Robotik

«Wir haben eine recht grosse Fantasie, was Roboter angeht»

Roboter können Pflegepersonal entlasten, sagt Heidrun Becker, Professorin für Ergotherapie an der ZHAW. Es gelte aber rechtliche und ethische Fragen zu klären.

Roboter haben viele Gesichter und Formen. In erster Linie sollen sie die Menschen unterstützen – auch in der Pflege.

Roboter haben viele Gesichter und Formen. In erster Linie sollen sie die Menschen unterstützen – auch in der Pflege. Bild: Keystone

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Die Roboter-Robbe Paro ist ein Beispiel für den Einsatz von ­Robotik in der Alters- und Demenzpflege. Gibt es weitere?
Heidrun Becker: Robotik ist noch sehr wenig im Einsatz, es gibt aber schon ein paar Produkte, die man kaufen könnte. Paro ist rein technisch gesehen ein vergleichsweise einfaches Produkt. Am fortgeschrittensten ist der Einsatz von fahrerlosen Transportsystemen. Diese können Essen oder Medikamente auch auf belebten Gängen ohne Zusammenstösse transportieren. Ebenfalls gibt es Geräte für den Transport von Menschen. Zum Beispiel «Riba» aus Japan, das Leute aus dem Rollstuhl ins Bett hebt und aussieht wie ein Bär. Aus Japan stammt auch ein Rollstuhl, der sich per Knopfdruck in ein Bett aufklappen lässt.

Roboter werden aber nicht nur für den Transport eingesetzt.
Genau, es gibt auch Telepräsenzsysteme, bei denen eine Fachperson via Bildschirm zugeschaltet werden kann. Diese kann sich via Robotik auch selbstständig in einem Raum bewegen und sich so selber ein Bild von einer Si­tua­tion machen.

Viele Menschen sind skeptisch, wenn Alterspflege Robotern überlassen wird.
Durch Filme haben wir eine recht grosse Fantasie, was Roboter angeht. Die Skepsis bezieht sich häufig auf diese fiktiven, mit hoher künstlicher Intelligenz und Autonomie ausgestatteten Roboter. Davon sind wir aber noch weit entfernt. Heute haben wir vor allem Geräte, die Menschen unterstützen und von Menschen eingesetzt werden. Dass man als pflegebedürftiger Mensch irgendwann alleine in einem Raum voller Geräte ist, will niemand.

Wann wird es ethisch heikel?
Menschen sind soziale Wesen und brauchen sozialen Kontakt. Dieser sollte durch Roboter nicht reduziert, sondern verstärkt werden. Heikel wird es zudem dann, wenn die Selbstbestimmung eines Menschen eingeschränkt wird. Es muss zum Beispiel immer auch möglich sein, die Betreuung ohne Roboter zu gewährleisten, wenn eine Person Angst davor zeigt.

Gibt es rechtliche Unklarheiten?
Ja. Im Bereich Datenschutz und Haftungspflicht muss noch viel geklärt werden. So etwa, welche Daten ein Roboter aufzeichnen darf, wie sie sicher gespeichert werden und wer Zugang bekommt, sodass die Privatsphäre gewahrt wird. Zum Beispiel wenn Angehörige ein privates Gespräch führen und ein Service-Roboter im Raum ist, der Geräusche aufzeichnet.

Geht es bei den neuen Technologien auch um eine Steigerung der Kosteneffizienz?
Es gibt keine eindeutigen Studien. Es könnte auch sein, dass die teuren Geräte und der Wartungsaufwand die Kosten eher erhöhen. Erhofft und angestrebt wird aber eine Steigerung in der Effizienz der Versorgung. Also dass bei der immer grösser werdenden Zahl alters- und versorgungsbedürftiger Menschen mit verhältnismässig weniger Personal eine qualitativ gleich gute Versorgung sichergestellt werden kann.

Können und sollen Roboter Pflegefachkräfte ersetzen?
Ersetzen nicht, aber entlasten. Und das ist durchaus wörtlich ­gemeint, wenn ein Roboter zum Beispiel helfen kann, einen Menschen vom Bett in den Rollstuhl zu heben. So bleiben auch die Pflegenden länger gesund und länger im Beruf. Zudem könnte der Einsatz von technischen Hilfsmitteln den Beruf auch für Männer attraktiver machen.

Kann Robotik auch im privaten Bereich eingesetzt werden und Menschen ermöglichen, länger zu Hause leben zu können?
Es werden schon auch kleinere Geräte entwickelt, die im Privatgebrauch zum Einsatz kommen könnten. Robotik ist aber grösstenteils immer noch recht teuer: Zudem hat man noch kaum Erfahrungswerte. Dann stellt sich schnell die Frage, wer ein teures Gerät bezahlt: der Patient oder die Krankenkasse? (Landbote)

Erstellt: 27.06.2015, 10:24 Uhr

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