Eishockey

Der EHCW und sein Problem der Resultate

Mit dem Heimspiel heute gegen Olten und dem Match am Sonntag in Visp beschliesst der EHC Winterthur eine Saison, in der er den Anschluss an die Playoff-Plätze zu früh verloren hat.

Wieder ein Tor kassiert: Der EHCW war in der Defensive nicht stabil genug, um Goalie Remo Oehninger genügend abzuschirmen.

Wieder ein Tor kassiert: Der EHCW war in der Defensive nicht stabil genug, um Goalie Remo Oehninger genügend abzuschirmen. Bild: Madeleine Schoder

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Nach den ersten beiden Spielenim neuen Jahr und den Nieder­lagen gegen die GCK Lions (4:5 nach Verlängerung) und zwei Tage später bei der EVZ Academy (2:6) war bereits ziemlich klar, dass es dem EHCW auch in der dritten Saison in der zweithöchsten Spielklasse nicht ins Playoff reichen ­würde. Besonders fatal war das Negativergebnis gegen die GCK Lions, kam es doch nach einer 4:0-Führung zustande.Playoff verpasst – dass sich das schon14 Spiele vor dem Ende der Qualifikation abgezeichnet hat, ist eine Enttäuschung. Das Ziel war, möglichst lange um einen Playoff-Platz zu kämpfen, nachdem man das im Vorjahr bis in die zweitletzte ­Runde (einem 2:11 in La Chaux-de-Fonds) getan hatte.

Vor der neuen Saison hatte sich mit Martigny ein sicherer Playoff-Kandidatin den Konkurs abgemeldet. Dass es der EHCW als Neunter der Saison 2016/17 nicht schaffte, den Platz Martignys zu erben, hat viele Gründe. Einen davon konnte der EHCW nicht beeinflussen:die Fortschritte der Konkurrenz im hinteren­ Bereich der Tabelle. Alle drei Farmteams traten deutlich stärker aufals in der letzten Saison. Dazu engagierte der HC Thurgau, vor einem Jahr nochfast bis zum Schluss in Reichweite, diesmal von Anfang an zwei (starke) Aus­länder und legte gerade in den letzten Wochen einen überragenden Lauf hin.

Zu wenige Verteidiger

Da konnte der EHCW nicht mithalten. Die Resultate stimmten vor allem in der zweiten Saisonhälfte nicht mehr. Seit dem 4:1 am 28. Dezember in Weinfelden wartet das Team Michel Zeiters auf einen Sieg. «Nach dem guten Start in die Saison bekamen wir Probleme mit der Breite des Kaders. Wir hatten zu wenige Verteidiger und haben da auch keine Unterstützung von Kloten mehr bekommen», ist eine der Erkenntnisse des Winterthurer Trainers. In der Tat trafen die Verletzungen auch beim Partner in der National League vor allem die Defensivspieler; zudem liess Kloten im November den schwedischen Verteidiger Niclas Anderson ziehen. Und beim EHCW zog einer wie Patrick Blatter die Saison durch, obwohl er im Oktober eine schwere Knieverletzung erlitten und eine Operation mit langer Erholungszeit zu gewärtigen hat. Klar ist: Auf den Verteidigerpositionen brauchts Ergänzungen beim EHCW und weniger Abhängigkeit von Partner Kloten.

Nicht genug Erholungszeit

Ein anderes Problem war, dass der EHCW den Anforderungen nicht mehr genügte, wenn der Spielplan dicht wurde. «Zwei, drei Spiele einer solchen Serie haben wir jeweils gut gespielt, dann bekamen wir immer Probleme», hat Zeiter festgestellt. Beheben will er das, indem er den Fitness-Coach Jan Pochobradsky, der das Team gut auf die Saison vorbereitet hat, auch während der Meisterschaft mit dem Team arbeiten lassen will. «Es bleibt aber ein Spagat», ist sich Zeiter bewusst, zumindest so lange, wie der grössere Teil der Mannschaft noch arbeiten muss. Denn so fehlt die nötige Erholungszeit. Eine nicht nur körperliche, sondern insbesondere auch mentale Müdigkeit ist die Folge.Damit muss der EHCW wohl nocheine Weile leben.

Die Ausländerfrage

Problemfeld Nummer drei waren die Ausländer, die die Erwartungen nicht erfüllen konnten. Der Slowake Marek Zagrapan deutete zwar immer wieder mal an, der hervorragende Eishockeyspieler zu sein, wie man es von einem ehemaligen Erst­runden-Draft der NHL erwarten kann. Aber er wurde zweimal durch eine Verletzung zurückgeworfen und kam unter dem Strich nicht auf die Skorerwerte, die man sich von einem Ausländer in der Swiss League erhofft. Und für den Amerikaner Mario Lamoureux, als Ersatz für Zagrapan gekommen, ist die zweithöchste Schweizer Liga schlicht eine Nummerzu gross. Er konnte sich zu selten durchsetzen. «Wir brauchen zwei oder zumindest einen oder besser zwei junge Aus­länder, die mit Energie spielen und etwas kreieren können», sagt Zeiter dazu. «So, wie sie in diesem Jahr Thurgau mit Jaedon Descheneau und Cam Braes hat.»

Spielerische Fortschritte

Resultatmässig ist die Saison 2017/18 für den EHCW mit Sicherheit enttäuschend. Trainer Zeiter kann aber auf einigePunkte hinweisen, die ihm gefallen haben: «Viele Spiele waren ausgeglichener als in der letzten Saison. Elfmal haben wir die Verlängerung erreicht. Dass wir dann zehnmal davon verloren haben, ist natürlich eine andere Geschichte.»

Spielerisch hat der EHCW durchaus einen Schritt nach vorne gemacht, selbst im Januar, als die Mannschaft zunehmend am Anschlag lief. Zu erinnern ist an die Partien in Langenthal, als sich Zeiters Team im Schlussdrittel gar die Chance zum Sieg erarbeitete, in der Verlängerung aber doch verlor, oder jenes 1:6 zu Hause gegen Rapperswil-Jona, als der EHCW phasenweise dominierte, Melvin Nyffeler aber einfach nicht bezwingen konnte. Spiele solchen Zuschnitts gegen Topteams der Liga hat man in den ersten beiden NLB-Jahren des EHCW nicht gesehen. Sein Team spiele attraktives Hockey, sagt Zeiter deshalb mit Recht.

Spielerische Fortschritte und attraktive Matches führen aber nicht automatisch zu besseren Resultaten, wie man gesehen hat. Aber wenn die richtigen Schlüssedaraus gezogen werden, kann dasdie Basis für einen Schritt nach vornein der kommenden Saison sein.

Die Spieler besser machen

Die Frage ist, was angesichts der im Vergleich zur Konkurrenz weiterhin knappen finanziellen Mittel unternommen werden kann. Ein Problem war in allen drei bisherigen Jahren im Profisport, dass auf einen relativ guten Start stetsein Einbruch im Spätherbst folgte. Dann eben, wenn die Belastung grösser wurde. Dem EHCW fehlt das Geld, um beiseinen Spielern die Balance vom Beruf mehr in Richtung Eishockey zu verlagern. Solange das so ist, wird man weiterhin mit Niederlagenserien umgehen müssen. Schlimm ist das nicht. Gut wäre abersie würden kürzer.

Auch punkto Kader hat Zeiter nicht viele Möglichkeiten, obwohl der Handlungsbedarf auf der Hand liegt: Mehr Verteidiger braucht es, zwei stärkere Ausländer und überhaupt mehr Spieler, die vorne die Tore in wichtigen Momenten machen. In der Defensive ist Zeiter dabei, Veränderungen herbeizuführen. Für Verbesserungen in der Offensive bleibt das Geld knapp. «Skorer kann ich keine einkaufen», sagt Zeiter. «Ich muss sie machen.»

Teilweise ist ihm das schon in dieser Saison gelungen. Anton Ranov, Luca Homberger, Tim Wieser oder Anthony Staiger: Sie alle haben deutlich bessere Skorerwerte als vorher. Nur reichte das nicht, um in die Nähe des Playoffs zu kommen. Nicht umsonst hat Zeiter bei seinem Amtsantritt gesagt, es brauche drei bis fünf Jahre, um konkurrenzfähig zu werden. Er kommt 2018/19 erst indie dritte Saison in Winterthur. In seiner zweiten war es noch zu viel, das nicht zusammen­passte. (Der Landbote)

Erstellt: 15.02.2018, 18:53 Uhr

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