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«Jetzt gibt es Platz für neue Helden»

Trainer Pekka Tirkkonen startet heute mit dem Heimspiel gegen Biel in die zweite Saison mit Kloten. Vieles wird anders sein.

Pekka Tirkkonen will nach den Erfahrungen der letzten Saison die Spieler des EHC Kloten konsequenter führen.
Pekka Tirkkonen will nach den Erfahrungen der letzten Saison die Spieler des EHC Kloten konsequenter führen.
Keystone

In den letzten zwei Vorbereitungsspielen gegen Langnau und Dornbirn kassierte Klotenin 125 Minuten keinen Gegentreffer, schoss aber auch nur ein Tor. Deutet das auf die Art und ­Weise hin, wie Ihr Team in dieser Saison spielt?Pekka Tirkkonen:In der letzten Saison kassierten wir zu viele Treffer, das wollen wir verbessern. Deshalb haben wir das System leicht geändert, die Art und Weise unseres Forecheckings. Aus der Vorbereitung stimmt das grosse Bild unserer Defen­sive. Wir müssen ein Team sein, gegen das es sehr schwer ist, Tore zu ­erzielen. Wir selber können nicht in jedem Match fünf Treffer schiessen.

In der vergangenen Saison hatte Kloten einen wunderbaren Start, doch dann kam im November dieser Bruch, der nicht mehr korrigiert werden konnte. Sie haben mit Assistent Niklas Gällstedt zusammen im Sommer die Situation und die Gründe analysiert. Wie kann ein ähnlicher Einbruch verhindert werden?Nun, es gab schon einige Dinge im letzten Winter, die das Nachlassen erklären. Es fehlten uns lange Zeit drei Verteidiger mit Verletzungen, im Dezember ging auch Tommi Santala. Und es gilt auch festzuhalten, dass James Sheppard oder Colby Genoway, die ­zusätzlichen Ausländer, nicht die Leistung gebracht haben, die man hätte erwarten können. Es gab wohl auch mentale Dinge, die nicht stimmten. Wir nahmen viel zu viele Strafen. Gute Mannschaften kassieren nicht zu viele Strafen an den falschen Orten. Aber dieses Jahr ist eine neue Geschichte­. Wir leben im Jetzt, nicht in der Vergangenheit oder in der Zukunft. Und wir Trainer wissen jetzt besser, wie die Schweizer Spieler funktionieren. Man muss einige ab und zu ein bisschen «stossen».

Haben Sie auch im Sommer Dinge geändert?Im Sommertraining stellten wir einiges um. Es wurde mehr intervallmässig trainiert, so, wie ein Hockeyspieler auch im Winter unterwegs ist. 30 bis 40 Sekunden Belastung, dann Erholung, dann wieder Leistung. Es wurde darauf geschaut, dass die Rumpfmuskeln stärker und die Explosivität besser wurden. Bei jungen Spielern wie Alain Bircher oder Thierry ­Bader ging es darum, mehr Muskeln aufzubauen, ohne dass das Tempo oder die Beweglichkeit verloren gehen. Auf dem Eis sieht man tatsächlich Unterschiede. Dieser Prozess ist noch nicht abgeschlossen, er soll in jedem Sommer einen Schritt weitergehen.

Mit Drew Shore, der 24 Tore erzielt hat, und Bobby Sanguinetti sind Ihnen sehr viele Skorerpunkte abhandengekommen. Gibt es Leute, die diese Lücken schliessen können?Die Punkte von Shore und San­gui­netti werden uns fehlen. Auch deshalb müssen wir die Anzahl der Gegentore massiv reduzieren. Auf der anderen Seite: Jetzt gibt es Platz für neue Helden. Morris Trachsler hat sich gut eingefügt, Daniele Grassi oder Matthias Bieber können sich im Vergleich zur letzten Saison steigern.

Was kann man von den neuen Verteidigern Niklas Andersén und Matias Bäckman erwarten?In erster Linie sehr gutes Defensivspiel, dazu sollen sie Vorbild in allen Belangen für die jungen Spieler sein. Wir erwarten von ­ihnen nichts «Magisches». Andersén war schon in der KHL ein Defensiv-Verteidiger. Bäckman benötigt noch ein bisschen Zeit, um sich wieder auf die grossen Felder einzustellen. Er hat spie­lerisch gute Möglichkeiten.

Er muss speziell auf seine Ernährung achten?Er leidet unter Zöliakie; er benötigt glutenfreies Essen. Das braucht ein bisschen mehr ­Organisation, auch bei den Auswärtsspielen.

Tommi Santala wäre zurück –als wäre er nie weg gewesen?Es lagen ja auch nur sechs Monate zwischen seiner Abreise und seiner Rückkehr. Er weiss, wie alles hier funktioniert. Und wenn alles normal gelaufen wäre, würde er wieder zusammen mit Denis Hollen­stein und Vincent Praplan die erste Linie bilden. Doch seine Verletzung hat uns einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Letztes Jahr hatten Sie zwei Linien, die offensiv gefährlich waren, und zwei, die hart arbeiteten. Sieht es dieses Jahr ähnlich aus?Im Power­play sollte Tommis ­Linie eine grosse Rolle spielen, mal schauen, wie es ohne ihn geht. Wie im letzten Jahr wollen wir die Verantwortung auf viele Schultern verteilen. Im Boxplay sind Kellenberger und Lemm wichtige Spieler. Aber hoffentlich befinden wir uns nicht so viel in Unterzahl. Wir müssen aktiver sein.

Die Situation auf der Goalie­position ist total neu.Martin Gerber ist nicht mehr da.Wir benötigen beide Goalies, Luca Boltshauser und Dennis Saikkonen. Wir haben noch keine Nummer 1 oder Nummer 2. Es liegt an ihnen, sich die Positionen zu erkämpfen. Sie treiben sich gegenseitig an. Boltshauser hat schon ein bisschen Nationalteamluft geschnuppert. Saikkonen ist ein harter Arbeiter, der mit beiden Füssen auf dem Boden steht, die Basis-Technik hat er in Finn­land bei Jyväskylä gelernt. Keiner von beiden hat in einer Saison 40 bis 50 Spiele absolviert.

Sie starten mit drei Ausländern. Denken Sie, dass Sie in dieser Saison einmal vier zur Verfügung haben?Wir haben diese drei, alles andere liegt nicht in unseren Händen. Wir müssen versuchen, aus ihnen das Beste herauszuholen.

Sie haben am letzten Wochenende Zug und Zürich beobachtet. Ist Kloten sehr weit oder doch nicht so weit von diesen Teams entfernt, die ja zu den Favo­riten gehören?Das sind zwei starke Mann­schaften, die stark und erfahren daherkommen. In einem einzelnen Spiel haben wir immer eine Chance; jeder Match beginnt bei 0:0. Wenn wir unser Team­spiel perfekt zeigen, wenn wir ihnen keinen Raum geben, dann sind wir schwer zu bezwingen. ­Schauen Sie letztes Jahr Bern in den Playoffs. Da war es sehr schwer, gegen den SCB überhaupt zu Chancen zu kommen. Aber wir müssen jeden Tag alles geben; 95 Prozent reichen nicht.

Wenn Sie einen Wunsch für diese Saison frei hätten,welcher wäre das?Dass jedes Heimspiel in einem vollen und lauten Stadion stattfindet. So, dass es für die gegne­rischen Teams sehr schwierig sein wird, gegen unser Team und unser Publikum zu bestehen.

Wo arbeiten Sie im September 2018?Ich hoffe, in Kloten. Ich liebe ­diese Arbeit hier mit der Mannschaft und meinen Assistenten. Wenn ich im September 2018 noch hier bin, bedeutet das auch, dass wir in dieser Saison einiges gut gemacht haben.

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