Eishockey

Ein Abschied, aber noch kein Ende

Simon Schenk tritt Ende Saison aus der ­Organisation der ZSC Lions aus. Schenk ist aktuell Sportchef der GCK Lions, trotz seiner 70 Jahre aber hat er noch nicht genug vom Eishockey.

Simon Schenk mit seinem Königstransfer von 1998, dem finnischen Goalie Ari Sulander.

Simon Schenk mit seinem Königstransfer von 1998, dem finnischen Goalie Ari Sulander. Bild: Keystone

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Wenn einer vor dem Start zur ­Saison schwärmt, wie hervor­ragend es ihm immer noch ge­falle, für diese Organisation zu arbeiten, und wenn dann vier Monate später die Rücktrittserklärung auf Ende Hockeywinter folgt – dann ist sicher nicht die lange Amtszeit oder das Alter (immerhin schon 70) alleine Grund dafür. Da hat es vielleicht doch auch den einen oder andern Fall gegeben, bei dem man nicht immer gleicher Meinung war, sind Dinge geschehen, die Simon Schenk nicht passten. Aber nach 19 Jahren in der gleichen Organisation soll man zum Abschied nicht noch Geschirr zerschlagen.

Simon Schenk hat seinen Vertrag als Sportchef der GCK Lions gekündigt und sagt nur, dass er weiterhin Lust auf Eishockey hat. Dass er sich Ende Saison nur von den Zürchern verabschiedet, ­seine Eishockey-Zeit für ihn aber damit noch nicht zu Ende sei. «Das Feuer brennt noch», erklärt der Emmentaler.

Was immer er auch nachher unternehmen wird, sicher ist, dass Schenk für die ZSC Lions eine enorm wichtige Figur und Persönlichkeit war. Nach der Zusammen­führung des ZSC und von GC wurde Schenk 1998 zuerst als Sportchef eingestellt, kurz dar­auf auch als Geschäftsführer. Schon im Jahr 2000 feierten die Zürcher ihren ersten Titel der Neuzeit. Schenk hatte mit der Verpflichtung des finnischen Goalies Ari Sulander den Grundstein für eine sportliche Renaissance gelegt. Wie alle andern Sportchefs auch war Schenk nicht vor Fehlgriffen bei ausländischen Spielern gefeit, aber bei Sulander und dessen Nachfolger Lukas Flüeler (der seine Juniorenzeit in Kloten verbrachte), hatte er ein sehr feines Händchen.

Damals waren die ZSC Lions, wenn es um Verstärkungen ging, in erster Linie auf Transfers von Spielern angewiesen. Die her­vorragende Nachwuchsabteilung, bei deren Aufbau Schenk eine Hauptrolle spielte, existierte damals noch nicht.

Wer hätte 1998, bei Schenks Einstand, gedacht, dass die ZSC Lions nur gerade zwei Jahre benö­tigen, um von einem Liftklub zum Meister zu werden. Und wer hätte 1986 gedacht, dass die Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft mit dem uner­fah­renen Simon Schenk als Coach den Aufstieg in die A-Gruppe ­realisierte. In Eindhoven stand bei der B-WM der Triumph schon vor dem letzten Match fest. Die DDR, damals immerhin eine Grösse, war erst im Vorjahr aus der A-Gruppe abgestiegen – und musste wegen der Schweiz unten bleiben. Olivier Anken und Renato Tosio hiessen die Schweizer Goalies.

Im Hauptberuf Lehrer

Schenk, damals noch vor allem Lehrer, stieg 1987 in Wien wieder in die B-Gruppe ab, aber er hielt sich dennoch im Amt und schaffte 1989 in Mégève erneut den Aufstieg. Obwohl der dama­lige Verbandspräsident René ­Fasel ihm nicht mehr so viel Kredit gab. Deshalb trennten sich die Wege von Verband und Schenk ein erstes Mal.

In seiner zweiten Amtszeit als Nationalcoach (1995 bis 1997) musste er nach der B-WM in Kattowice weichen. Obwohl die Schweiz mit der Ausrichtung der A-WM 1998 einen Startplatz in der obersten Klasse auf sicher hatte, war Schenk vom Verband für das Turnier in Polen der Sieg als Ziel mitgegeben worden. Die Spieler aber nahmen die Aufgabe nicht besonders ernst; es resultierte nur Platz 3. Damit endete Schenks Zeit im Verband, damit wurde er frei für die Belange von Walter Freys Verein ZSC Lions, und damit konnte er später auch zum Nationalrat aufsteigen.

Zehn Jahre vor seinem Aufstieg mit der Nationalmannschaft in Eindhoven gehörte Schenk zu jener Langnauer Mann­schaft, die den bisher ein­zigen Meistertitel für den Klub im Emmental errangen. Mit ganz andern finanziellen Voraussetzungen als die Spieler heute.

In Zürich wechselte Schenk 2006 zu den GCK Lions. Ab und zu musste er als Coach einspringen – und hat jedes Mal gezeigt, dass er nichts von seinem Gespür verloren hat. Denn als «Ersatz­coach» hat er keinen Match verloren.

Wie die Nachfolge von ­Simon Schenk bei den GCK Lions ­geregelt wird, ist noch offen. Es könnte auch gut sein, dass nicht nur eine Person die Lücke aus­füllen wird, die der Emmentaler hinterlässt.

Erstellt: 16.12.2016, 10:37 Uhr

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