Keine Ahnung vom Schwingen? Wir erklären die wichtigsten Würfe

Diese Illustrationen und Videos zeigen, mit welchen Tricks der Gegner am Eidgenössischen ins Sägemehl katapultiert wird.

Riesige Dimensionen: Das temporäre Stadion in Zug wird über 56’500 Zuschauer fassen. Foto: Keystone

Riesige Dimensionen: Das temporäre Stadion in Zug wird über 56’500 Zuschauer fassen. Foto: Keystone

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Der Schweizer Nationalsport boomt. Am Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest (Esaf) in Zug werden 350’000 Besucher erwartet. Mehr als eine Million Zuschauer verfolgen den Megaevent zudem live am TV mit. Darunter werden sicher nicht nur eingefleischte Fans und Experten sein, sondern auch viele Menschen, die das Schwingen nicht wirklich kennen.

Damit auch sie verstehen, was den Wettkampf ausmacht oder am Arbeitsplatz wenigstens ein bisschen mitreden können, erklären wir die fünf wichtigsten Würfe. Vom Schwingerverband werden sie als «Hauptschwünge» bezeichnet.

Kurz

Der Kurzzug ist der wohl am meisten angewandte Wurf und wahrscheinlich der erste, den junge Schwinger lernen. Der Angreifer zieht seinen Widersacher aus dem Stand auf sein Knie und wirft ihn mit gedrehtem Oberkörper auf den Rücken. Reagiert der Gegner mit einer Knieparade, wird er kurz abgesetzt und erneut hochgerissen, oder er wird mit einer Finte auf das andere Knie verlagert und auf die andere Seite geworfen.

Kennt den Kurz aus dem Effeff: Ex-Schwingerkönig Matthias Sempach. Video: Tamedia

Beherrscht einer diesen Schwung, sind in ähnlicher Ausführung verschiedene Varianten möglich, zum Beispiel der Kurz mit Oberarmgriff oder Oberschenkelgriff. Bekannte Kurzzüger sind Kilian Wenger, Matthias Glarner und Christian Stucki.

Übersprung

Der Übersprung gilt als einfachster Schwung. Er kann sowohl offensiv als Angriffsschwung als auch defensiv als Gegenschwung eingesetzt werden. Der Angreifer täuscht mit einer Finte bspw. einen Kurz an, dreht blitzschnell nach links oder rechts, springt mit dem linken oder rechten Bein möglichst weit hinter das Bein des Gegners und wirft diesen mithilfe des Oberkörpers auf den Rücken.

Wird vorzugsweise von grösseren Schwingern eingesetzt: Zwei Beispiele des Übersprungs im Ernstkampf. Video: Youtube/SRF Archiv

Wie es der Name verrät, geschieht dieser Angriff bei vielen Schwingern sprungartig. Lange Beine sind hier von Vorteil. Der 1,94 Meter grosse Ex-König Matthias Sempach galt deshalb als Spezialist.

Hüfter

Der Hüfter setzt auf die Hebelwirkung des Körpers und kann spektakulär aussehen. Der Schwinger ergreift mit einer Hand den Oberarm des Widersachers. Mit einer Körperdrehung wird der Gegner über das eigene Gesäss auf den Rücken katapultiert. Wie andere Schwünge kann der Hüfter sowohl links als auch rechts ausgeführt werden.

Setzt den Hüfter hier als Konter an: Hans-Peter Pellet zeigt, wie es geht. Video: Youtube/SRF Archiv

Bei guter Ausführung ist dieser Wurf eine starke Waffe für kleinere Schwinger. Aber auch grössere Schwinger setzen ihn gern ein: Armon Orlik, immerhin 1,90 Meter gross, beherrscht ihn besonders gut.

Brienzer

Der Brienzer wird in zwei Varianten geschwungen: vor- und rückwärts. Erstere ist besonders für einen Schwinger effektiv, der körperlich im Nachteil ist. Dazu wechselt er seine rechte Hand vom Gurt zum Gestöss (Beinabschlüsse der Schwingerhosen), dreht nach rechts und greift mit dem linken Arm über die Schulter links das Gestöss oder den Gurt des Gegners. Gleichzeitig hängt er mit dem linken Bein beim rechten Bein des Gegners ein, spreizt das Bein hoch und wirft ihn kopfüber auf den Rücken.

Anschauungsunterricht beim Ex-Schwingerkönig: Matthias Sempach macht einen Brienzer. Video: Tamedia

Der Brienzer vorwärts wird vorzugsweise von leichteren Athleten und kombiniert mit anderen Schwüngen benützt, beispielsweise dem Fussstich, dem inneren und äusseren Haken oder dem Arm- und Kopfgriff. Es gibt deshalb eine fast unerschöpfliche Anzahl an Ausführungen.

Bur

Dieser Schwung kommt zum Einsatz, wenn der Gegner schon im Sägemehl liegt. Um zu verhindern, dass sich dieser wieder aufrichten und neu in Stellung bringen kann, blockiert der Angreifer den Oberkörper des Liegenden und drückt ihn auf den Rücken. Eine gibt eine Vielfalt von Bodenschwüngen, wobei es sich vorwiegend um die verschiedenen Ausführungen des Bur handelt.

Der Gegner ist erst geschlagen, wenn er mit beiden Schulterblättern oder mindestens zwei Dritteln seines Rückens den Boden berührt: Hans-Peter Pellet in Aktion. Video: Youtube/SRF Archiv

Ursprünglich waren nur einige wenige Schwünge wie Kurz, Brienzer oder Bur bekannt. Heute sind an die 100 im Schwingerlehrbuch ausführlich festgehalten. Laut der Schwingerzeitung «Schlussgang» gibt es sogar über 300 verschiedene Varianten oder Kombinationen, um den Gegner zu bezwingen.

Der Gang gilt als gewonnen, wenn der überlegene Schwinger seinen Widersacher mit mindestens einer Hand an der Hose festhält und dieser den Boden des Sägemehlrings mit beiden Schulterblättern oder mindestens zwei Dritteln des Rückens berührt. Gibt es bis zum Ablauf der Zeit (beim Eidgenössischen normalerweise 5 Minuten) keinen Sieger, wird der Gang als «gestellt» und somit als Unentschieden bewertet.

Erstellt: 22.08.2019, 14:39 Uhr

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