Zum Hauptinhalt springen

Bauen in WinterthurSiska plant ein Holz-Hochhaus beim Hauptbahnhof

Bis zu 65 Meter hoch könnte es werden, das geplante Hochhaus neben der Wülflinger-Unterführung. Die Bevölkerung soll bei der Gestaltung des 50-Millionen-Projekts mitreden können.

So könnte der Neubau dereinst aussehen. Die Platzierung der Gebäude und die Höhe des Hochhauses werden aber in der Testplanung erst festgelegt.
So könnte der Neubau dereinst aussehen. Die Platzierung der Gebäude und die Höhe des Hochhauses werden aber in der Testplanung erst festgelegt.
Visualisierung: SISKA immobilien AG/atelier ww

Viel näher am Hauptbahnhof Winterthur kann man kaum bauen: in dem dreieckigen Stück Land zwischen Schaffhauserstrasse, Bahngleisen und dem alten Volg-Gebäude plant die Winterthurer Immobilienfirma Siska Immobilien AG, der auch das angrenzende Hotel Banane gehört, eine Überbauung mit Hochhaus. Am Dienstagmorgen hat Siska-Verwaltungsratspräsident Günter Heuberger das Projekt SHzweiVier zusammen mit dem Winterthurer Stadtbaumeister Jens Andersen vorgestellt.

«Kein neues Wahrzeichen»

Das Projekt besteht aus mehreren Gebäuden, zu denen ein «Hochhaus mittlerer Höhe» gehört. 35 bis 65 Meter hoch könnte es werden. Heuberger schwebt ein funktionales Gebäude vor, «kein neues Wahrzeichen», wie er betont. Der Bau soll sich den Hochhäusern im Umfeld unterordnen, insbesondere dem roten Turm und dem Kantonsspital. Falls möglich, soll es in Holzbauweise entstehen – aus Klimagründen und wegen der schnellen Bauzeit. Rund 50 Millionen Franken will Siska investieren.

«An dieser zentralen Lage soll etwas entstehen, was für die Bevölkerung einen Mehrwert schafft», sagt Günter Heuberger, Verwaltungsratspräsident der Siska Immobilien AG
«An dieser zentralen Lage soll etwas entstehen, was für die Bevölkerung einen Mehrwert schafft», sagt Günter Heuberger, Verwaltungsratspräsident der Siska Immobilien AG
Foto: Madeleine Schoder

Die genaue Höhe und Platzierung der Gebäude wird im Rahmen der am Mittwoch beginnenden Testplanung erst noch festgelegt. Denn bisher wurde zwar die Machbarkeit ausgelotet und Gespräche mit der Stadt geführt, aber die Details sind noch offen. Zwei Teams um das Winterthurer Büro BDE Architekten und die Zürcher Boltshauser Architekten werden bis März 2021 ihre Berichte und Pläne erarbeiten. Sie sollen die Grundlage des privaten Gestaltungsplans bilden.

Bauherr Günter Heuberger betont, er wolle an diesem zentralen Ort «Gebäude errichten, die für die ganze Winterthurer Bevölkerung einen Mehrwert schaffen». Im Sockel der Gebäude sollen öffentliche und auch gemeinnützige Nutzungen Platz haben, etwa Alterswohnungen, Angebote aus Medizin und Gesundheit, Betreuungseinrichtungen und ähnliches. Diese könnten aus den gewinnträchtigeren Nutzungen, der Vermietung der Wohnungen im Turm nämlich, querfinanziert werden.

Bevölkerung soll mitreden

Parallel zur Testplanung startet die Siska einen «Dialog-Prozess mit Anwohnenden und interessierten Kreisen». Das können politische Parteien sein, der Heimatschutz oder zum Beispiel auch ornithologische Vereine. Es geht um Fragen der Aussengestaltung, der Verkehrsführung aber auch der gewünschten Nutzungen. «Das wird keine Alibi-Partizipation», sagt Matthias Erzinger, dessen Agentur u&me den Prozess aufgegleist hat. Das Feedback aus der Bevölkerung werde zu einem so frühen Zeitpunkt eingeholt, dass tatsächlich noch Veränderungen am Projekt möglich seien.

Neben den Migros-Kassen im Einkaufszentrum Neuwiesen wurde ein Projektraum eingerichtet. Jeweils am Samstag ist er für interessierte Besucherinnen und Besucher geöffnet.
Neben den Migros-Kassen im Einkaufszentrum Neuwiesen wurde ein Projektraum eingerichtet. Jeweils am Samstag ist er für interessierte Besucherinnen und Besucher geöffnet.
Foto: Madeleine Schoder

Im ersten Stock des Einkaufszentrums Neuwiesen (ebenfalls im Besitz der Siska) wurde in einem leeren Geschäft ein sogenannter Dialograum eingerichtet, in dem die Info-Anlässe und Workshops stattfinden sollen. Jeweils am Samstag von 10 bis 16 Uhr ist er für die Bevölkerung geöffnet, die dort Pläne studieren und sich über die Mitwirkung informieren kann. Ein externer Beirat soll den Prozess kritisch begleiten und Zwischen- und Endresultate an die Projektleitung und Testplanungsteams vermitteln. Mit einer breiten Abstützung, so das Kalkül, werden Bedürfnisse aus der Bevölkerung früh erkannt und das Rekursrisiko verkleinert. Der Denkmalschutz dürfte kein grosses Thema sein: Die zwei Backsteinhäuser an der Schaffhauserstrasse 2 und 4 sind nicht im Inventar der schutzwürdigen Bauten.

Neue Veloverbindung

Profitieren sollen auch die Velofahrer. Statt am Lichtsignal der Wülflingerstrasse-Kreuzung zu warten, sollen sie in Zukunft entlang der Gleise über die Fussgängerbrücke fahren können, wie dies auf der anderen Seite der Unterführung zwischen Milchküche und Rotem Turm bereits möglich ist. So soll auch der Zugang zum neuen Veloparkhaus gewährleistet werden. Die SBB baut gegenüber, auf dem ehemaligen Esse-Areal, derzeit ein Unterhaltsgebäude auf dessen Dach 570 neue Abstellplätze entstehen. Was Auto-Parkplätze betrifft, fordert die Stadt für das geplante Hochhaus angesichts der idealen ÖV-Anbindung übrigens keine Tiefgarage. «Wir gehen davon aus, dass wir den Bedarf im Banane-Areal decken können», sagt Günter Heuberger.