Der SCB verspielt grossen Vorsprung, Biel übernimmt Spitze

Der Meister aus Bern führt auswärts in Rapperswil-Jona 4:1 und geht dennoch als Verlierer vom Eis. Die Seeländer lösen die ZSC Lions als Leader ab.

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Welch eine Achterbahnfahrt in Rapperswil-Jona. Der SC Bern schleppt sich bei den Lakers trotz früher 3:0-Führung nur mit Müh und Not in die Overtime und kassiert dort nach Corsin Casutts Kontertor das 4:5. Zunächst hatte sehr vieles auf einen Start-Ziel-Sieg des SCB hingedeutet. Die ersten zwei Minuten waren zwar wirr und bescherten den Lakers zwei Top-Chancen. Doch als keine zwei weitere Minuten später nach einem Doppelschlag Tristan Scherweys und Simon Mosers der SCB 2:0 führte und gar mit einem 3:0-Vorsprung in die erste Drittelspause konnte, dann schien doch schon früh fast alles klar. Und als Ramon Untersander bei Spielhälfte mitten in die erste Rapperswiler Druckphase das 4:1 schoss, dachten wohl alle im Stadion, dass da nichts mehr anbrennen würde. Doch dann begannen die Berner Unzulänglichkeiten, die Passivität – und mit jeder Minute wuchs bei den Lakers der Glaube ans Undenkbare.

Ein Shorthander nach einem Puckverlust Calle Anderssons zum 2:4 noch vor Ende des Mitteldrittels war das Fanal zur Aufholjagd. Spätestens nach Sandro Forrers 3:4 (44.) passte bei Bern gar nichts mehr, teilweise wirkte das desolat, was der SCB da in der eigenen Zone aufführte. Als Jorden Gähler acht Minuten vor Schluss zum 4:4 traf, war der Ausgleich längst hochverdient. Und es war eher der SCB, der sich in die Overtime retten musste. Auch dort sah er zunächst wie der sichere Sieger aus, als Andrew Ebbett aus nächster Nähe das leere Tor vor sich hatte und nur den Pfosten traf. Kurz danach schloss Corsin Casutt einen Konter erfolgreich ab, die Lakers siegten 5:4.

Biel löst ZSC Lions ab

War es doch nur ein Strohfeuer? Ein kleiner Hoffnungsschimmer nach der Trennung von Headcoach Mark French? Am Samstag bescherte Fribourg seinem Sportchef Christian Dubé gegen die Lakers einen ersten Erfolg beim Debüt als Interimstrainer, es war der erste Sieg nach 60 Minuten gewesen. Gegen Biel, einen ungleich stärkeren Widersacher, bot sich wieder das gewohnte Bild: Die Gottéron-Spieler verliessen das Eis mit hängenden Köpfen, 1:4 unterlagen sie den Seeländern, die dank der drei Punkte die spielfreien ZSC Lions an der Tabellenspitze ablösten.

Toni Rajala hatte für den Favoriten schon früh eine Grosschance vergeben, dann waren es Jason Fuchs und Michael Hügli, die noch im ersten Drittel auf 2:0 stellten. Weil Ryan Gunderson nach einer halben Stunde im Powerplay per Slapshot verkürzte, kam beim Heimteam der Glaube an eine Wende auf. Routinier Beat Forster dämpfte die Stimmung in der BCF-Arena aber nur fünf Minuten später, als ihm mit einem missglückten Querpass das erste Saisontor gelang. Davon erholte sich Gottéron nicht mehr.

Ciaccios bitterer Abend in Genf

Nach vier Niederlagen in Serie holte Servette wieder mal einen Dreier. Es war an und für sich ein geruhsamer Abend für die Genfer, welche Langnau 6:3 bezwangen. Und doch verlief zumindest das erste Drittel kurios: Nach 15 Minuten hatte Tigers-Goalie Damiano Ciaccio noch immer keine Parade gezeigt, aber schon dreimal hinter sich greifen müssen. Servettes Effizienz? 100 Prozent! 4:1 lag das Heimteam nach dem Startabschnitt in Führung, gemessen an den Spielanteilen war das Verdikt ein Hohn.

In den restlichen 40 Minuten war trotz je zwei Toren nicht mehr allzu viel los, Langnau versuchte einiges, den Gästen aber gelang wenig. Sie verteidigten zu wenig resolut, agierten in der Offensive zu umständlich. Nun liegen sie nach Verlustpunkten unter dem Strich. Und Ciaccio, der endlich wieder einmal das Tor hüten durfte? Trug zwar nicht die Hauptschuld an der Niederlage, war aber auch alles andere als ein sicherer Rückhalt. Ivars Punnenovs dürfte künftig wieder das Vertrauen erhalten.

Zug mit Blitzstart zum klaren Sieg

Der EV Zug kam gegen Ambri-Piotta zu einem ungefährdeten 5:1-Sieg. Yannick Zehnder in der 2. und Santeri Alatalo in der 6. Minute brachten die Zuger früh in Führung. Der Kanadier Matt D'Agostini hätte die Leventiner zurück ins Spiel bringen, doch er scheiterte zweimal alleine vor Luca Hollenstein, der anstelle von Leonardo Genoni das Zuger Tor hütete.

Als David McIntyre mit einer feinen Einzelleistung gleich zu Beginn des zweiten Drittels das 3:0 erzielte, war die Partie praktisch entschieden. Die Zuger Verteidigung liess kaum Torchancen zu, und wenn, war da noch Hollenstein zur Stelle. Gregory Hofmann erhöhte mit seinen Saisontoren 8 und 9 auf 5:0. Ambris Goalie Dominik Hrachovina verhinderte mit einigen starken Reflexen eine höhere Niederlage, so parierte er einmal gegen Hofmann mirakulös. Die Tessiner waren chancenlos und nahmen sich mit zahlreichen Strafen selbst aus dem Rennen. Immerhin erzielte Johnny Kneubuehler noch den Ehrentreffer für die unterlegenen Gäste.

Telegramme

Rapperswil-Jona Lakers - Bern 5:4 (0:3, 2:1, 2:0) n.V.
4089 Zuschauer. SR Salonen/Urban, Kaderli/Gnemmi.
Tore: 2. Scherwey (Ebbett) 0:1. 4. Moser (Rüfenacht) 0:2. 14. Moser (Untersander, Rüfenacht) 0:3. 26. Mosimann (Hächler) 1:3. 29. Untersander (Rüfenacht, Andersson) 1:4. 35. Rowe (Wellman/Ausschluss Rehak!) 2:4. 45. Forrer (Rowe) 3:4. 52. Gähler 4:4. 64. (63:15) Casutt (Kristo, Egli) 5:4.
Strafen: 4-mal 2 plus 1-mal 10 (Dufner) Minuten gegen Rapperswil-Jona, 4-mal 2 Minuten gegen Bern.
Rapperswil-Jona Lakers: Nyffeler; Hächler, Maier; Vukovic, Dufner; Egli, Randegger; Antonietti, Gähler; Kristo, Schlagenhauf, Clark; Wellman, Rowe, Forrer; Mosimann, Dünner, Casutt; Rehak, Ness, Spiller.
Bern: Schlegel; Untersander, Burren; Andersson, Koivisto; Krueger, Blum; Colin Gerber; Rüfenacht, Arcobello, Moser; Praplan, Mursak, Ebbett; Sciaroni, Heim, Scherwey; Grassi, Berger, Pestoni; Jeremi Gerber.
Bemerkungen: Rapperswil-Jona ohne Cervenka, Profico, Hüsler und Schweri, Bern ohne Beat Gerber, Bieber und Kämpf (alle verletzt). Timeout Bern (52.). Pfosten-/Lattenschüsse: Moser (61.), Ebbett (63.).

Fribourg-Gottéron - Biel 1:4 (0:2, 1:1, 0:1)
5894 Zuschauer. - SR Stricker/Vikman (FIN), Fuchs/Progin.
Tore: 14. Fuchs (Hügli, Rathgeb/Ausschluss Walser) 0:1. 16. Hügli (Rathgeb, Rajala) 0:2. 30. Stalberg (Gunderson, Desharnais/Ausschluss Cunti) 1:2. 35. Forster (Pouliot) 1:3. 58. Künzle (Cunti, Riat) 1:4 (ins leere Tor).
Strafen: 2-mal 2 Minuten gegen Fribourg, 4-mal 2 Minuten gegen Biel.
Fribourg-Gottéron: Berra; Gunderson, Furrer; Abplanalp, Stalder; Kamerzin, Chavaillaz; Marti; Brodin, Desharnais, Mottet; Rossi, Bykow, Stalberg; Marchon, Walser, Lhotak; Schmid, Schmutz, Vauclair; Lauper.
Biel: Hiller; Moser, Kreis; Rathgeb, Forster; Sataric, Salmela; Fey; Hügli, Pouliot, Rajala; Riat, Cunti, Künzle; Schneider, Fuchs, Neuenschwander; Tschantré, Gustafsson, Ulmer; Kohler.
Bemerkungen: Fribourg ohne Sprunger, Biel ohne Brunner (beide verletzt). 58. Timeout Fribourg, von 57:37 bis 57:52 ohne Torhüter.

Servette - SCL Tigers 6:3 (4:1, 0:0, 2:2)
5207 Zuschauer. - SR Hebeisen/Lemelin, Altmann/Duarte.
Tore: 4. Le Coultre (Smirnovs/Ausschluss Berger) 1:0. 5. Maurer (Wingels) 2:0. 9. (8:54) Kuonen (Pesonen, Earl) 2:1. 10. (9:52) Rod 3:1. 19. Smirnovs (Le Coultre, Wingels/Ausschluss DiDomenico) 4:1. 47. Jacquemet (Karrer/Ausschluss Erni) 5:1. 53. Bozon 6:1. 59. (58:08) Schmutz (Lardi) 6:2. 59. (58:42) Kuonen (Leeger) 6:3.
Strafen: 3-mal 2 Minuten gegen Servette, 4-mal 2 Minuten gegen SCL Tigers.
Servette: Descloux; Mercier, Le Coultre; Jacquemet, Olsson; Karrer, Maurer; Völlmin, Tanner; Wingels, Winnik, Rod; Kast, Fehr, Bozon; Maillard, Smirnovs, Miranda; Riat, Berthon, Simek.
SCL Tigers: Ciaccio; Glauser, Leeger; Erni, Lardi; Cadonau, Schilt; Grossniklaus, Huguenin; DiDomenico, Maxwell, Dostoinow; Kuonen, Earl, Pesonen; Schmutz, Berger, Neukom; Andersons, Diem, Rüegsegger.
Bemerkungen: Servette ohne Douay, Fritsche, Richard, Tömmernes und Wick, SCL Tigers ohne Blaser, Gagnon, In-Albon (alle verletzt).

Zug - Ambri-Piotta 5:1 (2:0, 3:0, 0:1)
6612 Zuschauer. - SR Wiegand/Gofman (RUS), Cattaneo/Kovacs.
Tore: 3. Zehnder (Albrecht, Diaz) 1:0. 6. Alatalo (Martschini, Thorell) 2:0. 22. McIntyre 3:0. 32. Hofmann (Martschini/Ausschlüsse Dal Pian, Bianchi) 4:0. 39. Hofmann (Diaz, Kovar/Ausschluss Ngoy) 5:0. 55. Kneubuehler (Ausschluss McIntyre) 5:1.
Strafen: 6-mal 2 Minuten gegen Zug, 12-mal 2 Minuten gegen Ambri-Piotta.
Zug: Hollenstein; Diaz, Stadler; Thiry, Alatalo; Morant, Schlumpf; Wüthrich; Simion, Kovar, Hofmann; Martschini, Lindberg, Thorell; Leuenberger, McIntyre, Bachofner; Langenegger, Albrecht, Zehnder; Bougro.
Ambri-Piotta: Hrachovina; Fora, Dotti; Plastino, Fischer; Fohrler, Ngoy; Pinana, Neuenschwander; Flynn, Müller, Zwerger; Trisconi, D'Agostini, Egli; Hofer, Goi, Bianchi; Incir, Dal Pian, Kneubuehler.
Bemerkungen: Zug ohne Kristensen, Schnyder, Senteler, Zgraggen, Zryd (alle verletzt) und Klingberg (überzähliger Ausländer), Ambri-Piotta ohne Conz, Kostner, Rohrbach (alle verletzt), Gerlach (gesperrt) und Sabolic (überzähliger Ausländer). - Timeout Ambri-Piotta (6.).

Rangliste: 1. Biel 12/23 (29:24). 2. ZSC Lions 11/22 (41:29). 3. Genève-Servette 12/20 (36:32). 4. Zug 10/18 (40:31). 5. Lugano 10/17 (29:27). 6. Lausanne 9/15 (28:30). 7. Bern 11/14 (32:36). 8. SCL Tigers 11/14 (27:34). 9. Rapperswil-Jona Lakers 11/14 (27:31). 10. Davos 6/11 (21:16). 11. Ambri-Piotta 11/10 (21:30). 12. Fribourg-Gottéron 8/5 (13:24).


Eisbrecher – der Hockey-Podcast von Tamedia

Die Sendung ist zu hören auf Spotify sowie auf Apple Podcast. Oder direkt hier:

(kk/kai/phr/rom)

Erstellt: 11.10.2019, 22:09 Uhr

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