Der unerwartete Bösewicht

Zwei Checks gaben im ersten Spiel des Playoff-Finals Bern – Zug zu reden. Der eine dürfte eine lange Sperre nach sich ziehen.

Illustration Kornel Stadler

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Mit Adam Almquist hat das Schweizer Eishockey einen unerwarteten neuen Bösewicht. Bösewicht? Nicht wirklich, für böse Aktionen oder überharte Checks ist der Schwedische Verteidiger des SC Bern nicht bekannt. Doch nun hat er in Finalspiel 1 am Donnerstag eben dies hier getan:

Der Check Adam Almquists gegen den Zuger Reto Suri. (Video: MySports)

Almquist wurde vorsorglich für Spiel 2 am Samstag in Zug gesperrt, es dürften weitere Spielsperren dazukommen. Einige weitere. Almquist dürfte diese Saison in den maximal sechs verbleibenden Spielen kaum noch zum Einsatz kommen. Denn an seinem Check gegen Suri ist so vieles falsch. Das Timing sowieso. Der Sprung vor dem Zusammenstoss. Der Kopf des Gegners als erster Berührungspunkt. Und all das gepaart mit der Wucht und der Intensität des Checks.

Und man fragt sich schon fast: Wusste Almquist überhaupt, was er da macht? Dass er sich während des Checks in der Luft noch abdreht, Suri fast mit dem Hinterteil am Kopf trifft und sich danach selbst kopfvoran in die Bande katapultiert, spricht dagegen. Der Bodycheck scheint nicht seine Kernkompetenz zu sein …

Die Aktion wirkt wie der (komplett missglückte) Versuch eines sonst nicht wirklich physisch hart spielenden Akteurs, irgendein Zeichen zu setzen im Frust einer sich anbahnenden Niederlage.

Denn nein, Almquist ist kein klassischer Bösewicht des Eishockeysports. Im Gegenteil: Sein Strafenregister ist gerade für einen Verteidiger kaum der Rede wert, er fiel in der ganzen Saison kaum einmal mit negativem Benehmen auf dem Eis auf. Doch all das darf nicht als strafmildernd ausgelegt werden. Denn wenn ein Spieler bei einem derart wuchtigen Bodycheck unkontrolliert agiert, kann er die Konsequenzen nicht mehr abwägen, überlässt er diese dem Zufall. Und dann wird's gefährlich. Suri hatte hier auch Glück im Unglück.

Der Check von Everberg

Das vom EV Zug mit 4:1 gewonnene erste Spiel des Playoff-Finals 2019 wurde von Minute zu Minute zur immer noch emotionaleren Angelegenheit – mit Almquists Check als negativem Höhepunkt. Und wenn das so ist, stehen wie immer die Referees im Mittelpunkt – und werden von allen Seiten kritisiert …

Welch schwierigen Job sie dabei auch am Donnerstag zu absolvieren hatten, zeigt eine weitere Szene mit einem Bodycheck, der zunächst ebenfalls für viel Geschrei sorgte, danach aber locker von der Charge Almquists als das Diskussionsthema abgelöst wurde: Die als Bandencheck mit 2+10 Strafminuten geahndete Aktion des Zugers Dennis Everberg gegen den Berner Topskorer Mark Arcobello.

Betrachtet man ausschliesslich den exakten Moment des Zusammenpralls, liefert auch diese Szene nichts Schönes, ausser vielleicht für den Fotografen auf der anderen Seite der Bande, der sich diebisch zu freuen scheint über diese unerwartete Chance auf ein spezielles «Portraitbild» Arcobellos …:

Der Check von Dennis Everberg gegen Mark Arcobello im Moment des Aufpralls. (Bild: Screenshot SRF)

Warum aber hat dieser Check keine weiteren Folgen für Everberg? Die ganze Vorgeschichte spielt hier eine Rolle:

Der Check Dennis Everbergs in der ganzen Entstehung. (Video: SRF)

Im Moment, als Everberg zum Check ansetzt, fährt Arcobello der Bande entlang, es käme im Normalfall also zu einem Check Schulter gegen Schulter:

Im allerletzten Moment dreht sich Arcobello aber in den Check hinein, Everberg ist bereits mitten in der Check-Bewegung:

Es kann (und es wird auch, je nach Lager …) also so oder so argumentiert werden: «Es war kein Foul» oder «Check in den Rücken.» Die Schiedsrichter mussten, wie immer, innert Sekundenbruchteilen und ohne Wiederholung auf dem Bildschirm entscheiden.

Es gab in dieser Saison übrigens bereits eine Art «Präzedenzfall», ebenfalls mit dem EV Zug beteiligt. Damals, im Januar in einem Qualifikationsspiel gegen Lausanne, war der EVZ-Stürmer David McIntyre allerdings in der «Opferrolle». Der Lausanner Dario Trutmann checkte den Kanadier kopfvoran in die Bande. Im ersten Moment eine Aktion, die den Betrachter kurz zusammenzucken und erschaudern lässt:

Der Check von Dario Trutmann gegen David McIntyre. (Video: MySports)

Von einer Sperre wurde hier aber abgesehen. Weil auch hier ein ähnlicher Vorgang wie am Donnerstag bei Everberg gegen Arcobello vorlag. Im Moment, als Trutmann zum Check ansetzt, lag hier sogar Blickkontakt vor zwischen ihm und McIntyre:

Als Trutmann bereits in der Check-Bewegung war, drehte sich McIntyre im letzten Moment in den Check und wurde voll in den Rücken erwischt. Dies dürfte weitere Sanktionen gegen Trutmann verhindert haben. Oder besser gesagt: Man kann davon ausgehen, dass dies der Grund war. Denn «Nicht-Entscheide» werden im Schweizer Eishockey nicht offiziell kommuniziert.

Erstellt: 12.04.2019, 17:15 Uhr

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