Kloten auswärts (4)

In der Uhrenstadt tickt die gute alte Zeit

La chaux-de-fonds Die jurassische Uhrenstadt strahlt den Charme von «früher war alles besser» aus – die Zeit scheint ein wenig stehen geblieben zu sein. Das gilt insbesondere auch für den hiesigen sechsfachen Schweizer Eishockeymeister.

Die Patinoire Des Mélèzes liegt gleich neben dem Schwimmbad und steht wie ein Mahnmal für die guten alten Zeiten des HC La Chaux-de-Fonds. Zwischen 1968 und 1973 feierte der Traditionsverein, der nächstes Jahr 100-jährig wird, sechs Schweizer Meistertitel in Serie.
Video: Michael Caplazi

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Städtebaulich ist La Chaux-de-Fonds nicht nur in der grünen Hügellandschaft des Juras eine Perle, sondern gehört zweifellos gesamtschweizerisch zu den architektonischen Meisterleistungen. Schöne Formen und Gebäude sind in der Uhrenstadt allgegenwärtig – und erklärbar. Immerhin ist Charles-Édouard Jeanneret-Gris hier geboren, besser bekannt als Le Corbusiér, seines Zeichens Architekt, Stadtplaner, Maler, Zeichner, Bildhauer und Möbeldesigner. Oder Louis Chevrolet, Rennfahrer und Namensgeber der berühmten Autos mit grossem Hubraum aus dem US-amerikanischen Detroit. Wegen der schachbrettartig angelegten Bebauung und der zahlreichen Jugendstilbauten wurde La Chaux-de-Fonds im Jahr 2009 zum Unesco-Welterbe erklärt.

Nicht nur optisch ist La Chaux-de-Fonds speziell, sondern auch dessen Lage. Auf 992 Meter über Meer leben die gegen 40'000 Einwohnerinnen und Einwohner. Fährt man von den idyllischen Freibergen her, in denen einem ausser ein paar Kühe, seltener die berühmten Pferde, aber vielfach auch nur wenige Menschen begegnen, nach La Chaux-de-Fonds hinein, findet man sich urplötzlich in einer wuseligen welsch-französischen Stadt wieder, mit viel Verkehr, engen Gassen, Cafés und Bistrots.

Aber man sieht auch, dass die Rezession der 1970er-Jahre und die daraus erfolgten Betriebsschliessungen in der Schweizer Uhrenindustrie ihre Spuren hinterlassen haben. Die Zeit scheint in der viertgrössten Stadt der Romandie ein wenig stehen geblieben zu sein– wenn auch auf romantisch-charmante Weise.

Das gilt insbesondere auch für die hiesig angesiedelten Sportvereine. Denn in La Chaux-de-Fonds gab es vor allem in früheren Zeiten den einen oder anderen Meistertitel in Mannschaftssportarten zu feiern. So wurde der Fussballklub 1954, 1955 und 1964 Schweizer Meister. Heute kickt das Team in der drittobersten Promotion League.

Sechsmal Meister in Serie

Viel mehr Glanz, und das über die Landesgrenzen hinaus, strahlte der Eishockeyverein, der HC La Chaux-de-Fonds, aus. Bis Mitte der 1960er-Jahre war der Verein mehrheitlich in der NLB zuhause. Von 1965 bis 1980 spielten die Jurassier in der obersten Schweizer Spielklasse.

Als der Uhrenfabrikant Charles Frutschi Vereinspräsident wurde, kündigte er nicht als anderes als den Meistertitel als Saisonziel an. Möglich machen sollte dies der kanadische Spielertrainer Gaston Pelletier, der schon den HC Villars zu Meisterehren geführt hatte. Der Plan ging auf – und wie. Von 1968 bis 1973 holten sich die Jurassier sechsmal den Schweizer Meistertitel en suite. Das Team spielte in den gleichen Farben und Tenues, wie sie die Montreal Canadiens aus der NHL auch trug.

Und die Mannschaft von La Chaux-de-Fonds stellte den Stamm des Schweizer Nationalteams mit bis heute unvergesslichen Spielernamen wie Gerald Rigolet (Goalie), René Huguenin und Gaston Furrer (Verteidigung) sowie im Angriff Guy Dubois und Michel Turler. Letzterer wird von Fachleuten heute noch als einer der begnadesten Schweizer Hockeykünstler angesehen. Die Trikotsnummern 2 (Huguenin), 10 (Turler), 14 (Dubois) und 17 (Pelletier) werden innerhalb des Vereins nicht mehr vergeben.

Zuletzt spielte La Chaux-de-Fonds 2001 in der Nationalliga A, seither in der Nationalliga B, der heutigen Swiss League. Wenn der EHC Kloten zum Auswärtsmatch in den Jura fährt, spielt er in der 1953 erbauten Patinoire de Mélèzes, die gleich neben der Badeanstalt in einem Wohnquartier steht.

Parkplätze gibt es nur wenige, die Eishalle ist mit einer Kapazität für 5600 Zuschauer, davon 1200 Sitzplätzen, recht gross, aber auch veraltet. Was den Klubverantwortlichen aber wenig auszumachen scheint. «Hier drin riecht man das Hockey eben noch. Wir haben alles, was wir brauchen, inklusive gedeckten Eisflächen», sagt Loïc Burkhalter. Der frühere Junioreninternationale und Spieler bei den Rapperswil-Jona Lakers, Ambri-Piotta, SCL Tigers, Davos und Biel beendete seine Aktivkarriere bei seinem Stammklub und ist jetzt neu deren Sportchef.

Wunsch nach altem System

Sportlich sei der HC immer noch die Nummer 1 in La Chaux-de-Fonds. «Aber die Fussballer von Neuchâtel Xamax machen uns nach dem Aufstieg in die Super League in Sachen Popularität im Kanton natürlich Konkurrenz.» Burkhalter gibt offen zu, dass er persönlich kein Freund des aktuellen Ligasystems in der Schweiz ist. «Es gibt viele Klubs, viele davon üben aber primär die Funktion eines Farmteams einer grossen Mannschaft aus. Für einen Verein wie uns ist es so finanziell nicht möglich, mit den Grossen mitzuhalten. Wir könnten nur wieder von der National League träumen, wenn es einen normal-sportlichen Auf-/Abstiegmodus geben würde», erklärt Burkhalter, der überzeugt ist, dass vom «alten» System auch andere Klubs in allen Ligen profizieren würden.

In der zweitobersten Schweizer Spielklasse sind die Jurassier nicht sehr erfolgreich. Nur in der Saison 2010/11 schaute der 1. Platz heraus. Dass jetzt Kloten in der Swiss League mitspielt, freut Burkhalter sehr: «Dieser Verein hat eine grosse Tradition, es ist immer toll, gegen so einen Gegner zu spielen. Und wir hoffen natürlich, dass uns Kloten auch viele Zuschauer bringen wird.»

Zum 100-jährigen Vereinsbestehen träumt Loïc Burkhalter vielleicht von besseren Zeiten. Der neue Headcoach heisst nämlich wieder Pelletier. Nicht Gaston, sondern Serge. Ein gutes Omen könnte es trotzdem sein. (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 27.07.2018, 14:09 Uhr

Der Weg zur Patinoire des Mélèzes. (Bild: Quelle: ©swisstopo (JM100004))

HC La chaux-de-fonds

Die Jurassier feiern diese Saison ihren 100. Geburtstag

Vereinsgeschichte: Der Hockey Club La Chaux-de-Fonds wurde 1919 gegründet, 1953 zog die Mannschaft in ihr aktuelles Heimstadion, das Patinoire des Mélèzes, um. Nach 1955 stieg das Team 1965 zum zweiten Mal in die Nationalliga A auf. Die erfolgreichste Zeit erlebte der Verein von 1968 bis 1973, als er sechsmal hintereinander die Schweizer Meisterschaft gewinnen konnte. Damit gehört der HCC noch heute zu den erfolgreichsten Eishockeyclubs der Schweiz. 1980 musste die Mannschaft jedoch in die Nationalliga B absteigen, später gar hinunter in die 1. Liga. 1994 ging es zurück in die NLB. Dort feierte der HCC 1995 seine fünfte Zweitligameisterschaft und kehrte damit in die Nationalliga A zurück. Nach erneutem Abstieg folgte 2000/01 ein weiteres Jahr in der höchsten Schweizer Liga. Seit dem abermaligen Abstieg spielt der HC La Chaux-de-Fonds wieder in der Nationalliga B, der heutigen Swiss League. 2010 gewann der HCC den NLB-Titel.
Stadion: Patinoire du Mélèze, 5600 Plätze, davon 1200 Sitzplätze. Wenig Parkplätze.
Headcoach: Serge Pelletier.
Durchschnittliche Zuschauerzahl in der vergangenen Saison: Ca. 2400.
Bekannte Spieler gestern und jetzt: Gerald Rigolet, René Huguenin, Michel Turler, Guy Dubois, Gaston Pelletier, Tim Wolf (Torhüter), Adam Hasani (neu), Loïc Burkhalter (neu Sportchef).
Einwohnerzahl La Chaux de Fonds: 38'965 (2016)
Nächste Beiz: Im Stadion kleines Restaurant. Da die Patinoire de Mélèze in einem Wohnquartier liegt, gibt es in unmittelbarer Nähe keine Beiz.
Kloten spielt hier am: Mittwoch, 31. Oktober, 19.45 Uhr (Mysports); Dienstag, 12. Februar 2018, 19.45 Uhr. (rce)

www.hccnet.ch

«Der EHC Kloten hat eine grosse Tradition, es ist immer toll, gegen so einen Gegner zu spielen. Und wir hoffen natürlich, dass uns Kloten viele Zuschauer bringen wird»:
Loïc Burkhalter Sportchef La Chaux-de-Fonds.

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