IS plante Anschlag auf Tankanlage bei Genf

Schweizer IS-Mitglieder planten, die riesige Anlage in Vernier, nahe des Genfer Flughafens, in die Luft zu sprengen.

Im Visier des IS: Die Tankanlage in Vernier, nahe des Genfer Flughafens Cointrin.

Im Visier des IS: Die Tankanlage in Vernier, nahe des Genfer Flughafens Cointrin.

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Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) plante, die riesige Tankanlage in Vernier nahe des Genfer Flughafens Cointrin in die Luft zu sprengen. Wie die Zeitung «Le Temps» berichtet, konnte jedoch der Nachrichtendienst des Bundes (NDB) den Angriff vereiteln. Die Spur nach der Täterschaft führte nach Genf – genauer gesagt zur Grossen Moschee im Stadtteil Le Petit-Saconnex.

Laut «Le Temps» lernten sich Daniel D., P. F. und Ramzi im Jahr 2014 kennen. Alle drei haben mit ähnlichen Problemen zu kämpfen: Arbeitslosigkeit, Schulversagen, Integrationsprobleme. Von den drei ist nur Ramzi Muslim, spricht Arabisch. Das Trio trifft sich regelmässig in der Moschee, es wird radikalisiert.

Während 2014 Videos von Enthauptungen an die Öffentlichkeit geraten und internationale Medien über die territorialen Eroberungen der Terrormiliz IS im Irak und in Syrien berichten, träumen die drei jungen Konvertiten vom Jihad. «Wir spürten Wut und der Jihad war eine gute Ausrede, um unsere Gewalt auszudrücken», sagt ein Mitglied der Bande, heute Mitte 30, zu «Le Temps».

Das Trio trifft sich regelmässig in der Grossen Moschee im Genfer Stadtteil Le Petit-Saconnex. Bild: Laurent Gilliéron (Keystone)

Der Mann erinnert sich gut an den heute 25-jährigen Daniel D. aus Lignon: «Er war sehr sozial. Ich würde sagen, er war ein ziemlich guter Kerl. Er hatte ein Sportauto und fuhr mich manchmal nach Hause. Ab und zu gingen wir ins Café, um uns zu unterhalten.»

Ende 2014 reisen Daniel D. und P. F. mit rund weiteren zehn Moscheegängern nach Mekka. Die Reise bringt besonders Daniel D. und Ramzi zusammen. Nach der Rückkehr in die Schweiz Mitte Januar 2015 schmieden die beide einen Plan: Sie wollen nach Syrien, zum IS. Am 21. April ist es so weit: Einer von ihnen reist über Tunesien, der andere über die Türkei. Danach ist lange Zeit Funkstille, bis sie sich wieder bei ihren Kollegen in Genf melden – mit Fotos, auf denen sie stolz mit ihren Waffen posieren.

Daniel D. und Ramzi werden vom Geheimdienst Amniyat aufgenommen und trainiert. Sie sind insbesondere für Operationen im Ausland – vor allem in Europa – zuständig, schreibt «Le Temps». Daniel D., der mittlerweile den Kampfnamen Abu Ilias al-Swisri bekommen hat, und Ramzi arbeiten eng zusammen. Sie teilen sich sogar ein Handy. Ramzi ist eher für die Medienarbeit zuständig, Daniel D. gehört einer Eliteeinheit an. Mit der Zeit steigen die beiden Männer aus der Schweiz in der Karriereleiter des Amniyat auf. Einerseits, weil ihre «Talente» erkannt werden, andererseits, weil ihre Vorgesetzten im Kampf ums Leben kommen. Daniel D. schlägt 2016 erstmals vor, einen Angriff in Genf auszuüben.

P.F., der nicht nach Syrien gereist war, wird in Genf langsam ungeduldig. Er tauscht sich einige Mal mit Daniel D. aus und sagt dabei, wie gerne er zu ihm reisen wolle. Daniel D. überzeugt ihn, in der Schweiz zu bleiben. Der IS brauche Männer, die den Terror im Ausland ausbreiten, soll D. zu F. gesagt haben. In einer der letzten Mitteilungen wird es konkret: Ramzi und Daniel D. sollten Angriffsziele suchen und Attentate planen, die Terrormiliz würde das Material liefern und sich um die Logistik kümmern.

USA leiteten Dokumente an die Schweiz weiter

Die Zusammenarbeit zwischen Daniel D. und P.F. findet aber nie statt, weil es zwischen den beiden Männern zum Streit kommt. D. wirft F. vor, ein «Kufr» zu sein, ein Ungläubiger. Also versucht Daniel D. einen neuen Partner zu finden. Dabei kommt er in Kontakt mit Adnan B. und Damien G., zwei Waadtländer, die heute in einem kurdischen Gefangenenlager in Syrien sitzen. C. trifft zudem den Aargauer Thomas C., der innerhalb des Geheimdienstes Amniyat eine ähnliche Rolle hat.

Wann genau Daniel D. auf die Idee gekommen ist, die Tankanlage in Vernier in die Luft zu sprengen, ist unklar. Ende August 2018 leiten aber die US-Geheimdienste dem Schweizer Nachrichtendienst NBD ein in Syrien beschlagnahmtes Dossier weiter, in dem der Plan des Angriffs in Vernier aufgeführt ist. In den Dokumenten gilt Daniel D. als einer der Anstifter.

Aus den Dokumenten geht hervor, dass zwei Albaner nach Genf reisen sollten, um den Plan auszuführen. Die Männer werden auf dem Weg in die Schweiz festgenommen. Der Schweizer Geheimdienst sucht auch die lokalen Komplizen für das Attentat. Dabei stossen sie auf Nicolas P., ein früherer Freund von Daniel D. Dieser hatte im Sommer 2018 Nicolas P. eine Audionachricht geschickt. Darin bat er ihn, P. F. mitzuteilen, dass ein Paket nach Genf unterwegs sei. Was der Inhalt dieser Sendung war, bleibt unbekannt.

Der Schweizer Geheimdienst alarmiert die Genfer Polizei. Aufgrund der Dokumente gehen die Behörden davon aus, dass das Attentat für Ende April oder Anfang Mai 2019 geplant war. Polizeichefin Monica Bonfanti trifft die nötigen Sicherheitsmassnahmen. Zu diesem Zeitpunkt hat der Islamische Staat aber seine Macht längst verloren.

Gegenüber «Le Temps» wollte NDB-Sprecherin Isabelle Graber zum Inhalt des Artikels keine Stellung nehmen: «Der Nachrichtendienst spricht über seine operativen Aktivitäten nur mit dem Leiter des Verteidigungsministeriums und den Aufsichtsbehörden.»

Daniel D. wurde im Juni 2019 in Syrien verhaftet, er befindet sich seither in einem Gefängnis in Nordsyrien. In Genf bleiben die Sicherheitskräfte aber weiterhin auf der Hut. (red)

Erstellt: 14.02.2020, 08:55 Uhr

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