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«Man bemerkt den Rauch nicht und erstickt»

Ein Brand in einem Solothurner Wohnhaus fordert sechs Tote. Ein Experte erklärt, was im Notfall zu beachten ist und wie die Feuerwehr vorgeht.

Luftaufnahmen zeigen das Haus in Solothurn von oben. (Video: SDA)

In einem Mehrfamilienhaus in Solothurn haben am frühen Montagmorgen sechs Personen ihr Leben verloren, mehrere wurden verletzt. «20 Minuten» hat mit Sascha Zollinger, dem Kommandanten der Feuerwehr Uster, einer der grössten Miliz-Feuerwehren des Kantons Zürich, gesprochen. Ab dem 1. Januar ist er Feuerwehr-Inspektor des Kantons Zürich. Der Experte erklärt, weshalb solche Feuer so gefährlich sind und wie man vorgehen soll.

Herr Zollinger, wie muss ich vorgehen, wenn ich in meinem Haus ein Feuer feststelle?

Als Erstes muss man immer unbedingt die Feuerwehr alarmieren – und zwar auch, wenn der Brand noch so klein sein mag. Wenn man den Brand nicht mehr selbst in den Griff bekommt, geht sonst wertvolle Zeit verloren. Danach soll man die Nachbarn warnen. Wenn das Treppenhaus verraucht ist, so darf dieses auf keinen Fall mehr betreten werden.

Wie kann ich denn die Nachbarn warnen?

Beispielsweise, indem man sie anruft oder Lärm macht. Der nächste Schritt ist es, sich selbst in Sicherheit zu bringen. Erst, wenn man sicher ist, kann man allenfalls versuchen, mit der nötigen Vorsicht noch zu löschen – z.B. mit einem Feuerlöscher oder einer Löschdecke.

Im Fall von Solothurn bemerkte ein Anwohner Rauch und alarmierte die Polizei. Der Brand selbst war offenbar nicht besonders gross.

Das Problem am Rauch ist, dass wenn man schläft, diesen nicht bemerkt und erstickt. Wichtig ist, nie durch den Rauch zu gehen. In verrauchten Räumen verliert man schnell die Orientierung.

Bildstrecke – Schweres Brandunglück in Solothurn

Schwierige Arbeit für die Beamten: Ein forensischer Mitarbeiter der Kantonspolizei Solothurn wirft Schutt aus dem Fenster einer ausgebrannten Wohnung im untersten Stock. (26. November 2018)
Schwierige Arbeit für die Beamten: Ein forensischer Mitarbeiter der Kantonspolizei Solothurn wirft Schutt aus dem Fenster einer ausgebrannten Wohnung im untersten Stock. (26. November 2018)
Alexandra Wey, Keystone
Brandursache dürfte eine Zigarette sein: Forensische Mitarbeiter der Polizei inspizieren eine beschädigte Wohnung im untersten Geschoss. (26. November 2018)
Brandursache dürfte eine Zigarette sein: Forensische Mitarbeiter der Polizei inspizieren eine beschädigte Wohnung im untersten Geschoss. (26. November 2018)
Fabrice Coffrini, AFP
Im Einsatz standen Dutzende Angehörige der Feuerwehr Solothurn, der Kantons- und Stadtpolizei, Ambulanzen mehrerer Rettungsdienste sowie Care-Teams.
Im Einsatz standen Dutzende Angehörige der Feuerwehr Solothurn, der Kantons- und Stadtpolizei, Ambulanzen mehrerer Rettungsdienste sowie Care-Teams.
Kantonspolizei Solothurn
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Was mache ich, wenn ich viel Rauch bemerke?

Die Türen schliessen und sich in einen rauchfreien Raum begeben. Mit nassen Tüchern kann man den Türspalt abdichten, so dass kein Rauch eindringt. Schlussendlich soll man sich am Fenster für die Rettungskräfte bemerkbar machen.

Wie gehen die Profis der Feuerwehr vor, wenn sie eintreffen?

Die Ereignisbewältigung erfolgt nach unserem ständigen Auftrag. Die oberste Prämisse ist die eigene Sicherheit. Die erste Priorität hat das Retten von Mensch und Tier. Dann geht es ums Halten, also zu verhindern, dass sich das Ereignis ausbreitet. Darauf folgend werden die vom Feuer nicht betroffenen Räume oder Liegenschaften geschützt und erst dann erfolgt die Brandbekämpfung.

Beim Brand kam es zu einer starken Rauchentwicklung. (Video: Leser-Reporter 20 Minuten)

Wie verarbeiten Feuerwehrleute solche Ereignisse?

Solche Einsätze sind auch für die Einsatzkräfte sehr belastend. Sehr wichtig ist, dass nach solchen Einsätzen Debriefings gemacht werden. Ich nehme nach einem Einsatz die Mannschaft immer zusammen und führe ein Debriefing durch. Für die Betroffenen steht die Notfallseelsorge zur Verfügung. Auch die Feuerwehrleute können im Kanton Zürich auf ein Care Team zurückgreifen, wenn sie Hilfe benötigen.

Übernommen von «20 Minuten», bearbeitet von Redaktion Tamedia.

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