«Meidet sie im Ehebett und schlagt sie!»

Ein Luzerner Imam rät, Ehefrauen notfalls mit Schlägen zu disziplinieren – zudem soll die Scharia für alle Schweizer gültig sein.

Fragwürdige Predigten: Abdulrahman O. in der Moschee von Kriens LU.

Fragwürdige Predigten: Abdulrahman O. in der Moschee von Kriens LU.

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Die Wasserflecken an der Decke und der heruntergekommene Zustand des Gebäudes an der Motelstrasse 1 im luzernischen Kriens passen zu den Weltuntergangsszenarien, die im Innern gepredigt werden. In der Moschee im obersten Stockwerk warnt Abdulrahman O. seine Zuhörer in der Freitagspredigt, dass der Jüngste Tag unmittelbar bevorstehe. Schuld daran trügen nicht zuletzt die schlechten Regierungen dieser Welt, und die Muslime müssten ihr Leben im Diesseits dringend anpassen, damit sie im Jenseits nicht zu den Verlierern gehörten.

Den in Moralin getränkten Mahnfinger und Weltuntergangsszenarien findet man nicht nur in muslimischen Glaubensgemeinschaften, sondern genauso gut bei christlichen und anderen Sekten. Auffallend an der Krienser Darassalam-Moschee – der Name bedeutet «Stätte des Friedens» – sind aber die in anderem Zusammenhang gemachten, teilweise radikalen Aussagen des 38-jährigen Abdulrahman O.

Männer stehen über den Frauen

Anfang August bezog sich der Iraker in einer Freitagspredigt unter anderem auf die vierte Koransure. Dort heisst es im 34. Vers: «Die Männer stehen den Frauen in Verantwortung vor, weil Allah die einen vor den anderen ausgezeichnet hat (…) Und jene, deren Widerspenstigkeit ihr befürchtet: Ermahnt sie, meidet sie im Ehebett und schlagt sie! Wenn sie euch dann gehorchen, so sucht gegen sie keine Ausrede. Wahrlich, Allah ist erhaben und gross.»

Das Zitieren von Koran- oder Bibelstellen allein ist nicht verboten, auch wenn darin zu Gewalt aufgerufen wird. Entscheidend ist, ob ein Prediger in seiner eigenen Interpretation der heiligen Schriften Straftaten billigt oder seine Zuhörer sogar dazu anhält. In seiner arabischen Predigt erklärte Abdulrahman O. vor schätzungsweise 60 Zuhörern in seinen eigenen Worten: «Der Prophet – Friede und Segen Allahs seien mit ihm – sagte: Ich empfehle euch, euch um die Frauen zu kümmern, weil sie jünger als ihr sind. Denn ihr habt sie geheiratet, und ihr habt Rechte gegenüber ihnen und sie Rechte gegenüber euch. Ihnen ist nicht gestattet, eure Häuser ohne eure Erlaubnis zu verlassen.» Eine Frau, die aber gegen die Rechte des Mannes verstosse, müsse diszipliniert werden.

Dann präzisierte der Imam: «Die Disziplinierung der Frau soll zunächst durch Rat und Gespräch erfolgen, und wenn erfolglos, dann auch durch andere legitime Disziplinierungsmittel wie das Verlassen des gemeinsamen Ehebetts. Wenn nicht anders möglich, dann schliesslich durch leichte Schläge. Der Vater diszipliniert seinen Sohn, indem er mit ihm spricht oder ihn leicht schlägt, um ihn zu erziehen. Daher ist es zulässig, dass ein Mann seine Frau zur Disziplinierung schlägt, aber nicht aus Grausamkeit oder aus Gewalt. Das würde der Islam niemals gutheissen.»

Erwachsene Frauen notfalls schlagen und sie damit wie Kinder mit Gewalt erziehen? Frauen, die ihre Wohnung nicht ohne Erlaubnis des Ehemanns verlassen dürfen?

Der Imam hat keine Zeit für Fragen

Um mit dem Imam über seine Vorstellungen von Ehe und Kindererziehung zu sprechen, hat die SonntagsZeitung seinen Wohnort im Kanton Nidwalden aufgespürt. Die kleine Wohnung im Hochparterre wird durch grüne Vorhänge an den Fenstern vor neugierigen Blicken geschützt. Es öffnet eine Frau mit Kopftuch und zwei kleinen Kindern. Abdulrahman O. sei nicht zu Hause. Freundlich bietet die Mutter und Ehefrau an, den Imam anzurufen. Am Telefon geht Abdulrahman O. dann aber gar nicht erst auf die Frage nach der «erzieherischen Prügelstrafe» ein. Er habe gerade keine Zeit, und man solle seine Familie nicht be­lästigen. Auf weitere, schriftlich übermittelte Fragen reagierte der Iraker nicht.

Abdulrahman O. ist den Behörden bestens bekannt. Er wurde 2015 von der Bundesanwaltschaft zusammen mit drei weiteren Irakern angeklagt. Während die anderen Mitglieder der sogenannten Schaffhauser Zelle, mit denen ­Abdulrahman O. befreundet war, wegen terroristischer Aktivitäten zu mehrjährigen Gefängnisstrafen verurteilt wurden, erhielt der Imam einen Freispruch. Der ­Vorwurf, er habe eine kriminelle ­Organisation – in diesem Fall den IS – unterstützt, liess sich nicht ­beweisen.

Um die Vorstellungswelt von Abdulrahman O. besser zu verstehen, helfen weitere Aussagen aus der Freitagspredigt vom August. Der Iraker spricht darin unter anderem von den islamischen ­Regeln, die älter als 1400 Jahre seien. «Was die Gesetze des Islam jedoch betrifft, sind sie für Muslime und Nicht-Muslime zeitlos gültig (…).» Die Gesamtheit der islamischen Regeln, besser als Scharia bekannt, gelten für den Imam der Darassalam-Moschee also zum Beispiel auch für nicht muslimische Schweizer.

Wie er es selber mit den weltlichen Regeln, den Gesetzen des demokratischen Rechtsstaats, hält, geht aus dem Lebensweg des Irakers hervor, seit er 2007 als angeblicher Flüchtling in die Schweiz kam. Als sein Asylantrag abgelehnt wurde und er nur eine Aufnahme mit F-Bewilligung erhielt, beantragte er unter falschem Namen einfach Asyl in Schweden, wobei er sich als Syrer ausgab. Dort waren die Behörden weniger kritisch und bezahlten ihm Sozialhilfe, was er in der Schweiz aber verschwieg. Abdul­rahman O. wurde 2013 deswegen per Strafbefehl zu einer bedingten Geldstrafe von 60 Tagessätzen à je 30 Franken verurteilt.

Auch die Darassalam-Moschee ist bei den Behörden keine Unbekannte. Schon vor zehn Jahren vermerkte der Nachrichtendienst, dass der damalige Imam in Kriens, ein Libyer, die Schweizer als «ungläubige Affen und Schweine» bezeichnet habe, die es auszurotten gelte. Der Prediger dementierte.



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Erstellt: 06.10.2019, 09:22 Uhr

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