Winterthur

«Für mich ist das eine Riesensache»

Nach fast 20 Jahren bestreitet der 36-jährige Adi Wichser heute Abend in Zug wieder ein Meisterschaftsspiel für den EHC Winterthur. Er wird das Team als Captain aufs Eis führen. Als er zum ersten Mal für das Fanionteam seines Stammklubs auflaufen durfte, war er noch keine 15.

Am Freitagabend bestreitet Adi Wichser sein erstes Meisterschaftsspiel für den EHCW seit fast 20 Jahren.

Am Freitagabend bestreitet Adi Wichser sein erstes Meisterschaftsspiel für den EHCW seit fast 20 Jahren. Bild: Heinz Diener

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Adi Wichser: Schweizer Meister mit Lugano und den ZSC Lions, Champions-League-Sieger und Nationalspieler. Ein Spieler dieses Formats hat noch nie für den EHC Winterthur gespielt. Entsprechend gross war das Staunen in diesem Frühling, als die Winterthurer vor ihrer zweiten NLB-Saison und nur ein paar Wochen nach dem Trainerwechsel von Markus Studer zu Michel Zeiter auch die Verpflichtung dieses Stars bekannt gaben, den sie einst selber ausgebildet hatten. Für den Klub und seinen Anhang ist das natürlich eine Riesensache, Wichser selber aber, bescheiden wie er nun mal ist, wiegelt ab: «Im Gegenteil, es ist für mich ist eine Riesensache, dass ich hier nochmals spielen kann. Ich wollte meine Karriere immer beim EHCW beenden.»Den Bezug zu Winterthur habe er nie verloren, betont der Stürmer. In Oberseen ist er aufgewachsen, als Sohn des ehemaligen Jockeys und späteren EHCW-Nachwuchschefs Jürg Wichser und zusammen mit seinem jüngeren Bruder Martin, der es immerhin auch in die NLB brachte. Und die Leidenschaft für Pferderennen, die hat Adi Wichser bis heute bewahrt.

Eine Wohnung in Winterthur hat er immer gehabt, selbst als er im Tessin spielte. In Oberseen lebt er auch heute, mit Kind und Lebenspartnerin. Der Weg hin­unter zur Zielbau-Arena ist nicht allzu weit. Doch als Adi Wichser mit Eishockeyspielen begann, gab es in Winterthur noch lange keine Eishalle. Der EHCW spielte auf der offenen Eisbahn Zelgli und tat das auch noch, als sein ehemaliger Junior längst ein Star war.

Debüt unter Peter Zahner

Wichsers Weg war früh vorgezeichnet: Im Dezember 1994 hatte sich der EHCW für die Finalrunde der Erstliga-Ostgruppe qualifiziert. Das war eine gute Sache für Adi Wichser. Denn mangels Eishalle konnten die Winterthurer ja nicht aufsteigen und das gab Trainer Peter Zahner, heute CEO der ZSC Lions, die Gelegenheit, jüngere Spieler auszuprobieren. Am 21. Januar 1995 machte Adi Wichser sein erstes Spiel für den EHCW, noch ehe er 15 Jahre alt war. Im Team standen in jener Zeit Spieler wie Thomas Bolliger, Roland Brotzge, Roger Winkler, Urs Lüthi oder Pascal Widmer.

Bei Wichsers Debüt verlor der EHCW in Dübendorf 4:8. Trainer Zahner aber war angetan: «Adrian bringt viele Voraussetzungen mit, um gut zu werden», liess er sich im «Landboten» zitieren. «Er ist technisch stark und hat eine gute Übersicht.» Zahner schränkte aber auch ein: «Es hat schon viele 14- oder 15-jährige Talente gegeben, die mit 18 wieder von der Bildfläche verschwunden sind.»

Adrian Wichser aber machte seinen Weg. Zweieinhalb Jahre später, mit 17, wechselte er von der 1. Liga in die NLA zu den Kloten Flyers, 2002 gings weiter nach Lugano, 2005 wieder in die Deutschschweiz zu den ZSC Lions. Im Hallenstadion war Michel Zeiter der Star. Dass der damalige «König der Löwen» mehr als zehn Jahre später beim EHCW Winterthur sein Trainer sein würde, das konnte sich Wichser damals freilich noch nicht vorstellen, wie er mit einem Lachen zugibt.

Der Sieg gegen Magnitogorsk

Adi Wichser hat in seiner Karriere viele Erfolge gefeiert. Gefragt nach dem schönsten Moment, nennt er den Gewinn der Champions Hockey League im Jahr 2009 gegen Metallurg Magnitogorsk. «Niemand hat gegen diese Mannschaft an uns geglaubt», erinnert er sich. Aber dann kamen die Zürcher, nach einer 2:0-Führung (und einem Tor Wichsers) mit einem 2:2 vom Final-Hinspiel aus Russland heim. Das Hallenstadion war anderweitig belegt, sodass die ZSC Lions nach Rapperswil ausweichen mussten. «Im Stadion der Lakers zu spielen, das voll mit ZSC-Fans war, war ein grosses Erlebnis.» Die Lions gewannen das Rückspiel 5:0.

Adi Wichser hat in seiner Karriere auch viele Rückschläge erlebt. Er war oft verletzt, meist am Rücken, dann im Nacken, nach einem Zeckenbiss erkrankte er an Borreliose. 1998 wurde er von den Florida Panthers gedraftet. Die Verletzungen waren ein wesentlicher Grund dafür, dass er es in der NHL nie versuchen konnte, «und später war das in meinem Kopf auch gar nicht mehr präsent».

Rolle als «elder statesman»

Nach seiner Zeit bei den ZSC Lions hat Wichser für die Rapperswil-Jona Lakers und die letzten beiden Saisons schon in der NLB bei Thurgau gespielt. Da hatte er schon die Rolle inne, die er auch beim EHCW auszufüllen gedenkt, die eines «elder statesman», des Routiniers, der die jüngeren Spieler führen soll. Möglich wurde das Engagement in Winterthur erst, als Thurgau den Vertrag mit Wichser (und den beiden Ausländern) im Frühjahr auflösen wollte, um finanziell etwas zurückzubuchstabieren. Der EHCW hatte ja auch kein Geld übrig, der Transfercoup gelang, weil ein Sponsor dafür gefunden werden konnte. «Ich habe immer gesagt, es gibt eine Lösung», sagt Wichser.

Heute Abend, im Auswärtsspiel gegen die EVZ Academy und morgen zu Hause gegen NLB-Meister Ajoie ist er bereit, den EHCW als Captain aufs Eis zu führen. Das heisst: Wichser wäre schon vor zwei Monaten bereit gewesen, «topfit» wie er betont und Trainer Zeiter bestätigt. Doch zwei Wochen vor dem Saisonstart wurde Wichser von seinem karrieretypischen Verletzungspech eingeholt. Im Training blieb er hängen und verdrehte sich das Knie. «Das war eine Riesenenttäuschung. Ich hatte mich wahnsinnig auf den Saisonstart gefreut.»

Wichser war auch während seiner unfreiwilligen Pause präsent. «Er hat die Mannschaft enorm unterstützt», lobt Zeiter. «Ich freue mich für ihn, dass er jetzt endlich spielen kann.» Zeiter warnt aber auch vor übertriebenen Erwartungen: «Er wird ein paar Spiele brauchen. Aber er hat eine gute Ausstrahlung und kann in Schlüsselmomenten jetzt schon wichtig sein, beispielsweise im Powerplay.»

Wichser soll seine Erfahrung einbringen. Das hat ihm zunächst einmal selber geholfen, nach der neuerlichen Verletzung nicht zu verzagen. «Erfahrung heisst, man hat Situationen schon erlebt», sagt er. «Ich habe gelernt, immer das Beste daraus zu machen.» Das taten ja auch seine Mitspieler. Sie haben auch ohne ihren neuen Captain zum Höhenflug angesetzt. «Es ist eine sehr solide Mannschaft», glaubt Wichser. «Wir sind mit wenig Kredit gestartet, haben uns aber Kredit erarbeitet.» Zuletzt haben die Winterthurer ja wieder ein paar Niederlagen gesammelt. Aber auch das ist für Wichser nicht neu. Selbst bei den ZSC Lions musste er in seiner ersten Saison in die Playouts und auch die Rapperswil-Jona Lakers hatten es nicht leicht. «Die Gefahr ist, dass man sich in so einer Situation versteift», weiss Wichser. «Aber da habe ich beim EHCW keine Angst.»

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Erstellt: 28.10.2016, 14:18 Uhr

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