Knospe reicht Schneiders nicht mehr: Sie stellen ihren Betrieb auf Demeter um.

Demeter ist das älteste Ökolabel und zielt auf möglichst naturbelassene Landwirtschaft und Lebensmittel. Vorschriften und Richtlinien sind strenger als bei Bio-Suisse. Beispielsweise müssen 80 Prozent vom Tierfutter vom eigenen Hof stammen – auf diese Weise halten Landwirte nicht mehr Tiere, als ihr Boden zulässt. Jegliche Pestizide sind untersagt, den Kühen dürfen die Hörner nicht entfernt werden.

Versorgt auf seinem Hof 18 Hinterwälder-Kühe: Bauer Andreas Schneider. Foto: Raphael Moser

Ein Jahr dauert die Umstellung für einen Biobetrieb, drei Jahre für einen konventionellen. Zwischen 2015 und Ende 2017 sei die Anzahl Demeter-Betriebe von 250 auf 305 gestiegen, schreibt die Demeter-Organisation. In der gleichen Zeit nahm der Umsatz von Demeter-Produkten um über 35 Prozent zu.

«Gstürm» um den Milchpreis

Auf der anderen Seite des Schneiderhofs bietet sich eine Aussicht aufs Dorf von Walkringen. Ein Zug fährt entlang des Biglebachs Richtung Burgdorf.

Andreas Schneider wischt mit der Hand den Tisch vor dem Haus sauber und setzt sich auf die Bank. Er hat den Hof von seinem Vater übernommen. Vor rund zwanzig Jahren stellte er den Betrieb auf Bio um.

Natürlich sprechen auch wirtschaftliche Gründe für den Wechsel auf Demeter.

Das «Gstürm» um den Milchpreis sei ihm zu viel geworden, erzählt er. «Ich wollte Produkte herstellen, die der Kunde auch schätzt.» Doch Bio hat teilweise die Vorgaben gelockert: angefangen bei der UHT-Milch. Um sie länger haltbar zu machen, wird UHT-Milch stark erhitzt, die Keime abgetötet. «Keime, die vielleicht nicht nur schlecht sind», sinniert Andreas Schneider.

Natürlich, so müsse er ehrlich sagen, sprächen auch wirtschaftliche Gründe für den Wechsel auf Demeter. Der Milchmarkt sei ein schwieriges Umfeld. Und viele Bauern steigen auf Bio um. «Die Abnehmer sind vielleicht nicht mehr lange auf unsere vergleichsweise geringe Menge Milch angewiesen.»


Bilder: Das Geschäft mit der Milch


Den Ausschlag gegeben habe aber die Biomilk AG, die auf der Suche nach Bauern war, die ihren Betrieb auf Demeter umstellen. Der Milchverarbeiter aus Münsingen baut zurzeit eine neue Produktionsanlage in Worb. Der Bau ist nahezu fertig, wie die Biomilk AG auf Anfrage schreibt. Im September erfolgen die letzten Justierungen und Qualitätschecks, im Oktober geht die neue Manufaktur in Betrieb. Der Bedarf an Demeter-Milch steige. Mit dem Neubau und den damit grösseren Kapazitäten wird es noch mehr brauchen – rund 840 Tonnen Demeter-Milch wird Biomilk jährlich verarbeiten.

Die Umstellung

Andreas Schneider erzählt weiter. Den Betrieb auf Demeter umstellen sei für ihn keine so grosse Veränderung. Viele Kriterien habe er bereits vorher erfüllt. Beispielsweise die Richtlinien beim Tierfutter. «Dennoch muss ich mich noch an so einiges gewöhnen.» Besonders an die Biopräparate, die in der Demeter-Landwirtschaft zum Einsatz kommen. Beispielsweise Hornmist. Dafür wird ein Kuhhorn mit Mist gefüllt und anschliessend im Boden vergraben.

«Vor zwanzig Jahren wurden wir noch belächelt. Seither hat ein Umdenken stattgefunden.»Andreas Schneider, Landwirt

Die Idee: Der Mist nimmt die Kraft des Bodens auf und wird anschliessend zu einem Präparat verarbeitet. Dieses bringt der Landwirt auf den Feldern aus – es soll die Böden fruchtbarer machen. «Bevor es zum Einsatz kommt, muss ich es eine Stunde lang umrühren», erzählt Andreas Schneider und macht eine kreisende Handbewegung. Wie Meditation sei das. Zeit, um sich Gedanken zu machen.

Gedanken, die sich heute längst nicht mehr alle Landwirte machen. «Nach mir die Sintflut» ­laute die Devise manchenorts, findet Andreas Schneider. Die Folgen der intensiven Landwirtschaft: Schäden im Boden, hochgezüchtete Kühe, aus denen der letzte Tropfen Milch gepresst wird. Auch deshalb gaben die Schneiders die konventionelle Landwirtschaft auf.

Das Umdenken

In der Küche der Schneiders packt Kathrin Schneider Hackfleisch, Filets und Nierstücke ein. «Wir schlachten so zwei, drei ­Tiere im Jahr», erzählt sie. Als sie damals die Hinterwälder-Kühe gekauft hätten, seien sie belächelt worden, sagt Andreas Schneider. Auch bei der Umstellung auf Bio. Bei Demeter nun weniger. «Es hat ein Umdenken stattgefunden.»

(Berner Zeitung)

Erstellt: 08.08.2018, 17:34 Uhr

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