Eishockey

Der EHCW arbeitet hart und erntet nichts

Der EHC Winterthur unterliegt Swiss-League-Meister Langenthal 1:4, weil er seine vielen Chancen nicht zu nutzen imstande ist. Die Tabellenlage ist nicht hoffnungslos, aber sehr ernst.

Zack Torquato erzielte das einzige Tor des EHCW zum 1:3 in der 39. Minute

Zack Torquato erzielte das einzige Tor des EHCW zum 1:3 in der 39. Minute Bild: Enzo Lopardo

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Der EHCW gegen Langenthal – das kam einem vor wie ein Bäuerlein, das verzweifelt versucht seine Ernte einzubringen, aber am Ende doch nichts in den Händen hat. Im Gegensatz zum reicheren Nachbarn. Der hat zwar den besseren Maschinenpark, er hat aber auch ein paar Sachen besser gemacht. Die Winterthurer haben in diese Partie eingebracht, was sie konnten: Sie waren engagiert, sie haben gekämpft, aber doch zeichnete sich im letzten Drittel ab: Ein 1:3-Rückstand gegen Langenthal lässt sich nicht wenden.

Denn die Oberaargauer waren demütig genug, um ihren Vorsprung nicht mehr zu gefährden. Sie haben nach dem Gewinn des Meistertitels im letzten Frühjahr aus finanziellen Gründen abspecken müssen. Ihr Ausländerduo Clark/Benik hat nicht das Rendement, das jahrelang der heutige Chefcoach Jeff Campbell und sein Partner Brent Kelly hatten. Clark vollendete elf Sekunden vor Schluss immerhin Beniks Vorarbeit zum 4:1. Die Glanzpunkte aber setzte die Linie mit dem 35-jährigen Stefan Tschannen und Topskorer Simon Sterchi. Tschannen verdankte das 1:0 in der 7. Minute einem schlauen Pässchen Sterchis hinter dem Tor, gegen die Laufrichtung. Das 3:0 erzielte er mit einem blitzsauberen Schuss unter die Latte in der 34. Minute.

Viele «A-Chancen» vergeben

Aus Sicht des EHCW hätte es allerdings niemals so weit kommen dürfen. Daran, dass er früher oder später später in Rückstand gerät, hat man sich mittlerweile ja gewöhnt. Zum achten Mal in Folge war das schon so. Also führte der Meister nach dem ersten Drittel, obwohl er weder mehr Spielanteile noch mehr Chancen besass. Dass er seinen Vorsprung im Mitteldrittel aber auf 3:1 ausbauen konnte, das hatte nur mit einer Sache zu tun: Die Langenthaler hatten mehr Effizienz, mehr Qualität im Abschluss. In der 28. Minute schloss Fabio Kläy einen gut gespielten Konter mit dem 2:0 ab, und Tschannens 3:0 war dann eben nichts anderes als individuelle Klasse.

Die fehlte den Winterthurern, obwohl sie sich bemühten und punkto Tempo und Intensität 60 Minuten lang dagegen hielten. Mit viel Herz versuchten sie, den Rückstand aufzuholen. Im Mitteldrittel erspielten sie sich Chance um Chance, «A-Chancen», wie Trainer Michel Zeiter präzisierte. Doch Monnet schoss daneben, Brace und Bachofner scheiterten an Langenthals Goalie Philip Wüthrich, Bozon zielte wieder daneben und Alihodzic drüber. Und als der starke Wüthrich geschlagen schien, prallte Steve Masons Schuss vom Innenpfosten zurück ins Feld.

Vor Schicksalsspielen

Ein gutes Zeichen für die grundsätzlich vorhandenen spielerischen Qualitäten ist ja, dass die Winterthurer überhaupt zu Tormöglichkeiten kommen. «Aber wir sind vor dem Tor einfach nicht kaltblütig genug», urteilte Zeiter. Neben der individuellen Klasse gaben allerdings auch Kleinigkeiten den Ausschlag: Das 0:2 fiel, weil nur noch ein Verteidiger absicherte, und beim 0:3 hätte Tschannen nach einem Bully kaum so frei zum Abschluss kommen dürfen.

Keinen Vorwurf konnte man diesmal dem EHCW-Goalie machen: Justin Gianola ersetzte den in letzter Zeit unglücklich agierenden Tim Guggisberg mit einer soliden Leistung, einer deutlich besseren als vor zwei Wochen in Pruntrut gegen Ajoie, als er ebenfalls beginnen durfte. Aber auch Gianola war nicht der Hexer, der die 20. Niederlage des EHCW im 20. Spiel gegen Langenthal hätte verhindern können.

Natürlich wird die Tabellenlage der Winterthurer mit jeder weiteren Niederlage prekärer. Zwölf Punkte liegen sie schon hinter den GCK Lions und La Chaux-de-Fonds, die die Ränge 7 und 8 halten. Die Partien gegen die GCK Lions am Dienstag zuhause und in Sierre am Samstag muss der EHCW deshalb gewinnen, wenn er seine Chancen auf die Playoff-Teilnnahme wahren will.

Erstellt: 01.12.2019, 20:33 Uhr

Swiss League

EHCW – Langenthal 1:4 (0:1, 1:2, 0:1)

Zielbau-Arena. – 750 Zuschauer. – SR Gäumann/Potocan; Betschart/Burgy. – Tore: 7. Tschannen (Sterchi, Maret) 0:1. 28. Kläy (Maret) 0:2. 34. Tschannen (Kummer) 0:3. 39. Torquato (Monnet, Küng/Ausschluss Sterchi) 1:3. 60. (59:49) Clark (Benik/Ausschluss Brunner) 1:4. – Strafen: 5-mal 2 gegen den EHCW, 4-mal 2 gegen Langenthal. – EHCW: Gianola; Blaser, Küng; Hänggi, Guerra; Bachofner, Schmutz; Raggi, Pozzorini; Zahner, Torquato, Brace; Wieser, Adrian Brunner, Bozon; Monnet, Mason, Diem; Bleiker, Alihodzic, Hess. – Langenthal: Wüthrich; Christen, Müller; Pienitz, Weber; Maret, Bircher; Gyger, Wieszinski; Vincenzo Küng, Clark, Benik; Sterchi, Kummer, Tschannen; Melnalksnis, Kläy, Gerber; Walz, Nyffeler, Derungs. – Bemerkungen: EHCW ohne Kobach, Lazarevs und Homberger (verletzt), Roos (gesperrt) sowie Allevi, Sluka, Sigg und Forrer (überzählig). Langenthal ohne Seydoux (krank) sowie u. a. Kämpf und Andersons (überzählig). 31. Pfostenschuss Mason. 58:07 Time-out EHCW, anschliessend bis 58:58 ohne Torhüter.

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