EHC Winterthur

Homberger hofft auf das Ende seiner Leidenszeit

Luca Homberger (26) macht seine sechste Saison beim EHCW. Wegen einer langwierigen Leistenverletzung ist es nicht die einfachste für ihn. Aber bald soll es besser werden.

Oft einen Schritt schneller als der Gegner: Luca Homberger (links).

Oft einen Schritt schneller als der Gegner: Luca Homberger (links). Bild: Madeleine Schoder

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Wie sehr er dem EHCW gefehlt hatte, merkte man erst so richtig, als er wieder da war: Beim 2:5 gegen Thurgau vor einer Woche bestritt Luca Homberger erst den zweiten Match in dieser Saison – und er war auf Anhieb einer der besten im Team. «Homberger verfügt über einen ausgeprägten «Hockeysense», sagt Trainer Michel Zeiter über seinen Center. Das heisst, Homberger erfasst Situationen schneller als andere und fällt dann meist die richtige Entscheidung, sei es im Spiel nach vorne oder nach hinten. Man muss also nicht nur für Homberger selber, sondern auch für die Mannschaft hoffen, dass seine Verletzungsgeschichte in den nächsten zwei Wochen wie erhofft zuende geht.

Immer wieder die Leiste

Begonnen hat diese Leidenszeit in der zweiten Hälfte der letzten Saison. Homberger verletzte sich an der Leiste, aber herauszufinden, was genau ihn plagte, entpuppte sich als schwierig. Der Ostschweizer pausierte, liess einen Ultraschall machen, versuchte es wieder und wurde wieder zum Unterbruch gezwungen. Es folgten Cortison-Spritzen, eine MRI-Untersuchung und all das zog sich über die Sommerpause hinweg bis in die neue Saison hinein. Schliesslich wurde eine «Weiche Leiste» festgestellt. Das heisst: Das Gewebe ist, sozusagen als Vorstufe eines Leistenbruchs, geschwächt, die Nerven werden gereizt und es schmerzt chronisch. «Besser wird’s, wenn ein Training oder ein Spiel mal läuft und das Adrenalin die Schmerzen dämpft», so Homberger.

Die letzten paar Spiele hat er mit Schmerzmitteln immerhin absolvieren können. Jetzt soll alles besser werden. Am Montag reist Homberger nach München, am Dienstag wird er von Ulrike Muschaweck, einer Spezialistin auf diesem Gebiet, operiert. Der Eingriff ist ambulant, der Spieler kann noch am selben Tag wieder nach Hause. Die Partien am nächsten Wochenende gegen die GCK Lions und La Chaux-de-Fonds wird er sicher verpassen, am Dienstag darauf in Biasca hofft er wieder dabei zu sein.

Mit 17 Jahren in der 1. Liga

Hombergers Karriere führte von der Nachwuchsabteilung Uzwils über Herisau und Winterthur bis in die NLA, wo er vorletzte Saison beim EHC Kloten unter Vertrag war. So einen Weg macht nicht mancher, der als Junior nie die höchste Spielklasse erreicht hat, geschweige denn je einer nationalen Auswahl angehörte. «Vielleicht hätte ich es weiter gebracht, wenn ich früher in die Nachwuchsabteilung eines Topklubs gewechselt hätte. Aber in der Ostschweiz kamen nur Rapperswil-Jona oder Davos in Frage. Für mich war aber wichtig, meine KV-Lehre abzuschliessen.»

Homberger sieht in seinem Weg auch Vorteile: «Ich habe als 17-Jähriger schon in der 1. Liga gegen Männer gespielt. « Da habe er gelernt sich durchzusetzen. «Aber eigentlich war für mich klar, dass ich in der 1. Liga bleibe und auf den Beruf setze.» Das änderte sich, als er einen Anruf von EHCW-Sportchef Erwin Füllemann bekam. Es folgte der Wechsel nach Winterthur. Und da war er auf Anhieb der Topskorer des Teams, am Ende seiner zweiten Saison folgte der Aufstieg in die NLB. Anders als gedacht war Homberger plötzlich im Profi-Eishockey. Er schaffte auch diese Umstellung leichter als andere. «Eigentlich ist es einfacher als in der 1. Liga», erklärt er. «Damals absolvierten wir ebenfalls ein intensives Programm und arbeiteten zu 100 Prozent.» Jetzt absolviert er im Job nur noch ein halbes Pensum bei einem Immobilien-Dienstleister, jeweils am Morgen. Seit April bildet er mit Tim Wieser eine Wohngemeinschaft in Wülflingen.

«Vielleicht hätte ich bei Kloten den Durchbruch schaffen können. Aber ich wollte wieder mehr Eiszeit haben.»Luca Homberger

Der Weg von der Ostschweiz nach Winterthur hat sich für Homberger auch deshalb gelohnt, weil er sich hier für Kloten empfehlen konnte. Im ersten NLB-Jahr des EHCW konnte er ein Cupspiel für das damalige Partnerteam absolvieren, 2016/17 kam er – mit damals 24 Jahren eher als Spätzünder – in 34 Spielen der National League zum Einsatz. Effektiv auf dem Eis war er allerdings nur selten, im Schnitt nur etwas mehr als 8 Minuten pro Match. «Vielleicht hätte ich den Durchbruch schaffen können, wenn ich noch ein Jahr drangehängt hätte», mutmasst er. «Aber ich wollte wieder mehr Eiszeit haben.»

Deshalb war die Rückkehr nach Winterthur logisch, denn ganz weg war sowieso nie gewesen. Selbst als er den Vertrag bei Kloten hatte, spielte er 19 Mal für den EHCW. Den Unterschied zwischen den beiden höchsten Spielklassen der Schweiz sieht er vor allem im Tempo und in der Härte: «In der National League wird man auf jeden Fall in die Bande gedrückt. In der Swiss League kann ich mich oft noch herauswinden.» Missen möchte er die Zeit bei Kloten keinesfalls. «Es war lehrreich, mit Leuten wie Denis Hollenstein oder Tommi Santala zu spielen und zu trainieren.»

Auf die kleinen Dinge achten

Längst aber gehört sein ganzer Einsatz wieder dem EHCW. Auch wenn er noch nicht oft gespielt hat in dieser Saison, die unangenehme sportliche Situation beschäftigt ihn natürlich. Mit Goalie Remo Oehninger und Anthony Staiger sind sie noch zu dritt im Team, die schon in der 1. Liga in Winterthur gespielt haben. «Damals konnten wir auch mal schlecht spielen und gewannen noch. Jetzt gewinnen wir oft nicht einmal, wenn wir gut spielen», fasst er die Umstellung zusammen.

Ins Tor getroffen hat er ja meistens, aber nicht immer. «In der letzten Saison hatte ich nach einem guten Start eine Phase, da wollte der Puck einfach nicht mehr rein. Da beginnt man schon zu studieren.» Was er dagegen unternommen hat, klingt wie ein gutes Rezept für die Situation, in der seine Mannschaft gerade jetzt nach mitterweile wieder zehn Niederlagen in Serie steckt: «Es ist wichtig, kleine Dinge richtig zu machen und von sich selber nicht zuviel zu erwarten.»

Erstellt: 23.11.2018, 17:54 Uhr

Swiss League

EHC Winterthur - HC Ajoie. Zielbau-Arena, Samstag, 17.30 Uhr.

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