Sie will die UBS verstaatlichen

Ronja Jansen ist neue Juso-Chefin. Politische Gegner finden, sie sei noch kompromissloser als ihre Vorgängerin Tamara Funiciello.

Stammt aus einer SP-Familie: Ronja Jansen. Fotos: Georgios Kefalas (Keystone)

Stammt aus einer SP-Familie: Ronja Jansen. Fotos: Georgios Kefalas (Keystone)

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Vier Frauen interessierten sich für die Nachfolge von Tamara Funiciello, zwei kandidierten, eine schaffte es. Ronja Jansen, 24-jährige Wirtschaftsstudentin aus Frenkendorf BL, wurde am Samstag von den Juso-Delegierten zur Präsidentin gewählt.

Wie Zwillingsschwestern waren sie und ihre Konkurrentin Mia Jenni durch den Wahlkampf gegangen. Sie gaben Doppelinterviews und weigerten sich, einander öffentlich zu kritisieren. Wahlkampf sei «antifeministisch», sagte Jansen einer Zeitung und erläutert später auf Anfrage, warum: In dreckigen Wahlkämpfen würden meistens sexistische Klischees verbreitet.

Schliesslich machten Jansen und Jenni auch ein Zwillingsresultat: Die Delegierten, die sich in Trimbach SO zur Jahresversammlung getroffen haben, gaben Jansen 91 Stimmen, Jenni bekam 90. Danach wird gefeiert bis in die Morgenstunden, Funiciello wird verabschiedet.

«Geflüchtete» im Haus

Die erste Medienanfrage nach der Wahl erreicht Jansen am Sonntagmittag, sie ist auf dem Weg von Bern nach Hause, zu den Eltern und den beiden jüngeren Brüdern, die mitgefiebert hatten. «Sie wussten, dass ich das Amt unbedingt will, und drückten mir die Daumen.»

Ronja Jansen ist mit sozialdemokratischen Idealen gross geworden: Die Mutter arbeitet im Parteisekretariat der SP Baselland, der eine Bruder rückt nun für die Schwester in die Parteileitung der Baselbieter Juso nach. Der Vater ist Primarlehrer in Frenkendorf. Ihre Eltern seien nie auf die SP fixiert gewesen, sagt Ronja Jansen, doch es sei für sie immer klar gewesen, dass Menschen nicht benachteiligt werden dürfen.

Flüchtlinge gingen ein und aus im Haus Jansen, die Eltern hatten einen Verein gegründet zur Unterstützung von Migranten, sammelten alte Velos für sie und halfen bei der Jobsuche und der Administration. Jansen sagt «Geflüchtete», nicht «Flüchtlinge». Letzteres habe einen ­verniedlichenden, abschätzigen Unterton.

«Vom Typ her ist Jansen angenehmer als Funiciello. Aber inhaltlich noch mehr daneben.»Sebastian Frehner, SVP-Nationalrat

Wie wird Ronja Jansen die Juso prägen? Wird sie die Leute aufregen wie ihre Vorgängerin, die öffentlich BHs verbrannte? Einerseits kommt die neue Juso-Chefin so gar nicht wie eine Linksaussen-Politikerin daher. Mit ihrem angepassten Äusseren ginge sie auch als Jungfreisinnige durch. Eine Aussage, auf die sie allergisch reagiert. Es gehe um Inhalte, nicht um das Aussehen.

Andererseits attestieren ihr politische Gegner mehr Linientreue als ihrer Vorgängerin. «Vom Typ her ist Ronja Jansen ein wenig angenehmer als Tamara Funiciello. Aber inhaltlich noch mehr daneben», sagt SVP-Nationalrat Sebastian Frehner, der ihr kürzlich in einer «Arena»-Sendung zum Thema AHV gegenüberstand.

Wurde von der Juso-Basis mit einer Stimme Vorsprung an die Spitze gewählt: Ronja Jansen, neue Parteipräsidentin

Andri Silberschmidt, Präsident der Jungfreisinnigen, war in derselben «Arena». Er sagt: «Ronja ist nochmals ein kleines Stück ideologischer als Tamara.» Sie habe die ganze marxistische Literatur intus und vertrete sie radikal. «Doch sie wird sich im Amt entwickeln, ich bin gespannt darauf.» Tamara Funiciello lobt ihre Nachfolgerin als unglaublich intelligent und zielstrebig und sagt: «Ronja ist anders als ich, und das ist gut so.»

Ideologischer als die Vorgängerin? Damit konfrontiert, verneint Jansen. Wie linientreu sie ist, zeigt sie auf andere Art: UBS und Credit Suisse müssten verstaatlicht werden, forderte sie vergangene Woche im «Blick». Wegen der klimaschädlichen Investitionen. Die Bevölkerung müsse mitbestimmen können.

Erst einmal fängt ihr Job, der sie zu 100 Prozent vereinnahmen und ihr einen Monatslohn von rund 3000 Franken einbringen wird, unspektakulär an. Sie steht heute Montag früh auf, um gegen 8 Uhr im Parteisekretariat in Bern zu sein. Dort zeigt ihr die Vorgängerin, wie alles läuft. Die verrückten Aktionen kommen später.

Erstellt: 01.09.2019, 21:08 Uhr

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