«Können ein solches Theater vor den Wahlen nicht gebrauchen»

Wahlkampfchef Adrian Amstutz rüffelt Andreas Glarner indirekt. Er ruft die SVP-Politiker dazu auf, sich «zusammenzureissen».

Gewählte Parlamentarier müssen «Vorbilder sein»: Wahlkampfchef Adrian Amstutz ergriff an einer Fraktionssitzung das Wort. Foto: Peter Klaunzer, Keystone

Gewählte Parlamentarier müssen «Vorbilder sein»: Wahlkampfchef Adrian Amstutz ergriff an einer Fraktionssitzung das Wort. Foto: Peter Klaunzer, Keystone

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Schweigen, rüffeln, diskutieren? Wie soll die SVP-Fraktion mit Andreas Glarners Social-Media-Verhalten umgehen? Der Aargauer Nationalrat hatte auf Facebook die Handynummer einer Zürcher Lehrerin veröffentlicht, die Eltern darauf hingewiesen hatte, dass muslimische Kinder am Tag des Fastenbrechens frei nehmen dürfen. Nach einem medialen Sturm entschuldigte sich Glarner am Wochenende bei der jungen Frau, die nach dem Facebook-Post zahllose Anrufe erhalten hatte.

Für die Mitglieder der SVP-Bundeshausfraktion ist klar: Damit ist selbst der für Provokationen bekannte Glarner zu weit gegangen. Niemand nimmt den Asylchef der Partei in Schutz. Im Gegenteil: Der Unmut über den «unkontrollierbaren Irrläufer» ist gross, wie es hinter vorgehaltener Hand heisst. Trotzdem sah die Partei- und Fraktionsspitze gestern davon ab, Glarner an der Sitzung der Bundeshausfraktion zu massregeln, wie zuvor medial kolportiert worden war. Die Causa war nicht traktandiert.

«Glarner weiss jetzt, dass er einen Seich gemacht hat.»Felix Müri, SVP Luzern

Doch zum Schluss der Sitzung, als sich bereits einige Parlamentarier in die Mittagspause verabschiedet hatten, ergriff Adrian Amstutz das Wort. Der Wahlkampfchef rief die Fraktionsmitglieder dazu auf, sich «zusammenzureissen», die Partei könne ein «solches Theater» vier Monate vor den Wahlen nicht gebrauchen. Gewählte Parlamentarier müssten «Vorbilder sein». Obwohl Amstutz keinen konkreten Namen nannte, sei klar gewesen, wen er damit meinte, berichten Anwesende. Für sein dezidiertes Votum erhielt der Berner Nationalrat spontanen Klopf-Applaus.

Fraktionschef Thomas Aeschi und Parteipräsident Albert Rösti wollen sich nicht dazu äussern, ob sie Glarner im kleinen Kreis gemassregelt haben. Für viele Fraktionsmitglieder ist dies jedoch weder möglich noch nötig: «Niemand in der Fraktion und der Basis dürfte gut finden, was Glarner macht. Aber die nationale Parteispitze hat ihm gegenüber keine rechtliche Weisungsbefugnis», sagt etwa der Zürcher Nationalrat Claudio Zanetti. «Diese Geschichte müssen wir rasch abhaken und uns auf die wichtigen Dinge konzentrieren», meint der St. Galler Roland Büchel. Und der Luzerner Felix Müri sagt: «Glarner weiss jetzt, dass er einen Seich gemacht hat. Dieser parteiinterne Druck ist ihm Strafe genug.» (Redaktion Tamedia)

Erstellt: 11.06.2019, 21:27 Uhr

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