Zürich

Panik und Harry sind schlechte Ratgeber

Sie feierten Jubiläum, sie hatten ihre «Vision Lakers». Doch dann liessen sich die Lakers von Intrigen und Kurzschlüssen lenken.

Abschied aus der NLA im Jubiläumsjahr: Rapperswil-Jona Lakers.

Abschied aus der NLA im Jubiläumsjahr: Rapperswil-Jona Lakers. Bild: Keystone

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Wir müssen noch viel lernen.» Diesen Satz sprach Pekka Rautakallio im September 1995. Soeben hatte der SCRJ, dessen Trainer der Finne war, bei seinem NLA-Debüt in der Halle von Meister Kloten 0:5 verloren. Der Schlittschuhclub Rapperswil-Jona, wie er damals hiess, war unter der Führung eines absoluten Fachmanns aus der NLB aufgestiegen. Verteidiger Rautakallio war der erste Finne, der in einem NHL-All-Star-Game auftrat (1982). Rautakallio hatte sich seinen Status am Obersee mit seinen eindrücklichen Leistungen auf dem Eis erarbeitet. Gelernt haben die St. Galler, die inzwischen Lakers heissen, in 21 Jahren NLA wenig. Deshalb sind sie wieder abgestiegen. Sie hatten zuletzt die ähnlichen Voraussetzungen wie im Aufstiegsjahr. Wieder stand eine aussergewöhnliche Leaderfigur an der Bande. Anders Eldebrink war wie Rautakallio ein herausragender Verteidiger. Weltmeister als Spieler, Olympiasieger als Trainer. Eldebrink hatte im Frühjahr 2013 gleich zweimal seine Klasse als Nothelfer belegt. Zuerst rettete er AIK Stockholm vor den Abstiegsspielen, dann hielt er die Lakers mit einem denkwürdigen Sieg im Playout-Final gegen die SCL Tigers in der NLA. Nach Rapperswil gekommen war der Schwede als «helfende Hand» für den damaligen Trainer Harry Rogenmoser. Nachdem Rogenmoser aber gegen Ambri den Playout-Halbfinal verloren hatte, bekam der Trainerneuling weiche Knie und feuchte Hände. Er trat von seinem Job zurück – und wurde mit der Beförderung zum Sportchef belohnt. Und der, der als unerfahrener Trainer schon höchst weltfremde Weisheiten von sich gab, sprach und handelte auch als Sportchef nicht anders. Man konnte ihn einfach als Kultfigur betrachten. Doch dann meinte Rogenmoser, eingreifen zu müssen.

Und so begab es sich doch tatsächlich, dass dieser Mann, der als Funktionär im Eishockeybusiness nichts bis gar nichts erreicht hatte und kaum über die Rapperswiler Bande hinaussah, sich erdreistete, einen Fachmann wie Eldebrink zu beurlauben. Nicht, ohne ihn zuerst noch blossgestellt zu haben. Denn drei lange Tage hatte es gedauert, bis sich Rogenmoser einmal dazu bequemte, die Trainersituation zu kommentieren, sich nach der verlorenen Ambri-Serie hinter den Coach zu stellen. Drei Tage, die frei für Spekulationen waren. Wir gehen mit dir den ganzen Weg, sagte nach diesen drei Tagen Rogenmoser zum Coach. Ein Spiel später war alles anders. Die Geduld, die meist Rosen bringt, war beim Klub der Rosenstadt der Panik gewichen. Orchestriert von einer unsäglich schwachen Leitung. Der Verwaltungsrat hat viel Geld, aber die Geschicke des Vereins in die Hände von Leuten gelegt, die solchen Anforderungen nicht genügen. Roger Sigg als Geschäftsführer und Harry Rogenmoser als Sportchef – das ist kein Traumduo. Panik und Harry sind schlechte Ratgeber.

Ein Traumduo waren auch Eldebrink und sein Assistent Michel Zeiter nicht. Das Wichtigste in einer Trainercrew ist die Loyalität. Wenn die fehlt, spüren und fühlen das nicht nur die Coaches, sondern auch die Spieler. Dass Zeiter bereit war, die Nachfolge Eldebrinks anzutreten, zeigt auf, dass er mit dem Schweden in gewissen Punkten nicht einverstanden war. Das spaltete auch die mannschaftlichen Interessen. Dass danach die schwedischen Spieler, die für nächste Saison noch einen Vertrag mit den Lakers hatten, in ihren Leistungen nachliessen, spricht nicht für Nachfolger Zeiter, der ebenfalls ein Verlierer in diesem schlechten Theater ist. Garniert wurde das Ganze mit den unsäglichen Interviewverboten, die nur aus der Küche eines absoluten Amateurkochs stammen können. So etwas müsste man eigentlich als «absichtlichen Abstieg» bezeichnen. Zumindest als freiwilligen. Dass Rogenmoser überhaupt Sportchef werden durfte, war schon ein Fehler. Dass er es gestern noch immer war, zeigt auf, dass Rautakallios Satz vor 21 Jahren von den wichtigen Leuten nicht gehört worden ist. Die schwedischen Ausländer der Lakers sind nun in der NLA zu haben, der eine oder andere dürfte sogar bei Bengt-Ake Gustafssons SCL Tigers ein Thema werden. Das Thema Herisau als Farmteam in der NLB ist mit dem Abstieg der Lakers vom Tisch, drei neue Nachwuchstrainer aber sind verpflichtet. Die letzten zwei Wochen belegten schonungslos, wie wenig es braucht, um etwas zu zerstören. Ein Wiederaufbau dauert unendlich viel länger. Hilfreich dürfte dabei sein, auf die richtigen Leute zu setzen. Allzu weit müssten die Lakers nicht suchen.

Mit Jürg Schawalder zum Beispiel stünde ein Mann bereit, der bewiesen hat, dass er als Sportchef über sehr viel Kompetenz verfügt. Seine Arbeit in Kloten war hervorragend. Doch zuerst müssen die Lakers mal im eigenen Haus aufräumen und Leute einsetzen, die solche Personalentscheide auch treffen können. Das sind die nächsten Schritte, die zu gehen sind. Doch sie stehen noch immer im Schatten dieses monumentalen Ereignisses: der selbst verschuldeten Relegation. Da ist es auch kein Trost, dass es Langnau vor zwei Jahren nicht anders ergangen ist. Analyse Zum blamablen Abstieg der Lakers von Roland Jauch

Erstellt: 10.04.2015, 21:43 Uhr

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