Eishockey

Das versilberte Debüt

An der WM in Dänemark war der NHL-Verteidiger Mirco Müller einer der besten Spieler des Schweizer Silberteams – mit Folgen in seiner Heimatstadt Winterthur

In der Stadt wird er jetzt häufiger erkannt: WM-Silbermedaillen-Gewinner Mirco Müller.

In der Stadt wird er jetzt häufiger erkannt: WM-Silbermedaillen-Gewinner Mirco Müller. Bild: Madeleine Schoder

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Wenn Mirco Müller dieser Tage durch Winterthur schlendert, bemerkt er vor allem einmal dies: «Die Leute auf der Strasse erkennen mich mehr als sonst. Das hätte ich nicht gedacht und ist schön.» Der Grund ist nachvollziehbar: Der 23-Jährige fiel an der Eishockey-WM in Dänemark auf, nicht nur wegen seiner Grösse von 1,94 m, sondern vor allem wegen seinen Leistungen auf dem Eis und dank der Silbermedaille.2013 wurde er in der ersten Runde der NHL-Talentdraft von den San Jose Sharks gezogen, mittlerweile hat er 82 Spiele in der besten Hockeyliga der Welt bestritten. Doch dem Publikum hierzulande ist Müller offenbar erst seit dieser WM, als er in der Nationalmannschaft debütierte, wirklich zum Begriff geworden.

Überzeugende Statistik

Die Zahlen sprechen für ihn: Von den Schweizern stand einzig Captain Rafael Diaz häufiger auf dem Eis, kein anderer Verteidiger im Team erreichte mehr Skorerpunkte (deren sechs) und kein Schweizer wies bei seinen Einsätzen einen derart gute Plus-minus-Bilanz (plus neun) auf. «Statistisch ist es auch gut gelaufen», meint der Winterthurer bescheiden.

Gut gelaufen ist aber vor allem die WM an sich. «Ich hatte es erwartet. Schön, dass es dann so aufgegangen ist.» Die Schweizer wurden bekanntlich erst im Penaltyschiessen des Finals gegen Schweden gestoppt. «Wir müssen uns nichts vorwerfen lassen, wir haben alles getan, am Ende fehlte etwas das Glück», blickt Müller zurück.

«Der Final war das Highlight.» In der Verlängerung kam er zweimal zum Abschluss. Er habe die Distanzschüsse «noch vor Augen», sagt Müller. «Ich würde es wieder versuchen. Man weiss ja nie, ob es einen komischen Abpraller gibt.» Für ihn sei klar gewesen, dass er die Chance zum Schiessen packen würde, wenn sie sich bietet. «Aber der Torhüter hat gut gehalten.»

«Cool, dass wir eine Medaille geholt haben. Das ist sicher ein grosser Erfolg. Beim nächsten Mal wird es Gold.»Mirco Müller

Nach dem verlorenen Penaltyschiessen sass Müller, wie seine Teamkollegen, niedergeschlagen auf dem Eis und lehnte an die Bande, als letzter Spieler ging er zur Medaillenübergabe. Inzwischen kann er über die Silberne sagen: «Cool, dass wir eine Medaille geholt haben. Das ist sicher ein grosser Erfolg. Beim nächsten Mal wird es Gold.» Er will wieder Weltmeisterschaften antreten. «Wenn es zeitlich geht», wie er ergänzt. Abhängig davon, wie weit sein Team im NHL-Playoff kommt. Dieses Jahr schieden die New Jersey Devils in der ersten Runde aus.

Werbung gemacht

Den General Manager der Devils habe er am Finalwochenende in Kopenhagen gesehen und mit ihm kurz über die kommende Saison gesprochen. Zur WM werde er im Sommer mit dem Klub «sicher ein kleines Gespräch» führen. Bisher habe er von den Devils noch keine Reaktion auf sein Abschneiden in Dänemark erhalten. Aber klar ist: Müller machte in den letzten Wochen Werbung für sich. Auch wenn die Titelkämpfe im NHL-Land USA nicht den gleichen Stellenwert besitzen wie in Europa, dürften seine sehr konstanten und soliden Auftritte auch drüben aufgefallen sein. Vor allem dann, wenn er wie nach dem Halbfinalsieg über Kanada zu den besten drei Spielern der Schweiz gewählt und entsprechend ausgezeichnet wurde. «Das hätten auch etliche andere Spieler verdient gehabt», räumt er ein und ergänzt: «Es war natürlich eine grosse Ehre, das Team so vertreten zu können.»

Wie alle anderen NHL-Spieler war er kurzfristig zum Nationalteam gestossen, letztmals trat er 2015 an der Junioren-WM auf einem grossen Eishockeyfeld an. Er habe sich schnell zurechtgefunden, auch in der Mannschaft, erklärt er. «Wir hatten einen mässigen Start und haben uns dann gesteigert. Man weiss ja nie, was einen an einem solchen Turnier erwartet. Und dann läuft plötzlich alles für dich… Die WM war ein tolles Erlebnis.»

Genuss am Flughafen

Letzten Montag kehrte die Nationalmannschaft zurück. Müller war begeistert über den Empfang am Flughafen. «Wir haben das sehr genossen.» Während der WM habe man «nicht genau mitbekommen, was in der Schweiz so alles abgeht». Deshalb sei er überrascht gewesen, «wie viele Leute uns in Kloten empfangen haben. Offenbar hat die Schweiz mit uns mitgefiebert, das macht uns schon stolz.» Am gleichen Abend jenes Montags übrigens sollte einer seiner ehemaligen Klubs, Pfadi Winterthur, ebenfalls einen Final, verlieren: Jenen im Handball-Playoff gegen Wacker Thun – in der Deutweg-Eishalle, in der Müllers Eishockeykarriere beim EHC Winterthur vor elf Jahren begonnen hatte.

Später in dieser Woche habe er nicht viel getan, sich mit Kollegen getroffen und Essen gegangen. Am 11. Juni beginnt das Training auf die neue Saison, den grössten Teil davon wird er wieder hier bestreiten. Später reist er nach Vancouver und sein altes Juniorenteam, die Everett Silvertips, hat ihn zu einem Event eingeladen. Zunächst aber stehen ab Sonntag Ferien auf Mykonos mit seiner Freundin an. Physisch sei er nach der WM müde gewesen. «Mental aber nicht.» Dank der Medaille.

(Der Landbote)

Erstellt: 25.05.2018, 21:56 Uhr

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