EHC Winterthur

Auf der Suche nach verlorenen Qualitäten

Fehlende Emotionen und krasse Fehler sind eine schlechte Mischung. Beim EHC Winterthur führten sie zu einer 1:5-Niederlage in Visp.

Auf EHCW-Trainer Michel Zeiter und sein Team wartet in der Nationalmannschaftspause viel Arbeit.

Auf EHCW-Trainer Michel Zeiter und sein Team wartet in der Nationalmannschaftspause viel Arbeit. Bild: Heinz Diener

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Ein schwaches Startdrittel war die Ursache für die 1:5-Niederlage des EHCW in Visp. Es war die vierte Niederlage in Serie. Die vierte auch in einer harten Woche mit Spielen in La Chaux-de-Fonds, Rapperswil-Jona, einem zuhause gegen Ajoie und eben jenem in Visp. Das sind alles Gegner, die höher gehandelt werden als der EHCW. Zu sagen ist aber auch: Alle boten Angriffsflächen. Aber die Winterthurer waren nicht imstande, davon zu profitieren.

Geschenke verteilt

In Visp brockten sie sich die Niederlage selber ein. Nach dem ersten Drittel führte das Heimteam 3:0 – dank drei Geschenken. Vor jedem Treffer war ein Winterthurer in der eigenen Zone mehr oder weniger unbedrängt am Puck, und Sekunden später zappelte dieser im eigenen Tor. Beim 0:1 liess sich Marwin Leu von Niki Altorfer überraschen, beim 0:2 spielte Alain Bircher zu lasch hinten raus – Jerome Portmann traf, und vor dem 0:3 Mark van Guilders riskierte Reto Kobach bei einer Auslösung zuviel.

Leu war ein ähnliches Missgeschick am Vortag gegen Ajoie unterlaufen, Kobach gehörte am Mittwoch in Rapperswil schon zu den Sündern. «Es waren haarsträubende Fehler», fasste EHCW-Trainer Michel Zeiter zusammen. «Das geht nicht. Wir müssen wieder lernen, uns Einsatz für Einsatz zu konzentrieren.» Auch Zeiter führte das auf eine «gewisse Müdigkeit» nach vier Spielen in acht Tagen zurück.«Aber ich sage es ausdrücklich: Das darf keine Entschuldigung sein.» Klar ist: Der EHCW muss solche Fehler abstellen.

Zu spät ist zu spät

In Visp wurden die Winterthurer nach dem desaströsen Startdrittel wenigstens teilweise besser. Im Schlussabschnitt spielten sie dann endlich so intensiv, wie es von Anfang an hätte sein müssen. «Das zeigt, dass es keine Frage der Kraft ist, sondern des Kopfes», sagte Zeiter. Die Steigerung mag dazu beitragen, auf den Weg zur Besserung zu finden. Etwas Seelenreinigung wars allemal. Aber: Die Niederlage war nicht mehr abzuwenden. Mit 1:5 fiel sie auch in der Höhe korrekt aus, den Kräfteverhältnissen auf dem Eis entsprechend eben. Das einzige EHCW-Tor schoss Kobach in doppelter Überzahl in der 55. Minute. Und: Es nützt nichts, wenn die Winterthurer sich ins Zeug legen, wenn der Match längst entschieden ist. So war das zu oft schon in dieser Saison. Künftig müssen Zeiters Leute wieder von Anfang an parat sein.

In Visp fiel auch auf, dass die Mannschaft die frühen Gegentore ziemlich emotionslos hinnahm. Am Vortag gegen Ajoie hatte sie sich noch mit viel Leidenschaft gegen die drohende Niederlage gestemmt, in Visp war das nicht der Fall. Die Emotionen kamen erst auf, als der Match schon entschieden war. Man kann zwar nachvollziehen, dass Spieler, die etwas mehr im Job arbeiten als die meisten in den anderen Teams und deshalb weniger Erholungszeit haben, dass solche Spieler in Wochen wie dieser Probleme bekommen. Doch das sollte noch nicht zu Beginn eines Spiels sichtbar sein. Es drückt selbstverständlich auf die Moral, wenn man zum wiederholten Mal wegen unnötiger Fehler Rückständen hinterherlaufen muss, wenn vorne nichts gelingt, vom Powerplay keine Gefahr ausgeht und am Ende die Niederlage die logische Konsequenz ist. Aber man kann dagegen auch ankämpfen. Ein Team wie der EHCW muss das sogar tun, in jedem Spiel von neuem. Denn Mannschaften aus der hinteren Tabellenhälfte fällt nichts in den Schoss, sie müssen sich jeden Punkt hart erarbeiten. Das heisst: Laufen, checken, Schüsse blocken, leiden. 60 Minuten lang. Alle.

Wille, Konsequenz, Mut

Auch wenn ein Team wie Visp für eines wie den EHCW eine Hausnummer ist: Es kann nicht sein, dass die Winterthurer an der Bande fast jeden Zweikampf verlieren, bis der Match gelaufen ist. Konsequenz, absoluter Wille, Gradlinigkeit und der Mut, es jedesmal von Neuem zu versuchen: Das sind Dinge, die der EHCW wieder zu seinen Qualitäten machen muss. Nur dann werden Siege gegen Topteams möglich. Vielleicht schon am Dienstag nächster Woche im Heimspiel gegen Olten. Es wird solcher Siege brauchen, wenn der Playoff-Strich in Sichtweite bleiben soll. Der Rückstand auf den Achten La Chaux-de-Fonds beträgt zwei, der auf die siebtplatzierten GCK Lions drei Punkte.

Telegramm

EHC Visp – EHCW 5:1 (3:0, 1:0, 1:1)

Litternahalle. – 2855 Zuschauer. – SR Weber, Schüpbach/Wermeille. – Tore: 10. Altorfer 1:0. 12. Portmann (Bucher) 2:0. 18. Van Guilder (Kissel, Heynen) 3:0. 31. Kissel (Dolana, Wiedmer/Ausschluss Marchon) 4:0. 53. Kühni 5:0. 55. Kobach (Ranov, Staiger/Ausschlüsse Altorfer, Dolana) 5:1. – Strafen: 10x2 gegen Visp, 7x2 plus 1x5 plus Spieldauer gegen den EHCW. – Visp: Lory; Rampazzo, Wiedmer; Nater, Camperchioli; Heynen, Kühni; Forrer, Valenza; Dolana, Van Guilder, Kissel; Furrer, Achermann, Altorfer; Sturny, Andy Ritz, Fogstad; Portmann, Alihodzic, Tobias Bucher. - EHCW: Seifert (21. Oehninger; Blatter, Kobach; Bircher, Keller; Molina, Leu; Roos; Ranov, Homberger, Wieser; Staiger, Zagrapan, Kevin Bozon; Hartmann, Marchon, Lehmann; Zahner, Theodoridis, Schärer; Devaja. – Bemerkungen: Visp ohne Kim Lindemann, Dubois, Burgener und Thibaudeau (verletzt) sowie Wolf (überzählig). EHCW ohne Wichser (verletzt). 24. Pfostenschuss Van Guilder. 21:07 Time-out Visp. 48:31 Time-out EHCW. (Der Landbote)

Erstellt: 04.11.2017, 22:15 Uhr

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