Eishockey

Der EHCW hat die Vorgaben übertroffen

Der EHC Winterthur hat in seiner zweiten Saison in der NLB nicht nur deutlich besser abgeschnitten als in der ersten. Mit dem Vorstoss auf Rang 1 in der 9. Runde hat er darüber hinaus in der ganzen Schweizer Hockeyszene für Furore gesorgt.

Adi Wichser (rechts) kam mit dem EHC Winterthur auf soviele Skorerpunkte wie schon lange nicht mehr

Adi Wichser (rechts) kam mit dem EHC Winterthur auf soviele Skorerpunkte wie schon lange nicht mehr Bild: Madeleine Schoder

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Rang 9 mit 46 Punkten aus 48 Spielen: Das ist mehr, als man vom EHCW in der Saison 2016/17 erwarten durfte. Zum Vergleich die Zahlen der vorangegangenen Spielzeit: Damals war der EHCW Zehnter mit nur 24 Punkten (aus 45 Partien). Die Winterthurer haben sich zahlenmässig also klar verbessert, auch wenn man bedenkt, dass die Liga mit der EVZ Academy und den Ticino Rockets zwei Teams mehr umfasste, die für den EHCW «schlagbar» waren, also etwa auf Augenhöhe.

Sehr gut lässt sich der Sprung des EHCW nach vorne auch am Rückstand auf die Playoff-Plätze ablesen: Vor einem Jahr lagen die Winterthurer 28 Zähler hinter dem Achten Thurgau und 37 hinter dem Siebten Martigny. Jetzt fehlten nur noch elf Punkte zu Thurgau und deren 22 zum Siebten Visp.

Von der kleinen Sensation . . .

Man kann also sagen: Der EHCW hat die Vorgaben mehr als nur erfüllt. Denn das Minimum, das man erwarten durfte, das war erstens: nicht schlechter als in der ersten NLB-Saison klassiert zu sein. Damals war man Zehnter, jetzt Neunter. Zweitens: den Rückstand auf die Playoff-Plätze zu verringern. Mit nur noch elf statt 28 Punkten ist das überdeutlich gelungen. Und drittens: kürzere Durststrecken ohne Siege zu haben. Da muss man feststellen: Es war zwar nicht mehr ganz so schlimm wie in der Debütsaison. Aber zwischen dem 8. Oktober und dem 27. November vergingen doch wieder zwölf Spiele, in denen Mannschaft und Fans auf einen Sieg warten mussten. Das ist immer noch zu viel. Immerhin gab es danach eine deutliche Steigerung, die den EHCW so weit trug, dass er bis zur zweitletzten Qualifikationsrunde von einem Playoff-Platz träumen durfte.

Die Basis für seinen Sprung nach vorne legte der EHCW im ersten Viertel der Qualifikation, als er eine Serie von sechs Siegen hinlegte und nach neun Runden gar von Rang 1 grüsste, was für das Team mit einem der kleinsten Budgets der Liga eine kleine Sensation war.

. . . in die grosse Herbstbaisse

In diesem Stil ging es natürlich nicht weiter. Auch aus personellen Gründen. Eine Woche nach dem 2:0-Sieg gegen Thurgau im Oktober, der den Sprung an die Spitze möglich machte, konnte EHCW-Trainer Michel Zeiter mit nur noch 15 Feldspielern nach Langenthal reisen. Der Slowake Radovan Pulis war in die Heimat zurückgekehrt, Jorden Gähler, Serge Weber, Luca Homberger, Jan Lee Hartmann und Thierry Bader wurden in Kloten gebraucht. Einen derartigen Aderlass verkraftete das Team nicht, es rutschte in die lange Herbstbaisse.

Irgendwann besserte sich die Personalsituation zwar, aber Zeiter musste bis in die letzten Wochen hinein mit Wechseln leben, die ihm und der Mannschaft das Leben schwermachten. Die Konsequenz daraus: «Die ersten drei Blöcke müssen beim EHCW unter Vertrag sein», sagte sich Zeiter. Das heisst: Die Abhängigkeit vom NLA-Partner Kloten muss kleiner werden. Eine Zusammenarbeit macht für beide Seiten zwar weiterhin Sinn, sehr viel sogar. Aber grundsätzlich muss der EHCW selber dafür besorgt sein, dass er eine schlagkräftige NLB-Equipe beieinanderhat.

Mit diesem Ziel hat Zeiter auch begonnen, das Kader für die nächste Saison zusammenzustellen. Von Kloten übernahm er Hartmann und Homberger, dazu wurden mit Patrick Blatter (24) von Rapperswil-Jona und dem langjährigen NLA-Spieler (Ambri, Bern) Reto Kobach von Olten zwei Spieler geholt, die der Verteidigung mehr Konstanz und Wasserverdrängung geben sollen. Wohl verliert der EHCW mit Gähler und Thomas Büsser (Lakers) sowie Joel Steinauer (Ajoie) drei Kreativverteidiger. Aber Zeiter sagt: «Wenn ich sehe, dass wir 195 Tore kassiert haben und 160 Gegentore für die Playoffs reichten, dann müssen wir in erster Linie mehr Stabilität haben.»

Oehninger: 1601 Schüsse

Dazu könnte auch eine Ergänzung auf der Torhüterposition beitragen. Das verdeutlicht diese kleine Statistik: Der oft überragende Remo Oehninger, der auch für die kommende Saison gesetzt ist, bekam insgesamt 1601 Schüsse auf seinen Kasten. Der Zweitklassierte in dieser Statistik, Martignys Reto Lohry, kommt mit neun Spielen weniger nur gerade auf 1031. Man muss sich also fragen, ob man Oehninger nicht die eine oder andere Pause mehr gönnen müsste. Dazu braucht es aber eine verlässliche Nummer 2.

Will der EHCW sich in der kommenden Saison weiter verbessern, braucht er nicht nur eine stabilere Defensive, sondern auch Leute, die Tore schiessen. Gian-Andrea Thöny war mit 34 Punkten (23 Tore / 11 Assists) der beste Skorer, gefolgt von Alex Hutchings (33/21/12) und Adi Wichser (27/4/23). Auch Philip Beeler (24/9/15) erreichte beachtliche Werte. Aber Beeler beendet seine Karriere und auch die anderen drei haben für die kommende Saison noch keinen Vertrag.

Wichsers starke Werte

Mit Thöny und Wichser seien die Gespräche auf gutem Weg, berichtet Zeiter. Beide sind fürs Team enorm wichtig. Thöny nicht nur wegen seiner Qualitäten als Torschütze, sondern auch dank seinem Durchsetzungsvermögen. Er ist einer, vor dem sich jedes andere Team in Acht nehmen muss.

Und über Wichser, den Captain, mag man auf den Rängen manchmal abschätzige Kommentare hören. Sie entbehren jeglicher Grundlage. Fakt ist:Der 35-Jährige hat letztmals 2008/2009 mit den ZSC Lions mehr Skorerpunkte gesammelt als 2016/17 für den EHCW. Er ist einer, der den Puck halten kann, der das Auge für den Mitspieler hat und im Powerplay von unschätzbarem Wert ist. Vor allem aber ist er ein Vorbild für seine Mitspieler und mit Herzblut dabei. Einen wie ihn braucht der EHCW.

Auch Hutchings würde Zeiter gerne behalten. Aber: «Ich muss das Budget einhalten», sagt der Sportchef. Und das ist mit insgesamt rund 1,6 Millionen nach jetzigem Stand für die Saison 2017/18 nicht höher als für die letzte und es beinhaltet keine Position für einen Ausländer. Das heisst: Der EHCW muss sich auch neben dem Eis energisch darum bemühen, weitere Fortschritte zu machen, die finanzielle Basis also zu verbreitern. Um sich einen (oder zwei) Ausländer leisten zu können, brauchts zusätzliches Geld in sechsstelliger Höhe.

Finanzielle Basis verbreitern

Im Moment sind die Winterthurer nämlich an einem schwierigen Punkt angelangt: Sie haben sich in der NLB ein Stück weit etabliert, ja. Dass sie sportlich aber so lange um einen Playoff-Platz kämpfen konnten, muss als ausserordentliche Leistung von Spielern und Staff gesehen werden. Diese unter denselben finanziellen Voraussetzungen zu wiederholen (oder gar zu übertreffen), ist ein sehr schwieriges Unterfangen. Ohne Ausländer ist es nicht zu realisieren.

Der EHCW ist auch noch längst nicht auf der Höhe eines Klubs wie Thurgau angelangt, der regelmässig um einen Playoff-Platz kämpft. Da sollte er aber mindestens hin, wenn er in der NLB eine Zukunft haben will. Das muss nicht in einem Jahr schon so weit sein. Aber es sollten Schritte erfolgen, auch wenns nur kleine sind, die dem EHCW diese Perspektive eröffnen.

Dass NLB-Eishockey in Winterthur Zukunft hat, zeigen die Zuschauerzahlen. Im Schnitt gingen die (bei neuer Zählweise) zwar zurück, von 1254 auf 1158. Im letzten Drittel der Qualifikation aber, als der EHCW um den Einzug in die Playoffs kämpfte, lagen sie fast meistens über diesem Mittel, manchmal gar deutlich. (Der Landbote)

Erstellt: 14.02.2017, 17:28 Uhr

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