Wetter

Was braucht es für eine Seegfrörni?

Mit der Seegfrörni auf dem Zürichsee wird es diesen Winter nichts werden. Eine Faustregel besagt, dass dafür eine negative Kältegradsumme von 350 nötig ist. Derzeit stehen wir bei 45.

Es ist eine Frage, welche die Bewohner am Zürichsee jeden Winter umtreibt, sobald es winterlich kalt wird: Bildet sich eine Eisdecke auf dem See und kommt es zu einer Seegfrörni?

In diesem Jahr ist die Frage schnell beantwortet: Nein, es reicht nicht. Das zeigen die Messdaten von Meteoschweiz. Der Winter war viel zu mild – daran ändert auch die aktuelle Kältewelle nichts mehr.

Um zu bestimmten, wann es zu einer Seegfrörni kommt, haben die Meteorologen einen Richtwert erschaffen: Die sogenannte negative Kältegrad-Summe (oder auch Kältegradtage).

Dafür werden alle negativen Tages-Durchschnittstemperaturen eines Winters zusammengezählt. Beispiel: Wenn an einem Tag eine Durchschnittstemperatur von -1,5 Grad und am nächsten Tag eine Durchschnittstemperatur von -1,6 Grad erreicht wird wird, dann ergibt das eine Kältegradsumme von -3,1.

Für eine komplette Seegfrörni auf dem Zürichsee muss eine negative Kältegradsumme von mindestens 350 erreicht werden. Davon sind wir im aktuellen Winter weit entfernt. Bis zum 26. Februar reichte es gerade mal für 45 Grad (siehe Grafik). Und sehr viel mehr dürfte es wohl nicht mehr werden: Ab Donnerstag werden die Temperaturen im Flachland bereits wieder steigen.

Letztmals im Februar 1963

Bei der letzten kompletten Seegfrörni auf dem Zürichsee kamen im Winter 1962/1963 fast 500 negative Kältegradtage zusammen. Der für das Zufrieren notwendige Wert von 350 wurde damals bereits Ende Januar erreicht. Die Eisdecke auf dem See hielt sich bis weit in den März hinein.

Die letzte partielle Seegfrörni gab es im Winter 2011/2012. Damals wurden 161 negative Kältegradtage erreicht. Das führte dazu, dass sich im Februar zumindest in windgeschützten Buchten, darunter der Rapperswiler Hafen, eine begehbare Eisdecke bildete.

Eine Kältesumme von fast 200 Minusgraden gab es im Winter 2005/2006. Eine tragfähige Eisdecke bildete sich aber in diesem Winter nicht heraus, was nicht zuletzt daran lag, dass die letzte Kältewelle erst Ende Februar und somit relativ spät einsetzte.

Ob es auf dem Zürichsee in näherer Zukunft überhaupt je wieder für eine Seegfrörni reichen wird, kann niemand mit letzter Sicherheit sagen. Die Experten von Meteoschweiz hegen jedoch starke Zweifel. Grund: Durch die Klimaerwärmung werden die Winter zusehends milder und die Kältewellen fallen kürzer aus. Das sind schlechte Voraussetzungen für ein Ereignis wie im Februar 1963.

Martin Steinegger (landbote.ch)

Erstellt: 27.02.2018, 13:58 Uhr

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