Ufenau

«Seekühe» auf Reisen

Rind ahoi! Zweimal im Jahr schippert Bauer Josef Häcki seine Tiere mit dem Boot auf die Insel Ufenau. Damit der Kahn nicht kentert, braucht es eine ruhige Hand – und Helfer, die auch dann nicht nervös werden, wenn es brenzlig wird.

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Diese Überfahrt ist begehrt. Wenn 17 Rinder in einem kleinen Boot über den Zürichsee tuckern, fünf, sechs Tiere pro Fahrt, wollen sie als Erste einsteigen: Journalisten, Fotografen, Filmteams.

Bauer Josef Häcki kennt das. Kaum er ein Jahr vergeht, in dem er die abenteuerliche Fahrt mit seinen Rindern nicht ohne Besucher zurücklegt. Sogar eine Drohne haben die Gäste – ein Filmteam aus Hamburg – an diesem Morgen mit dabei. Josef Häcki – Gummistiefel, Chueli-Gurt, kräftiger Händedruck – ist Pächter des Schlossguts Pfäffikon, zu dem auch die Insel Ufenau gehört. Im Auftrag des Klosters Einsiedeln ist er für den Hof mit 90 Milchkühen und knapp 100 Jungtieren verantwortlich, sowie für Wiesen und Riedflächen auf der Ufenau.

Häckis Rinder erleben jedes Jahr den wohl schweizweit ungewöhnlichsten Weidegang. Jeweils im Frühling und im Herbst werden sie mit dem Fährboot auf die Ufenau transportiert. Dadurch müsse er die Weide nicht mähen, erklärt Häcki, «denn die Kühe fressen ihr Futter direkt von der Wiese».

Seit April sind die Rinder auf der Insel, heute will Häcki sie zurückholen – den Sommer verbringen die Tiere nämlich «z’Alp».

Nervös beim ersten Mal

Die erste Überfahrt wollte der Landwirt eigentlich alleine machen, ohne Gäste. Es ist die Fahrt mit den jüngsten Tieren, die immer ein wenig delikat sei. Die Jungtiere stehen zum allerersten Mal auf einem Boot, seien oft ein wenig nervös. Darum kommen sie als Erste dran. Extra früh hat sich der Landwirt darum zum Schifffssteg aufgemacht, doch die Rechnung geht nicht auf: die Männer vom Filmteam winken ihm bereits von der Insel her zu.

Die Tiere scheinen zu spüren, dass heute ein besonderer Tag ist. Lautes Muhen und Kuhgebimmel schallt dem Kahn entgegen. Eine leichte Bise lässt das Boot auf den Wellen schaukeln. Ein wenig unruhig sei es schon, sagt Häcki mit Blick zum Himmel, «aber es müsste eigentlich hinhalten». Die Seefahrt mit der tierischen Fracht ist wetterabhängig, im Zweifel verschiebt der Landwirt sie lieber.

Die Balance muss stimmen

Vom Schiffsteg zur abgezäunten Weide ist es nur ein Katzensprung. «Chömed, chömed, chömed». Hier ein kleiner Schubser, dort ein Zug am Strick, schon sind die Damen beim Anlegesteg. Damen? Dass nur weibliche Tiere zusammen weiden, hat einen einfachen Grund: Wäre ein Stier mit von der Partie, gäbe es Nachwuchs «dass es chlöpft und tätscht», scherzt ein Helfer. Er rückt eine kleine Holzrampe zurecht. Über diese begleiten die Männer jedes Tier in den Kahn.

Das erste muht lautstark, das zweite verliert kurz auf dem rutschigen Holzboden den Halt, das dritte wirft unruhig den Kopf hin und her. «Ruuuhig», ganz ruuuhig». Geschickt bringen die Männer die Rinder in die richtige Position. Zwei mit dem Kopf, zwei mit dem Füdli nach rechts, «für die Balance!», erklärt Häcki. Das Gewicht im Kahn müsse gleichmässig verteilt sein. Mit höchstens 4000 Kilo darf der Kuh-Shuttle beladen sein, ein Tier wiegt rund 500 Kilo. Sieben Rinder sind das Maximum – mehr hätten ohnehin nicht Platz.

Bevor die Fahrt mit den «Seekühen» losgeht, werden die Tiere mit einem Halfter festgebunden. Beruhigend tätscheln die Männer ihnen über den Kopf. «Das Einsteigen ist die grösste Herausforderung», sagt Häcki. Und tatsächlich: Jetzt, wo die Tiere in Reih und Glied stehen, muckt keines mehr auf. Der Bauer wirft den Motor an, die zehnminütige Überfahrt geht los.

Ein unfreiwilliges Bad

Seekrank ist übrigens noch nie ein Tier geworden – in all den 30 Jahren nicht, in denen Häcki schon seine Rinder über den See schippert. Dafür ist hin und wieder eines unfreiwillig baden gegangen – beim Einsteigen. Den Weg zurück ans Ufer hätten die Tiere aber schnell wiedergefunden. Für festen Boden unter den Füssen, scherzt Häcki, habe es noch immer gereicht. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 29.05.2018, 18:08 Uhr

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