Leichtathletik

Ein Suchender tritt ab

Amaru Schenkel, Sprinter der LV Winterthur, tritt vom Leistungssport zurück – mit erst 28 Jahren. Um einen Abgang nach diversen Rückschlägen handelt es sich.

Der nationalen Konkurrenz meistens einen Schritt voraus war LVW-Sprinter Amaru Schenkel, wie hier an der SVM 2013 auf dem Deutweg.

Der nationalen Konkurrenz meistens einen Schritt voraus war LVW-Sprinter Amaru Schenkel, wie hier an der SVM 2013 auf dem Deutweg. Bild: Heinz Diener

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10,19 Sekunden über 100 m, 20,48 über 200 m: Spitzenpositionen belegt Amaru Schenkel mit seinen Bestleistungen in der nationalen Hierarchie. Über die Königsdistanz der Leichtathletik ist es hinter Rekordhalter Alex Wilson (10,12) und dessen Vorgänger Dave Dollé (10,16) Position 3, über 200 m hinter Kevin Widmer (20,41), Marc Schneeberger (20,42), Dave Dollé (20,43) und Peter Muster (20,46) Platz 5. Doch Schenkels beste Leistungen liegen bereits fünf, sechs Jahre zurück. Das wirkt zermürbend.

Schenkel bestätigt: «Seit 2014 haben mich Schmerzen im Fuss stetig begleitet.» Immer mit getaptem Knöchel war er unterwegs. Nie ganz frei, nie ganz gelöst. Dennoch gelangen ihm Saison für Saison hervorragende Leistungen: 2014 leistete er Grossanteile zum 4. EM-Platz an den Heimtitelkämpfen in Zürich und zum noch immer gültigen Schweizer 4x100-m-Staffelrekord von 38,54 Sekunden.

Und auch letztes Jahr, mit noch stärker akzentuiertem Handicap, verstand er es, an der EM in Amsterdam dank den besten fliegend gestoppten Abschnittszeiten Wesentliches zum guten7. Rang beizusteuern. «Mit meinem jetzigen Rücktritt darf ich hinaus laufen und muss nicht davon hinken», spricht er bildlich.

Sport als Ausweg

Zu sprinten begonnen hatte Reto Amaru Schenkel, Adoptivkind aus Togo, mit acht Jahren. Als schnellster Feraltorfer durfte er sich feiern lassen. Mit 12 trat er der LV Winterthur bei. Peter Spiller wurde zu seinem «Athletenvater». Doch seine Art forderte und überforderte ausserhalb des Sports. Schenkel kam zu einer Pflegefamilie, besuchte die Sonderschule. kam in Institutionen für schwer erziehbare Kinder in der Innerschweiz und im Berner Oberland.

Der Sport war der Ausweg und sein Glück. Mit Sprinten gelang es ihm, das Chaos in seinem Innern und Privatleben zu ordnen. Früh liess er aufhorchen. Mit 16 lief er die 100 m in 10,88 Sekunden, mit 17 gewann er an den Europäischen Jugendspielen Silber, mit 18 lief er 10,45 – noch immer Schweizer Juniorenrekord. EM-Fünfter wurde er in der Kategorie U20. Neben dem Sport schloss er das KV ab.

Um Gold im Beruf

Geprägt war die Karriere von Reto Amaru Schenkel von grossen Möglichkeiten, hervorragenden Leistungen und stetigem Wandel. Schenkel war ein Suchender. Einer, der die Perfektion mochte. Von Spilller über Lucio di Tizio im LC Zürich, Laurent Meuwly in Fribourg, Weltrekordler-Coach Loren Seagrave in den USA, Stefan Burkart in Zürich, Adrian Rothenbühler in Bern und zuletzt Patrick Saile in Winterthur suchte er die Unterstützung. Über den LC Zürich kehrte er zur LVW zurück – wo er weitgehend für sich arbeitete und von seinem über die Jahre angeeigneten Wissen und Verständnis für seinen Körper profitierte.

«Ich hatte eine Superkarriere.» Aber jetzt sieht er den Zeitpunkt, um umzusatteln. Die Weiterbildung zum Marketing Manager will er in einer Festanstellung nutzen. Ganz Sportler sagt er: «Jetzt geht es um Gold im Business.» Mit dem Sprint will er aber verbunden bleiben. Vom jungen Basler 200-m-Spezialisten Silvan Wicki hält er grosse Stücke. Ihn will er unterstützen und ihn von seiner Erfahrung profitieren lassen. ()

Erstellt: 04.04.2017, 20:40 Uhr

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