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Maximal eine Packung pro Einkauf

Fiebersenkende Arzneien sind ab sofort rationiert. Der Bund reagiert damit auf Hamsterkäufe der letzten Tage.

Die  Bahnhofapotheke am Hauptbahnhof Zürich. Foto: Andrea Zahler
Die Bahnhofapotheke am Hauptbahnhof Zürich. Foto: Andrea Zahler

Die neue Regel wurde diskret am Mittwochnachmittag publiziert, ohne Vorankündigung oder begleitende Worte. Und als sie schliesslich veröffentlicht war, da war sie bereits in Kraft, rückwirkend auf 14 Uhr: Fiebersenkende Arzneien wie Paracetamol oder Ibuprofen dürfen demnach ab sofort nur noch limitiert erworben werden. Jede Kundin und jeder Kunde erhält in der Apotheke oder bei der Ärztin höchstens eine Packung pro Einkauf. Ausnahmen gibt es nur für chronisch kranke Menschen: Bei ihnen gilt als Maximum die vom Arzt verordnete Menge – oder der Bedarf für zwei Monate.

Der Bund führte die Rationierung bewusst auf klandestine Weise ein. Man habe damit Hamsterkäufe in letzter Minute verhindern wollen, sagt Bundesratssprecher André Simonazzi. «Der Bundesrat hat damit auch auf ein Verhalten reagiert, das in den letzten Tagen zu beobachten war.» Die Apotheken seien über den Schritt im Voraus informiert worden.

«Die Bude eingerannt»

In der Tat erlebten viele Apotheken in den letzten Tagen einen Ansturm, wie ihn auch Veteranen der Branche noch nicht kannten. «Die Leute haben uns die Bude eingerannt», sagt Enea Martinelli, Spitalapotheker in Interlaken und Vizepräsident des Apothekerverbandes Pharmasuisse. Gewaltig war zuletzt vor allem die Nachfrage nach Paracetamol, dem weitverbreiteten Wirkstoff gegen Fieber und Schmerzen.

Laut Martinelli ist das auch eine Folge der jüngsten Meldungen über das Alternativprodukt Ibuprofen: Das Bundesamt für Gesundheit hatte Corona-Patienten unlängst auf seiner Website (wegen unbestätigter Berichte über einen schnelleren Krankheitsverlauf) von Ibuprofen zur Fiebersenkung abgeraten und ihnen stattdessen Paracetamol empfohlen – was in einigen Medien zu teils alarmistischen Schlagzeilen führte. Ibuprofen steht nun freilich selber auf der Liste der rationierten Arzneien.

Gemäss Martinelli waren einige der gängigen Medikamente gegen Fieber und Husten schon vor der Corona-Krise knapp. «Dass Länder wie Indien und China seither die Ausfuhr von Paracetamol unterbunden haben, hat das Problem noch verschärft.» Martinelli findet die Limitierung durch den Bund daher «absolut nachvollziehbar».

«Kundinnen und Kunden haben quasi nebenbei noch eine oder zwei Packungen Dafalgan oder Ähnliches erworben.»

Lorenz Schmid, Apotheker

Andere Apotheker sind skeptischer. Lorenz Schmid, Inhaber der Toppharm-Apotheke in Zürich, konstatiert zwar ebenfalls eine massiv gestiegene Nachfrage nach Paracetamol. Seiner Beobachtung nach war es aber nicht so, dass Einzelpersonen plötzlich riesige Mengen an Fiebermitteln gekauft hätten. «Es war eher so, dass fast alle Kundinnen und Kunden quasi nebenbei noch eine oder zwei Packungen Dafalgan oder Ähnliches erworben haben.» Schmid ist sich daher nicht sicher, ob die Massnahme des Bundes Hamsterkäufe wirksam unterbinden kann.

Kunden werden erfasst

Abzuwarten bleibt ausserdem, auf welche Weise und in welchem Umfang die Apotheken die Limite durchsetzen. Wie lässt sich zum Beispiel verhindern, dass ein und derselbe Kunde eine Apotheke tags darauf gleich wieder aufsucht – und bei einer anderen Verkäuferin zusätzliches Dafalgan bezieht? Spitalapotheker Martinelli erklärt, dass man künftig mittels der Krankenkassenkärtchen den Einkauf der betroffenen Medikamente protokollieren werde.

Apotheker Lorenz Schmid wiederum baut auf die Kundendossiers, in denen heute schon ein grosser Teil seiner Stammkundschaft erfasst sei. Er geht aber davon aus, dass es nicht möglich sein werde, die Leute zur Herausgabe von Personalien zu zwingen.

Schwieriger wird ohnehin der «Pharmatourismus» zu unterbinden sein, also dass Leute von einem Geschäft zum nächsten eilen, um immer wieder dasselbe zu kaufen. Die Apotheken verfügen nicht über ein Netzwerk, in dem sie entsprechende Daten erfassen und austauschen könnten. Die Branche und der Bund müssen daher, wie so oft in diesen Tagen, primär auf eine bestimmte Eigenschaft der Menschen bauen: die Vernunft.

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