Kanton Waadt will Medien mit Millionenspritze fördern

Die Regierung zeigt sich besorgt über die Krise der Medien und will der Branche mit über 6 Millionen Franken unter die Arme greifen.

Die Waadtläner Regierung erwägt die Förderung lokaler und regionaler Medien: Mitarbeiter der Zeitung «Le Matin» in der Redaktion in Lausanne. Foto: Gaetan Bally, Keystone

Die Waadtläner Regierung erwägt die Förderung lokaler und regionaler Medien: Mitarbeiter der Zeitung «Le Matin» in der Redaktion in Lausanne. Foto: Gaetan Bally, Keystone

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Der Kanton Waadt will dem Aderlass in der Medienbranche Einhalt gebieten. Die Regierung will die lokalen und regionalen Medien mit 6,2 Millionen Franken über die nächsten fünf Jahre fördern.

Die Regierung sei besorgt über die Krise der Medien, die dazu geführt habe, dass Print-Titel wie «L'Hebdo» und «Le Matin» verschwunden seien, teilte der Waadtländer Staatsrat am Donnerstag mit. In diesem Zusammenhang halte er eine Medienförderung für begründet.

Das Kantonsparlament muss den Plan noch gutheissen. Das Paket soll in Kürze dem Grossen Rat vorgelegt werden.

Die Unterstützung für die gebeutelte Branche leitet verschiedene Massnahmen ein. In einem ersten Schritt will der Kanton in einem Umfang von 2,5 Millionen Franken die lokale und regionale Presse durch eine verstärkte Schaltung von Werbung unterstützen. Dabei handelt es sich insbesondere um Informationen zu den Volksabstimmungen und zu verschiedenen Präventionsthemen.

In den Genuss dieser Förderung sollen verschiedene Medienakteure, einschliesslich der elektronischen Medien, kommen. Der genaue Verteilungsschlüssel muss noch definiert werden.

Virtueller Medienkiosk

Zum zweiten Handlungsfeld mit einem Beitrag von rund 1,43 Millionen Franken hat die Regierung die Innovationsförderung bestimmt. Der Regierung schwebt ein virtueller Kiosk vor, der alle kostenpflichtigen Waadtländer Titel umfasst. Diese Abonnementplattform könnte den Zugang erleichtern und den Verkauf ankurbeln. Weiter sollen Jugendliche zu stark vergünstigten Preisen auf diese Medieninhalte zugreifen können.

Die dritte vom Kanton bestimmte Förderkategorie umfasst die Medienerziehung für Jugendliche. Ein Ziel ist es zum Beispiel, dass Jugendliche ihre Fähigkeit stärken, im Internet verbreitete Informationen kritisch zu hinterfragen. Dafür ist rund eine Million Franken vorgesehen. Ein Pilotversuch wird an rund 20 Schulen durchgeführt.

Förderung von Inhalten

Ferner will der Kanton Waadt mit rund 750'000 Franken die Schaffung von Medieninhalten fördern. Die Regierung schlägt vor, für fünf Jahre eine Vollzeitstelle im Waadtländer Regionalbüro der Nachrichtenagentur Keystone-SDA zu finanzieren.

Diese Investition käme in erster Linie den lokalen und regionalen Waadtländer Medien zugute, die dadurch von erschwinglichen Tarifen profitieren würden. Auch will der Kanton eine Studie über die Machbarkeit und Relevanz der Gründung einer regionalen Nachrichtenagentur durchführen.

Unterstützung bei Ausbildung

Der Kanton plant zudem, die Studiengebühren für die Journalistenausbildung am Zentrum für Journalismus und Medienausbildung (CFJM) in Lausanne zu übernehmen. Er erachtet dies als eine Möglichkeit, lokale und regionale Medien bei der Ausbildung von Journalisten finanziell zu entlasten.

Die Aufrechterhaltung der Medienvielfalt sei eine wesentliche Voraussetzung für die freie Meinungsbildung in einer Demokratie, schreibt der Staatsrat weiter. Der Plan sei innovativ, aber keine Rettungsaktion für die Printmedien. Die Wirksamkeit der Massnahmen soll regelmässig überprüft werden. Nach fünf Jahren will der Kanton Bilanz ziehen.

Verband fordert schnelles Handeln

Der Journalistenverband Impressum begrüsst die Initiative des Kantons Waadt. Er hofft auf eine schnelle Umsetzung der Fördermassnahmen und darauf, dass andere Kantone und der Bund diesem Beispiel folgen werden.

Gleichzeitig zweifelt der Verband aber daran, ob der geplante Finanzrahmen von 6,2 Millionen Franken ausreichend ist. (sda)

Erstellt: 16.01.2020, 13:32 Uhr

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