Eishockey

Einer, der immer kämpft

Reto Kobach (38) bestreitet seine 21. Saison im Profi-Eishockey. In seinem zweiten Jahr beim EHCW ist der Verteidiger auch Captain. Ein Vorbild ist er schon lange.

Er ist da, wo es brennt: EHCW-Captain Reto Kobach schirmt seinen Torhüter Tim Guggisberg gegen den Oltener Jewgeni Schirjajew ab.

Er ist da, wo es brennt: EHCW-Captain Reto Kobach schirmt seinen Torhüter Tim Guggisberg gegen den Oltener Jewgeni Schirjajew ab. Bild: Heinz Diener

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Es wäre eine schöne Geschichte gewesen: Am letzten Sonntag spielte der EHC Winterthur gegen die EVZ Academy. Die Teamältesten: Reto Kobach beim EHCW mit 38 und Kelvin Walz bei Zug mit 25. Doch dann fiel Kobach krankheitshalber aus. Erzählen darf man es trotzdem: Kelvin Walz ist der Sohn von Wes Walz, und der war der Star des Zuger Teams, das 1998 Schweizer Meister wurde. «Damals durfte ich bereits mit dem Fanionteam mittrainieren», erinnert sich Kobach, der aus der Zuger Nachwuchsabteilung kommt. Im Jahr darauf absolvierte er für die Innerschweizer bereits 27 NLA-Einsätze. Mittlerweile steht er im 21. Jahr im Profi-Eishockey, über 900 Mal hat er in der NLA und NLB gespielt, 29 Mal fürs Nationalteam. Er ist so lange dabei, dass er bereits gegen die Söhne ehemaliger Mitspieler antritt. «Es ist eine lange Zeit, und doch ist sie schnell vorbei gegangen», sinniert er.

Prägende Zeit bei Ambri

Dass er mit 37 Jahren nach Winterthur wechseln würde, daran dachte Kobach 1998 natürlich noch nicht. Das normale Gymnasium konnte der Luzerner damals bereits nicht mehr besuchen. Denn Sportklassen gab es noch nicht. Er holte die Matura dann im Fernstudium nach.

«Er macht keinen Unterschied zwischen Training und Spiel. Die Checks werden genau gleich fertig gemacht.»

EHCW-Trainer Michel Zeiter über seinen Captain Reto Kobach

Kobach ist einer, der herumkam. Von Zug wechselte er für vier Saisons zu Ambri, dann nach Bern («weil ich auch mal für einen grösseren Klub spielen wollte»), nach zweieinhalb aus seiner Sicht «durchzogenen» Saisons in der Hauptstadt ging es zurück zu Ambri. Das Tessin hat ihn geprägt: «Da habe ich meine ehemalige Frau kennengelernt, da leben auch meine zwei Töchter.» Italienisch lernte er innert eines Jahres.

Nach insgesamt zehn Jahren bei Ambri nahm der Verteidiger in Olten einen neuen Anlauf, auch für einen neuen Lebensabschnitt. Da hätte er bleiben können, als ihn letztes Jahr der Anruf Michel Zeiters aus Winterthur erreichte. «Die Aufgabe beim EHCW hat mich gereizt. Hier kann ich jungen Spielern etwas zurückgeben, das ich einst selber bekommen habe.»

Das Talent im Kopf

Und Zeiter wusste, wen er holte. «Kobach bringt enorm viel Professionalität mit. Er macht keinen Unterschied zwischen Training und Spiel. Die Checks werden genau gleich fertig gemacht.» Und Zeiter gefällt, wie Kobach spielt. Und der, der neue Captain des EHCW, sieht sich selber so: «Ich habe nie als Eishockey-Talent gegolten. Mein Talent ist es, im Kopf bereit zu sein. Das hat mir zu meiner Karriere verholfen.»

Das werden auch die Zuschauer in Winterthur mittlerweile gemerkt haben: Kobach besticht nicht durch Sololäufe und Pirouetten, er ist auch nicht der Schnellste. Aber er ist einer, der immer kämpft, hartnäckig ist und sich in die Schüsse wirft. Und einer, der voran geht. «Vom Trainer wird erwartet, dass ich vorlebe, was wir in der Garderobe besprechen und trainieren», erklärt Kobach. Und der Trainer sagt: «Kobach verkörpert den Spielstil, den wir beim EHCW pflegen wollen: Kämpferisch und aufopfernd.»

«Die spannende Frage beim EHCW ist: Wann können wir den kleinen Schritt machen, der uns zum  Erfolg noch fehlt.»

Reto Kobach

Der Wechsel zum EHCW war aber doch ein Schritt in eine Welt, die er so noch nicht kannte. Obwohl er auch mit Ambri öfter verlor als gewann. In Winterthur war nur schon neben dem Feld einiges anders. Er zog in die Ostschweiz, «eine Gegend, die ich bisher kaum kannte». Er wohnt in Frauenfeld, in Sirnach trat er eine 55-Prozent-Stelle bei der Post an. Nicht selten ist Arbeitsbeginn um 6 Uhr morgens. Beim EHCW sind nur ein paar wenige Spieler Vollprofis, die allermeisten arbeiten oder studieren.

Keine Verlierermentalität

«Die Umstellung war nicht einfach», so Kobach. «Aber ich wusste, worauf ich mich einlasse. Die Herausforderung hier ist, trotz der vielen Niederlagen immer wieder mit Freude ins Training und ins nächste Spiel zu gehen. « In der Tat ist die ganz grosse Aufgabe in Winterthur die, nicht in eine Verlierermentalität zu verfallen. Kobach sagt: «Wir verlieren oft nicht, weil der Gegner zu stark ist, sondern, weil wir zu viele Fehler machen. Es ist ein täglicher Kampf, diese Fehler abzustellen. Ich versuche der Mannschaft zu vermitteln: Wir dürfen nicht nachlassen, auch wenn wir mal ein Gegentor erhalten.» Wie am Dienstag in Langenthal, als der EHCW 2:0 führte, zu Beginn des Schlussdrittels aber innert fünf Minuten drei Tore kassierte und 2:4 verlor. «Das positive an Spielen wie diesen ist: Wir sehen, dass wir trotz der Absenzen, die wir im Moment haben, auch gegen solche Teams um den Sieg mitspielen können. Das zeigt, dass die Mannschaft intakt ist. Von einer Verlierermentalität sind wir weit entfernt.»

Es fehle nicht viel, um solche Spiele zu gewinnen. «Die spannende Frage ist: Wann können wir diesen kleinen Schritt machen, der uns zum Erfolg noch fehlt», fragt sich auch Kobach .

Nicht vorausplanen

Als 38-Jähriger denkt der EHCW-Captain auch manchmal daran, wie es mit ihm weitergeht. Der Vertrag in Winterthur dauert noch bis zum Ende dieser Saison. «Was danach ist, hängt von vielen Faktoren ab, die ich auch nicht alle beeinflussen kann. Das Leben hat mich gelehrt, nicht allzuweit vorauszuplanen», erklärt er. Viel lieber denkt er an die nähere Zukunft, die das Spiel gegen Kloten vom Samstag Abend zum Inhalt hat. Etwas besonderes ist dieses Derby für ihn nicht, abgesehen davon, dass es viel mehr Zuschauer in der Zielbau-Arena haben wird als sonst. «Wie in allen Spielen liegt für uns etwas drin. Wir müssen die Fehler minimieren und unser System spielen. Aber das ist auch gegen Biasca so.»

Erstellt: 02.11.2018, 18:10 Uhr

Wer ist frischer?

Bereits zum dritten Mal in dieser Saison kommt es heute zum Derby zwischen dem EHCW und Kloten. Bisher siegte beide Male das Auswärtsteam: Erst Kloten mit 3:1 in Winterthur, dann der EHCW mit 4:1 in Kloten. Ginge es in diesem Rythmus weiter, so wäre der Absteiger aus der National League wieder an der Reihe, es wird ja auch wieder in der Winterthurer Zielbau-Arena (17.30 Uhr) gespielt.

Die Frage ist, welchen Einfluss die etwas unterschiedliche Belastung der beiden Mannschaften auf den Ausgang der Partie hat. Ist es ein Vorteil für den EHCW, dass er seit dem 2:4 in Langenthal am Dienstag pausieren konnte, während Kloten am Mittwoch in La Chaux-de-Fonds und am Freitag gegen Thurgau (siehe Seite 33) spielte? EHCW-Captain Reto Kobach glaubt das nicht: «Kloten hat eine Profitruppe, die stecken das weg.»

Gemeinsam ist den beiden Teams, dass sie wichtige Absenzen haben. Kloten rechnet erst nach der Nationalteampause wieder mit seinem Kanadier Ryan McMurchy. Und beim EHCW fallen weiterhin Luca Homberger, Pascal Blaser, Kris Schmidli und Tanner Sorenson aus. Wie lange Sorenson pausieren muss, ist nicht absehbar. Bei Homberger hofft Trainer Michel Zeiter auf ein paar Einsätze nach der Pause, ehe eine Operation Ende November ansteht. Im Falle Blasers ist positiv, dass er nun doch nicht operiert werden muss, wie zunächst angenommen. Er wird dennoch ein paar Wochen fehlen. uk

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