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Das darf einfach nicht passieren

Der EHC Winterthur verliert ein kapitales Spiel im Kampf um die Playoffs in der Swiss League gegen die GCK Lions mit 4:5 nach Verlängerung – nach einer 4:0 Führung.

Kampf um jede Scheibe: EHCW-Topskorer Tim Wieser gegen Tim Ulmann. Die GCK Lions drehten eine Partie, die bereits entschieden schien.
Kampf um jede Scheibe: EHCW-Topskorer Tim Wieser gegen Tim Ulmann. Die GCK Lions drehten eine Partie, die bereits entschieden schien.
Madeleine Schoder

Es war eine unglaubliche Wende, die über 1000 Zuschauer in der Zielbau-Arena erlebten, und das nicht zum ersten Mal. Der EHCW war auf dem Weg zu einem sicheren Sieg, als Marek Zagrapan zu Beginn des Schlussdrittel mit seinem zweiten Powerplay-Tor auf 4:0 erhöhte. Niemand hätte gedacht, dass das Team Michel Zeiters diesen Vorsprung noch abgeben könnte. Nicht in in diesem so wichtigen Spiel, nicht, nachdem es derart klar dominiert hatte. Denn mit einem Sieg hätte es an den GCK Lions vorbeiziehen können.

Jetzt aber sieht es so aus: Der Rückstand auf Rang 8 beträgt bereits sieben Punkte, denn die EVZ Academy gewann gegen den HC Thurgau in einem ebenfalls turbulenten Spiel 5:4. Die GCK Lions liegen jetzt drei Zähler vor den Winterthurern. Diesen bleibt jetzt nichts anderes übrig, als morgen Sonntag in Zug zu gewinnen. Sonst entschwinden die Playoffs in weite Ferne.

Es fehlt die Reife

Was es morgen vor allem braucht, ist ein grosses Stück mehr an Reife. Daran mangelt es den Winterthurern halt immer noch, und dafür wurden sie gestern bestraft. Denn der EHCW, auch das ist keine Premiere, tappte gestern in die Falle, zu übermütig zu sein. Oft schon hatte Zeiter moniert, sein Team müsse lernen, nach einem Tor nicht gleich ein (weiteres) Gegentor zu kassieren. Genau das passierte gestern. 69 Sekunden nach Zagrapans 4:0 verkürzte Tim Ulmann auf 1:4.

Das mochte nur wenige im Stadion gross gekümmert haben. Aber wer genau hinschaute, der sah, dass von diesem Moment an eine ganz anderes GC-Team auf dem Eis stand als vorher. Ein GC, das an seine Chance glaubte, traf auf einen EHCW, der die Ordnung nun völlig verlor. Yannick Lerch verkürzte zwei Minuten später auf 2:4.

Die GCK Lions drängten, die Winterthurer kassierten Strafen. Topskorer Ryan Hayes, bis dahin kaum gesehen, glich mit zwei Powerplay-Toren aus. Und 51 Sekunden vor Schluss der Verlängerung gelang Kaj Suter das Siegestor für das Farmteam der ZSC Lions. Vom EHCW war von Ulmanns 1:4 an nichts mehr zu sehen. Zeiter versuchte zwar, den Lauf der Dinge mit einem frühen Timeout aufzuhalten, aber diese Massnahme verpuffte.

Viele Chancen nicht genutzt

All das erstaunte vor allem deshalb, weil der EHCW bis zum 4:0 eine sehr stabile Leistung gezeigt hatte. Zagrapans 1:0 in der 10. Minute entsprach einem Spielverlauf, der immer einseitiger wurde. Kevin Bozon und Jan Zwissler erhöhten bis zur 26. Minute auf 3:0. Es sah so aus, als fielen die GCK Lions komplett auseinander. Der EHCW hatte eine Chance nach der anderen und kam alleine im Mitteldrittel auf ein Schussverhältnis von 19:4. Ranov, Wieser mehrmals oder Homberger wurden allesamt von Lions-Goalie Wolfgang Zürrer gestoppt, der über das ganze Spiel gesehen mit Abstand der beste Mann seines Teams war.

Aber es war da schon zu erkennen: Die Winterthurer verloren etwas am Biss im Abschluss, den sie anfänglich hatten. Zwar erzielten sie zwei Powerplay-Tore, doch es hätten mehr sein müssen. Vor allem nutzten die sie die Gelegenheit in der Verlängerung nicht, das Spiel in Überzahl zu ihren Gunsten zu entscheiden.

Ein Spiel dauert nun mal 60 Minuten, oder auch etwas länger. Jedenfalls nützt es nichts, wenn man, wie schon vor dem Jahreswechsel gegen Ajoie, davon 50 gute zeigt, aber zehn schlechte, in denen der Gegner den Match für sich entscheidet. Gestern waren es mehr als 20 ganz schlechte.

Wenns in die Overtime geht ...

Zum Thema Verlängerung ist überdies anzumerken: Der EHCW verlor gestern schon zum siebten Mal, wenn das Spiel länger als 60 Minuten dauerte. Sechsmal in der Verlängerung, einmal im Penaltyschiessen. Nur einmal (gegen Thurgau nach einem 0:5-Rückstand) gewann er in der Overtime. Wenns fast immer gleich herauskommt, ists eben auch kein Zufall.

Am Ende trat auch in den Hintergrund, dass Zagrapan nach zehn Spielen Verletzungspause ein bemerkenswert gutes Comeback gab. Der Slowake könnte noch zum Trumpf für sein Team werden – wenn der Rückstand nicht schon zu gross ist. Denn das, was der EHCW gestern geboten hat, das darf einfach nicht passieren.

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