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Hotel der ZukunftSo tickt der erste Hotelroboter der Schweiz

Im Radisson Blu am Flughafen Zürich unterstützt «Jeeves» die Mitarbeitenden – als rollende Minibar und im Room Service. Fünf Fragen und Antworten zum Corona-konformen Pilotprojekt.

Der 125 Zentimeter grosse Roboter Jeeves, hier in einem Münchner Hotel im Einsatz, dient in erster Linie als rollende Minibar.
Der 125 Zentimeter grosse Roboter Jeeves, hier in einem Münchner Hotel im Einsatz, dient in erster Linie als rollende Minibar.
Foto: PD

Weshalb arbeitet das Radisson-Blu-Hotel mit einem Roboter?

Seit drei Wochen gehört Jeeves zur Crew des 4-Stern-Superior-Hotels am Flughafen Zürich. Der erste Hotelroboter der Schweiz mit Minibarfunktion kommt schon regelmässig zum Einsatz. Daniel Twerenbold, als Regional Manager für die Radisson-Hotels in der Schweiz, Österreich, Italien und Südosteuropa zuständig, sagt: «Wir wollen herausfinden, wie weit diese Maschine unsere Mitarbeitenden bei Alltagsprozessen unterstützen kann.»

Daniel Twerenbold, Regional Manager für die Radisson-Hotels, posiert im Radisson Blu am Flughafen Zürich mit dem Hotelroboter Jeeves.
Daniel Twerenbold, Regional Manager für die Radisson-Hotels, posiert im Radisson Blu am Flughafen Zürich mit dem Hotelroboter Jeeves.
Foto: PD

Radisson mietet Jeeves vom Münchner Start-up Robotise. Drei Brüder surren bereits durch deutsche Hotels. Jeeves ist nicht nur in der Schweiz, sondern auch in einem grossen Kettenhotel eine Premiere. Ohne Füllung wiegt der Quader mit den abgerundeten Kanten 100 Kilo. Er ist 125 Zentimeter hoch und dient in erster Linie als rollende Minibar. Jeeves erledigt aber auch Transporte, indem er den Gästen etwa Badeschlappen oder zusätzliche Kissen aufs Zimmer bringt. Im Radisson Blu arbeitet der Roboter zudem im Room Service. Er wird aber nicht in der Küche oder im Restaurant, sondern in der Lobby mit Burger oder Pasta beladen.

«Um eine schnelle Lieferung zu garantieren, ist Jeeves darauf programmiert, Menschenansammlungen zu meiden. Er würde sonst für zu viel Aufsehen und Stau sorgen», erklärt Sarah Bretzler, Verkaufschefin des Herstellers Robotise.

Wie funktioniert Jeeves?

Im Prinzip ist der nach dem perfekten Kammerdiener Reginald Jeeves, dem Romanhelden des angelsächsischen Schriftstellers P. G. Wodehouse (1881–1975), benannte Roboter ein beweglicher 100-Liter-Kühlschrank auf zwei kleinen und zwei grossen Rädern. Im Sockel beherbergt Jeeves die Technik, er navigiert mittels Sensoren durchs Hotel; über dem Schrank thront ein Touchscreen-Bildschirm.

Das preisgekrönte Outfit ist in Schwarz, Metallic und Weiss gehalten, die vier Schubladen haben Glasfronten. Die oberste ist für Transportaufgaben reserviert. In den drei weiteren Schubladen befinden sich, ähnlich wie in einer Minibar, Snacks und gekühlte Getränke. Der Gast ruft per Zimmertelefon die 888 an. Auf Englisch meldet sich eine durchaus freundliche, aber bestimmte Stimme und erklärt, Jeeves fahre gleich los. In der Lobby rollt der Schrank von seiner Ladestation in einen leeren Lift und gelangt eigenständig in die Etage. Dort findet der ungewöhnliche Diener den direkten Weg zum Zimmer und erklärt dem Gast telefonisch, er warte vor der Tür, man soll doch bitte öffnen.

Auf dem Display sucht die Kundin Knabberzeug und Getränke aus. Die entsprechenden Schubladen öffnen sich. Sensoren melden die Konsumation, sie ziert bei der Abreise die Hotelrechnung. Die firmeneigenen Corona-Hygienemassnahmen zwangen das Radisson Blu vor Monaten, die Minibars in den Zimmern zu leeren. «Zum Glück haben wir nun Jeeves», sagt Hotelmanager Quirin Schaer. «Er versorgt die Gäste zuverlässig.» Am Display bedankt sich der munterste Kühlschrank des Landes mit einem «Great» und bittet, seine Arbeit und den Aufenthalt im Hotel gleich zu bewerten. Anschliessend kehrt Jeeves zum Lift zurück, bereit für neue Aufträge.

Wie reagieren die Hotelgäste auf den Roboter?

Wo immer Jeeves seine Arbeit verrichtet, er zieht die Blicke der Hotelgäste auf sich.
Wo immer Jeeves seine Arbeit verrichtet, er zieht die Blicke der Hotelgäste auf sich.
Foto: PD

An seinem Standplatz in der Lobby ist Jeeves unübersehbar. Radisson Blu vermarktet die gedrungene Hilfskraft unter dem Slogan «A Star is born». Man hat zu seinen Ehren Scheinwerfer und Spots installiert und den roten Teppich ausgerollt.

«Jeeves ist ein sehr beliebtes Selfie-Sujet», sagt Sarah Bretzler. Unterwegs bittet die Maschine die Leute, die ihren Weg versperren, doch bitte zur Seite zu treten: «Ich bin gerade unterwegs mit einer Lieferung.»

Nimmt Jeeves den Hotelangestellten den Job weg?

«Eine Maschine kann niemals den persönlichen Service eines Menschen ersetzen», sagt Daniel Twerenbold, und Quirin Schaer räumt ein: «Die Minibar-Bewirtschaftung gehört zu den unbeliebtesten Aufgaben in einem Hotel. Kein Angestellter kontrolliert gern die Bestände.» Deshalb sei die rollende Minibar, die auch in der Nacht ohne Zulagen arbeite, sehr hilfreich.

Haben Jeeves und Co. Zukunft in Hotels?

Daniel Twerenbold könnte sich vorstellen, eine kleine Flotte von Robotern anzuschaffen – falls die 330 Zimmer und Suiten im Radisson Blu wieder so gebucht werden wie vor der Pandemie. Jeeves sei für die Radisson-Gruppe ein Pilotprojekt, das firmenintern auf grosse Beachtung stosse und den Ruf des Unternehmens als zeitgemässer, digitalisierter Arbeitgeber stärke. Nicht nur bei Hotels steigt die Nachfrage nach Robotern. «Im Gesundheitswesen haben wir ebenfalls bereits Pilotprojekte erfolgreich gestartet», sagt Sarah Bretzler.

radissonhotels.com/blu

10 Kommentare
    Daniel Schlatter

    Toller Fortschritt, aber ich habe trotzdem lieber Menschen als Maschinen, ein Grund für mich, diese Hotelkette zu meiden.