Zum Hauptinhalt springen

«Ich muss lernen, nicht sinnlos umherzulaufen»

Sein Name ist geläufig, doch in der Schweiz kennen Timo Meier die wenigsten. Das will er an der WM ändern.

WM-Premiere mit Schwung: Timo Meier überzeugt gegen die Weissrussen mit 1 Tor und 2 Assists. Foto: Salvatore Di Nolfi (Keystone)
WM-Premiere mit Schwung: Timo Meier überzeugt gegen die Weissrussen mit 1 Tor und 2 Assists. Foto: Salvatore Di Nolfi (Keystone)

Ein Name kann zum Wegweiser für ­Unbewanderte werden. Wer einmal ­«Andrighetto» im Zusammenhang mit der NHL gehört hat, wird die Verbindung wahrscheinlich wieder herstellen können. Aber Meier? Das ist wie Smith in Übersee. Und wenn es in der NHL gar noch einen Schweizer namens Müller (Mirco) gibt, der mit Meier erst noch im selben Club bei San Jose gespielt hat, dann ist die Verwirrung vollkommen. Meier, Vorname Timo, sagt: «Ich bin mir bewusst, dass ich in der Schweiz nicht sehr bekannt bin. Schliesslich zog ich bereits mit 16 Jahren nach Nordamerika. Aber das kann sich ändern.»

Als Meier 2013 von Rapperswil am Obersee nach Halifax an die kanadische Ostküste zieht und sich dem Juniorenteam Mooseheads anschliesst, ist ihm die Aufmerksamkeit in der Heimat gewiss. Im Rahmen der SRF-Sendung «Mission Surprise» besuchen ihn die Eltern und Schwester Larissa zum 17. Geburtstag. Der Name der Sendung ist Programm, Meier weiss nichts von seinem Glück. Er wird von Teamkollege Nikolaj Ehlers in einen Coiffeursalon gelockt. Als Coiffeuse steht die Schwester bereit.

Er setzt den Körper sinnvoll ein

Trotz der Sendung nehmen in der Schweiz die wenigsten Notiz von der sportlichen Entwicklung des Appenzellers. Die kanadische Juniorenliga ist nicht nur geografisch weit weg. Von wesentlich grösserer Bedeutung für Meiers Karriere ist sowieso, dass er den Scouts in Nordamerika auffällt. Halifax wird zum idealen Ort für Meiers Start ins Abenteuer Übersee: Die Organisation kümmert sich auch abseits des Eises um den Jungen, er wird von einem Chauffeur zur Schule und zurück gefahren. Im Rink steigert er die Produktivität von 38 im ersten auf 111 Punkte im zweiten Jahr. Früh beeindruckt Meier mit körperlicher Robustheit. Vor Ort verbessert er läuferische und kämpferische Elemente. Im Juni 2015 sichern sich die San Jose Sharks im Draft an neunter Stelle die Rechte am Angreifer. Es ist schweizerseits der drittbeste Wert hinter Nico Hischier (2017, 1.) und Nino Niederreiter (2010, 5.). Sharks-Headcoach Peter DeBoer meint nach dem Draft, für ein Kind sei Meier bereits ein starker Kerl.

----------

Video: Timo Meiers perfekter Einstand

Der Schweizer Stürmer hatte massgeblichen Anteil am Sieg gegen Weissrussland. Video: Tamedia/SRF

----------

Meier, 21 Jahre alt, ist noch immer ein starker Kerl, aber längst kein Kind mehr. Er hat in dieser Saison für San Jose 23 Tore erzielt. De Boer beschreibt die Steigerung des Schweizers im Onlinemagazin «The Athletic» so: «Früher rannte Meier durch die Gegner hindurch, um zum Ziel zu gelangen. Nun hat er gelernt, den Körper sinnvoll einzusetzen. Er weiss, wann er es selber versuchen und wann er den Pass spielen muss.» Der Schweizer Nationaltrainer Patrick Fischer sagt: «Timo ist ein sensationeller Hockeyspieler mit einem unglaublichen Willen und viel Zug zum Tor.»

Wer Meiers Spielweise und Karriereverlauf betrachtet, findet Parallelen zu Nino Niederreiter. Sie beschränken sich auf das Wirken in Übersee. Während der Churer – er bestritt bereits mit 17 Jahren seine erste Weltmeisterschaft – das Nationalteam in Kopenhagen zum sechsten Mal an Titelkämpfen vertritt, erlebt Meier seine Premiere. Er spricht vom Erreichen eines grossen Ziels und sagt: «Ich habe noch genügend Energie und werde versuchen, für das Team dorthin zu gehen, wo es blaue Flecken gibt.»

Der Trainer ist nicht überrascht

Bei seinem Einstand gegen Weissrussland weiss der kräftige Stürmer (184 Zentimeter, 96 Kilogramm) sogleich zu überzeugen. Am Ursprung des zweiten Treffers durch Sven Andrighetto steht Meiers Durchsetzungsvermögen. Das 3:2 durch Joël Vermin macht Meier mit seinem Zug zum Tor erst möglich. Den fünften Treffer erzielt der Angreifer gleich selbst. Natürlich ist die Aussagekraft nach einem Spiel gegen einen Gegner von bescheidener Qualität gering. «Ich konnte die Intensität aus dem NHL-Playoff mitnehmen», sagt Meier. «Aber ich muss lernen, auf dem grossen Eisfeld die richtigen Wege zu nehmen und nicht sinnlos umherzulaufen. Die schwierigen Aufgaben kommen noch.» Es sind dies Olympiasieger Russland (Samstag) und Titelverteidiger Schweden (Sonntag).

----------

Bilder: Schweizer Sieg gegen Weissrussland

Schweizer Jubel: Die Schweiz gewinnt ihr viertes Gruppenspiel gegen Weissrussland ungefährdet.
Schweizer Jubel: Die Schweiz gewinnt ihr viertes Gruppenspiel gegen Weissrussland ungefährdet.
Salvatore Di Nolfi, Keystone
Mann des Spiels: Timo Meier erzielt in seinem ersten Einsatz an dieser WM gleich ein Tor und bereitet zwei vor.
Mann des Spiels: Timo Meier erzielt in seinem ersten Einsatz an dieser WM gleich ein Tor und bereitet zwei vor.
Salvatore Di Nolfi, Keystone
Präsenz vor dem Tor: Joel Vermin kann gleich zweimal einen Abpraller verwerten.
Präsenz vor dem Tor: Joel Vermin kann gleich zweimal einen Abpraller verwerten.
Salvatore Di Nolfi, Keystone
1 / 5

----------

Die letzte Frage geht an Patrick Fischer: «Sind Sie erstaunt, wie gut Timo Meier bei seinem Einstand gespielt hat?» Die Antwort: «Nein. Wir kennen ihn.»

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch