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Weniger Frust mit den SteuernSo wird die Steuererklärung zum Spiel

Schweizer Game-Entwickler zeigen, wie man die Bürgerpflicht spielerisch erledigen könnte. Doch vorerst erleichtern vor allem zwei bewährte Tipps die lästige Arbeit.

So könnte ein Spielanreiz für die Steuererklärung aussehen: Wer sich viel zutraut, wählt mit dem «Finanzdämon» den höchsten Level.
So könnte ein Spielanreiz für die Steuererklärung aussehen: Wer sich viel zutraut, wählt mit dem «Finanzdämon» den höchsten Level.
Screenshot: blindflugstudios.com

Jeremy Spillmann und Moritz Zumbühl sind überzeugt davon, dass das Ausfüllen der Steuererklärung Spass machen könnte. Sie sind Spiele-Designer und Co-Gründer des Schweizer Unternehmens Blindflug Studios in Zürich, das für seine Computergames schon mehrere Auszeichnungen erhalten hat. Die Idee, die Steuererklärung spielerisch umzusetzen, treibt die beiden schon länger um. Vor rund einem Jahr haben sie in Bern ihre Ideen Fachleuten der Eidgenössischen Steuerverwaltung und verschiedener kantonaler Steuerbehörden präsentiert. Im vergangenen Dezember gab es eine Onlinepräsentation in Zusammenarbeit mit dem Staatslabor – einer Plattform für Innovation im öffentlichen Sektor – und des Finanzdepartements Zürich, zu der sich über 100 Fachleute zugeschaltet haben.

Das Ziel der Spiele-Entwickler war nicht, fertige Lösungen vorzulegen. Stattdessen wollten sie über den Tellerrand der heutigen Steuerpraxis hinausblicken. Einer ihrer Vorschläge sieht vor, dass der Steuerpflichtige zu Beginn einen Schwierigkeitsgrad von «Einfach» bis «Finanzdämon» auswählen kann. Auf der einfachsten Stufe hätten Steuerpflichtige unbegrenzt Zeit und würden beim Ausfüllen von nur wenigen Formularen der Steuererklärung auch digitale Hilfestellungen erhalten.

Der «Finanzdämon» müsste sich hingegen in nur einer Stunde in vielen Formularen zurechtfinden. Für korrekt ausgefüllte Formulare gibt es Extrapunkte. Den Titel «Steuerkönig» erhält, wer dreimal hintereinander eine fehlerfreie Steuererklärung abgibt. Anerkennung für die Besten gäbe es in der Jahresrangliste und mit Einträgen in der «Hall of Fame», die im Landesmuseum eingerichtet würde. Die Game-Entwickler haben viele weitere Elemente auch für andere Spielertypen vorgeschlagen.

Der Zürcher Finanzvorsteher Daniel Leupi war an der Organisation einer solchen Präsentation beteiligt. Ihm gefiel insbesondere, dass die Entwickler verschiedene Spielertypen beschrieben haben: «Für mich ist es wichtig, die Motivation von Bürgerinnen und Bürgern zu kennen, damit wir sie optimal abholen können.»

Die zwei wichtigsten Tipps

Leupi räumt auch ein, dass viele der präsentierten Spiel-Ideen in der Praxis kaum umsetzbar sind. Leidgeprüfte Steuerpflichtige können also vorläufig noch nicht mit einem spannenden Game rechnen, welches ihnen das Ausfüllen der Steuererklärung erleichtert. Doch zwei bewährte Tipps helfen, den Aufwand gering zu halten und Ärger zu vermeiden.

Am wichtigsten ist, alle für die Steuererklärung relevanten Belege fortlaufend zu sammeln. Die meisten treffen Ende Jahr ein. Dazu zählen unter anderem Lohnausweis, Kontoauszüge, Belege zu Hypotheken, Krankenkassenprämien, Einzahlungen in die Säule 3a und Beiträge für die Kinderkrippe. Und wer die Steuererklärung in der Vergangenheit elektronisch ausgefüllt hat, kann viele Daten aus dem Vorjahr übernehmen. Das funktioniert mit einer Kopie natürlich auch bei der Papierversion.

9 Kommentare
    galzer

    Der Spieltrieb hört schnell auf, wenn sie im Kt. Solothurn sich mal anmelden müssen, um die Steuererklärung ONLINE zu machen. Erst kaufen Sie ein Handy mit Abo dazu. Dann müssen Sie zu Hause auch zwingend Internet haben.

    Das installieren und einloggen usw. ist eine Katastrophe.

    Der Kanton schaffte stillschweigen die Desktoplösung ab und bietet nur noch online bzw. per Hand ausgefüllte Steuererklärungen an. Das nennen die verantwortlichen dann noch einen super Erfolg, da angeblich über 75 % diese Lösung toll finden. Leider habe ich noch keinen Solothurner getroffen, der das so sieht.

    Die Hacker wirds freuen, wenn alle ihre Daten in die Clouds schicken, den Steuerzahler und da die guten STeuerzahler wirds nur frustrieren.