FDP-Witze: Petra Gössi beschwert sich bei der SRG

Michael Elseners «Late Update»-Show machte sich in einem morbiden Sketch über die FDP lustig – mitten im Wahlkampf.

Moderator der Satiresendung «Late Update»: Michael Elsener. 
Foto: SRG

Moderator der Satiresendung «Late Update»: Michael Elsener. Foto: SRG

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FDP-Präsidentin Petra ­Gössi hat bei SRG-Chef Gilles Marchand interveniert – wegen Michael ­Elseners Satiresendung «Late Update». Dies berichten gut unterrichtete SRG-Kreise. Nach dem Gespräch zwischen Gössi und Marchand habe man Elsener über SRF-Direktorin Nathalie Wappler und weitere Hierarchiestufen zu verstehen gegeben, er dürfe keine Witze mehr über die FDP machen – in seiner Sendung, deren jüngste Staffel mit dem aktuellen Wahlkampf zusammenfällt.

Auf Anfrage bestätigt Gössi, dass es zwischen ihr und der SRG diese Woche «einen Austausch» gegeben hat. «Dabei ging es um die Berichterstattung der SRG in den letzten Wochen und Monaten, was im Vorfeld von Wahlen absolut normal ist.» Mit wem sie sprach, will Gössi nicht sagen. Die Kommunikation sei aber «stufen­gerecht» gewesen.

Stiess Petra Gössi sauer auf: Sketch in der SRG-Sendung «Late Update».

Gemäss Gössi ging es im Gespräch mit der SRG «nicht nur, aber auch» um das «Late Update» von Michael Elsener, der Satiresendung von SRF, die am Sonntagabend läuft. «Das ‹Late Update› hat mich zunächst für die Sendung vom 13.Oktober eingeladen. Plötzlich wurde ich wieder ausgeladen, mit dem Hinweis auf das Reglement der SRG, weil die Sendung zu nahe an den Wahlen sei», sagt Gössi. Daraufhin sei sie für den 22. September eingeladen worden.

Auch hier sei jedoch wieder eine Ausladung mit Verweis auf das Reglement erfolgt, in dem die politische Berichterstattung vor den Wahlen geregelt ist. «Als das ‹Late Update› dann in der Folge vom 29. September in einem Drittel der Sendung gegen die FDP schoss, mich zuvor aber mit Hinweis auf das Reglement ausgeladen hatte, fand ich diese Haltung nicht kohärent», sagt die FDP-Präsidentin.

Passus verbietet vor Wahlen Einzelauftritte von Kandidaten

Tatsächlich gibt es in den SRF-Leitlinien einen Passus, der Einzelauftritte von Kandidaten vor den Wahlen verbietet. Ansonsten gelte die Satirefreiheit, und auch Elsener dürfe weiterhin Witze über Parteien machen, schreibt das SRF.

Nicht besonders gestört hatte Gössi laut eigener Aussage der Monolog, in dem Elsener die Kehrtwende der FDP in der Klimapolitik zum Thema machte und dabei auch die parteiinternen Konflikte zur Sprache brachte. Auch in den Monaten zuvor habe sie wegen der Satiresendung nie mit der SRG Kontakt aufgenommen, obwohl Elsener bei der Premiere seines «Late Update» vom Januar 2019 die Klimapolitik der FDP angegriffen hatte: Das Parteikürzel der Liberalen stehe für «Fuck de Planet», hiess es da. Wenig später wurde dies von Schülern auf den «Fridays for Future»-Demos aufgenommen – auf Schildern mit Schrift im FDP-Blau.

Schülerin demonstriert in Zürich mit einem «Fuck de Planet»-Schild im FDP-Blau. Der Slogan geht auf Elseners «Late Update»-Premiere vom Januar 2019 zurück (Foto: Dominique Meienberg)

«Das war für mich nicht entscheidend», sagt Gössi. «Völlig daneben fand ich aber in der letzten Sendung den Sketch, der fälschlicherweise den Eindruck erweckte, dass Liberalismus und Eigenverantwortung die Tötung von Menschen in Kauf nehmen würden. Das habe ich gegenüber der SRG moniert.»

Tatsächlich gab es nach Elseners Monolog einen Einspieler mit einem FDP-Paar – gespielt von Schauspielern – zu sehen, das auf Eigenverantwortung in allen Lebensbereichen pocht. Auch bei seinen Kindern. «Unsere Kinder rauchen», sagt da die Mutter.«Verbote und Regeln sind nicht ­förderlich für eine nachhaltige Entwicklung. Im Gegenteil.»

Schliesslich betritt eines der ­beiden Kinder das Wohnzimmer mit einem Maschinengewehr. «Ja, wir haben Waffen im Haus», sagt der Vater. «Wir sind der Meinung, dass jeder für seine Sicherheit selber ­verantwortlich ist», so die Mutter. Der Sketch endet mit der Aussenansicht eines Hauses. Und einem lauten Schuss – wobei nicht klar ist, ob jemand getroffen wurde.

Besonders stossend fand Gössi den Satz, mit dem Elsener den Sketch abmoderierte: «In diesem Clip sind übrigens keine Sturmgewehre beschädigt worden», sagte der Late-Night-Host.

«Ich kann nicht beurteilen, ob hier die Grenzen der Satire überschritten wurden», sagt Gössi, aber persönlich habe sie das «sehr schwierig» gefunden. «Trotzdem habe ich mit der SRG lediglich über das Reglement gesprochen», sagt die FDP-Präsidentin.



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Erstellt: 06.10.2019, 11:45 Uhr

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