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Venezuelas OppositionSeine Feinde sind mächtiger als seine Freunde

Leopoldo López hat sich aus Venezuela nach Spanien abgesetzt. Der einstige Oppositionsführer hat im eigenen Land kaum noch Rückhalt.

Im Ausland mehr geliebt als in der Heimat Venezuela: Der ehemalige Oppositionsführer Leopoldo López nach seiner Flucht nach Spanien.
Im Ausland mehr geliebt als in der Heimat Venezuela: Der ehemalige Oppositionsführer Leopoldo López nach seiner Flucht nach Spanien.
Foto: Pablo Blazquez Dominguez (Getty)

Als diese Woche der Name des US-Schauspielers Ethan Hawke auf einmal zu den meistgesuchten Begriffen im venezolanischen Internet wurde, war das keine Verwechslung, aber auch keine Folge eines neuen Blockbusters oder einer pikanten Affäre. Schuld an der Aufmerksamkeit war nicht Hawke, sondern Leopoldo López, prominentester Führer der venezolanischen Opposition und lange Zeit berühmtester politischer Gefangener des Landes. López entkam in einer geheimen Flucht nach Spanien, und dort gab er sein erstes Interview keinem Geringeren als eben jenem Ethan Hawke, dem Schauspieler und Star, der aber auch Mitschüler von López war.

Die Botschaft war klar: Seht her, ich habe mächtige Freunde. Und tatsächlich traf López sich einen Tag später auch noch mit Pedro Sánchez, dem spanischen Ministerpräsidenten. Aber López hat nicht nur einflussreiche Freunde, sondern auch ebenso mächtige Feinde.

Nachfahre eines Unabhängigkeitshelden

López stammt aus einer der prominentesten Familien Venezuelas, zu seinen Vorfahren gehört der südamerikanische Unabhängigkeitsheld Simón Bolívar. Von Caracas aus zog López als Kind in die USA, er besuchte die Highschool, wo er angeblich auch Ethan Hawke traf, und er machte einen Abschluss in Harvard. Zurück in der Heimat liess er sich zum Bürgermeister einer Oberklasse-Gemeinde wählen. Die Bewohner liebten ihn, die sozialistische Regierung aber hasste ihn. Hugo Chávez bezeichnete López als Agenten der CIA und ein Gericht verbot ihm, öffentliche Ämter zu bekleiden.

2014 gingen Hunderttausende gegen die Regierung auf die Strasse. Vorneweg marschierte López. Steine flogen, bald auch Kugeln, Dutzende Menschen starben. Die Regierung gab López eine Mitschuld, vermutlich nicht ganz zu Unrecht, wahrscheinlich aber auch, um sich eines lästigen Kritikers zu entledigen. López stellte sich nach ein paar Tagen der Polizei, umringt von Demonstranten.

In einem Schauprozess verurteilte ein Gericht ihn zu 14 Jahren Haft. Seine Frau, Lilian Tintori, übernahm daraufhin den politischen Kampf und den um die Freiheit ihres Mannes. Die ehemalige Kitesurf-Meisterin und TV-Moderatorin bekam Audienzen bei Präsidenten und sogar dem Papst. Nach mehr als drei Jahren wurde López in den Hausarrest entlassen, offiziell aus humanitären Gründen, vermutlich aber auch, um der Opposition Wind aus den Segeln zu nehmen, allerdings ohne Erfolg.

Zerstrittene Opposition

2019 kam es abermals zu grossen Aufständen in Venezuela, diesmal angeführt von Juan Guaidó, dem politischen Ziehsohn von López. Im allgemeinen Trubel schaffte es López, in der spanischen Botschaft Zuflucht zu finden, wo er anderthalb Jahre blieb. Denn das Regime von Präsident Nicolás Maduro wankte zwar, kippte aber nicht.

Heute ist die Opposition zerstrittener denn je. López und seine Partei, die rechtsgerichtete Voluntad Popular, gehören dabei zum unversöhnlichen Flügel, der eine Teilnahme an der Parlamentswahl im Dezember ablehnt und auf Sanktionen setzt. Wie wenig Rückhalt dieser Kurs mittlerweile aber hat, zeigt sich in der Flucht von López ins Ausland. Nur dort hat Venezuelas einst wichtigster Oppositioneller noch einflussreiche Freunde. Zugleich werden López' Feinde aber immer stärker: Kurz nach seiner Flucht nach Spanien hat die Regierung ein hochrangiges Mitglied seiner Partei verhaften lassen.

11 Kommentare
    Sacha Meier

    Venezuela ist nun einmal eine ertragsoptimierte Kleptokratie mit hauchdünnem sozialistischem Farbanstrich, Korruption als volkswirtschaftlicher Haupttätigkeit und einem absolut systemirrelevantem Volk. Egal wer da regiert, oder kurz als Oppositioneller ein Gastspiel gibt. Darum spielt es keine Rolex wie viele López, oder Guaidós sich an den Türklinken zur Macht die Zähne ausbeissen. Im Prinzip ist es das bewährte afrikanische Regierungsprinzip. Die Mächtigen und Reichen leben in Saus und Braus, während das Volk darbt, durch ein stetig reduziertes Bildungssystem dumm gehalten wird und mit wenigen Talern im Tag durchkommen muss. Eine bis zum Mark korrupte Beamtenschaft sichert die Interessen der Kleptokraten und kassiert auch noch etwas ab. Und es ist genau das Setup, dem die Super- und Hyperreichen liebend gerne auch im Westen entgegenblicken, weil ja dann ihr Steueraufkommen sogar negativ wird. So denke ich, dass es zuerst einmal der Reihe nach die südamerikanischen Staaten treffen wird - wenn man sich so Bolivien, Argentinien und auch Mexiko ansieht. Dann osteuropäische Staaten und am Schluss dann die Grossen, wie etwa die USA, Kanada, Deutschland, Frankreich, Italien, etc. Ob und wann unsere Zivilisation - minus die Asiaten - als riesige neue Drittweltregion enden werden, wissen nur die Götter. Eines ist jedoch sicher. SARS CoV-2 hat die DVD der Weltgeschichte gleich um ein paar Jahrzehnte vorwärtsgespult. Es ist Blut im Wasser. Und irgend ein Hai wird bald zubeissen.