Eishockey

«Jetzt sind wir voll und ganz Winti»

Der EHC Winterthur steigt erstmals unahbängig von einem Partnerteam in eine Swiss-League-Qualifikation. Ziel ist es, das Playoff zu erreichen. Was ebenfalls eine Premiere wäre.

Grund zum Jubeln will der EHCW in dieser Saison öfter haben als in der letzten: Reto Kobach, der neue Captain,  Samuel Keller und Tim Wieser (von links).

Grund zum Jubeln will der EHCW in dieser Saison öfter haben als in der letzten: Reto Kobach, der neue Captain, Samuel Keller und Tim Wieser (von links). Bild: Madeleine Schoder

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«Das ist eine Chance für uns!» Michel Zeiter, Trainer und Sportchef des EHC Winterthur, sah im Abstieg Klotens in die Swiss League und der dadurch beendeten langjährigen Zusammenarbeit von Anfang an auch etwas Positives. Dabei musste er punkto Kaderplanung, die er mehr oder weniger abgeschlossen glaubte, nochmals über die Bücher. Das Resultat: Mit drei Torhütern, neun Verteidigern und 12 Stürmern hat er nun 24 eigene Spieler unter Vertrag, dazu kommt mit einer B-Lizenz von Rapperswil-Jona Ron Martikkainen. Fünf Elite-B-Junioren stehen dahinter im erweiterten Kader bereit. «Jetzt sind wir voll und ganz Winti», sagt Zeiter.

Zahlreicher, grösser, schneller

Der Sportchef sieht, dass seine Mannschaft zahlenmässig breiter, läuferisch besser und physisch kräftiger und geworden ist. Nur La Chaux-de-Fonds hat im Schnitt grössere und schwerere Spieler. «Wir haben auch mehr Substanz», betont Zeiter. Deshalb lautet die Zielsetzung: «Wir wollen diesmal in die Playoffs, aber um dieses Ziel zu erreichen, muss alles stimmen.» Das Ziel ist nur schon deshalb ehrgeizig, weil der EHCW in den ersten drei Jahren in der Swiss League das Playoff noch nie erreicht hat. Im letzten Februar fehlten 25 Punkte.

Trotzdem ist das Ziel richtig gesetzt. Letzte Saison hat der EHCW, salopp gesagt, zuwenig Tore geschossen und viel zu viele kassiert. Die Gründe dafür waren in erster Linie ein zu kleines Kader, vor allem an Verteidigern. Wenn sich die Spiele Schlag auf Schlag folgten, ging den Winterthurern regelmässig die Kraft aus. Trotzdem verloren sie oft nur knapp: Zwölfmal gingen sie in die Verlängerung, nur eines dieser Spiele beendeten sie als Sieger.

Alles versucht, um die Mankos zu beheben

Mit seinem für die Verhältnisse in der Swiss League immer noch kargen Budget von 2,4 Millionen Franken hat Zeiter alles unternommen, um diese Mankos zu beheben. Mit Blaser, Küng, Guerra, Pozzorini und Schmutz kamen fünf Verteidiger. Im Tor wurde als Herausforderer Remo Oehningers Fabio Haller geholt, aber er fällt bis auf weiteres verletzt aus. Der nachträglich verpflichtete Goalie Tim Guggisberg (20) hat in den Testspielen ebenfalls einen starken Eindruck hinterlassen. Hinten also müsste der EHCW besser sein als letzte Saison.

Im Sturm ist festzuhalten, dass der EHCW mit dem Rücktritt von Captain Adrian Wichser nur einen Schlüsselspieler verloren hat, dazu Zagrapan und Lamoureux, die die Erwartungen nicht erfüllten. Ein Jahr vorher musste Zeiter mit den Abgängen seiner besten Skorer Gian-Andrea Thöny und Alex Hutchings leben; die Offensivverteidiger Joel Steinauer, Jordan Gähler und Thomas Büsser gingen ebenfalls.

Ganz anders ist die Situation jetzt: Der EHCW-Sportchef konnte schon im März die Verpflichtung des Kanadiers Anthony Nigro und des Amerikaners Tanner Sorenson bekannt geben. Es stehen also erstmals in der EHCW-Geschichte von Anfang zwei ausländische Verstärkungsspieler zur Verfügung. Was auch zeigt, dass sich der EHCW als ganze Organisation in die richtige Richtung entwickelt. Zu erwähnen ist auch: Die nach dem Abstieg Klotens verpflichteten Ergänzungsspieler weisen mehr Erfahrung auf als die Klotener Elite-Junioren, die in anderen Jahren das Winterthurer Kader auffüllten.

Einige Fragezeichen

Aber: Es gibt auch Fragezeichen. Zeiter hatte nach dem Abstieg Klotens nicht mehr viel Geld zur Verfügung, um das Kader zu ergänzen. Er musste Kompromisse eingehen. Die ehemaligen Junioren-Nationalspieler Silvio Schmutz und Kris Schmidli beispielsweise haben in den letzten zwei Jahren verletzungsbedingt nicht oft gespielt. Uinter Guerra hat zwar einige Erfahrung, aber ein Jahr in der Mysports League hinter sich; Ron Martikainen von Rapperswil-Jona konnte in Winterthur erst zum Thema werden, als er bei Thurgau, das ja das Partnerteam der Lakers ist, keines mehr war. Was alle Zuzüge jedoch auszeichnet: Sie wollten unbedingt zum EHCW kommen. Wie sie sich in der Swiss League schlagen, wird sich aber erst in den Ernstkämpfen zeigen.

Wie gut sind die Ausländer?

Das gilt auch für Nigro und Sorenson, die in der Vorbereitung noch nicht ganz überzeugten. «Sie werden etwas Zeit brauchen, um sich ans Niveau der Swiss League anzupassen», glaubt Zeiter. «Ich gehe davon aus, dass sie im Laufe der Saison immer besser werden.»

All das bedeutet: Das Erreichen der Playoffs ist für den EHCW kein Selbstläufer, auch wenn sich Team und Klub grundsätzlich gut entwickeln. Wahrscheinlich gilt es vor allem Biasca, die EVZ Academy und die GCK Lions hinter sich zu lassen, die drei Farmteams also. Dann wäre man Achter. Zeiter ist optimistisch, dass das gelingt. «Wir haben in der letzten Saison schon deutlich besseres Hockey gespielt als im Jahr vorher. Jetzt müssen wir einfach alles noch ein bisschen besser machen», fordert er.

Man kann es auch so sehen: Der EHCW hat mit seinen Anstrengungen die Voraussetzungen dafür geschaffen, ein valabler Playoff-Kandidat zu sein. Ein gesetzter Playoff-Teilnehmer wie etwa Thurgau ist er aber noch lange nicht. (Der Landbote)

Erstellt: 13.09.2018, 18:26 Uhr

EHCW 2018/19

Kader
Tor: 39 Tim Guggisberg (20/neu von Angers (FRA), 42 Fabio Haller (26/neu von Ambri, fällt bis auf weiteres mit Knieverletzung aus), 29 Remo Oehninger (30).

Abwehr: 11 Pascal Blaser (21/neu von Thurgau), 72 Uinter Guerra (28/neu von Basel), 98 Sebastian Jonski (20), 37 Reto Kobach (38), 94 Mike Küng (23/neu von Thurgau), 33 Atanasio Molina (23), 70 Samuele Pozzorini (21/neu von Bülach), 8 Michael Roos (27), 15 Silvio Schmutz (22/ vereinslos, vorher Davos), 59 Joel Sigg (19/Elite-B)

Sturm: 28 Martin Alihodzic (24/neu von Visp), 71 Jari Allevi (23/neu von Pensacola Ice Flyers), 95 Kevin Bozon (22), 91 Luca Homberger (26), 36 Samuel Keller (27), 21 Anthony Nigro (28/ Kanadier, neu von Asiago), 63 Anton Ranov (24), 23 Orlando Scherz (21/neu von Minnesota Blue Ox), 17 Kris Schmidli (22/neu von Visp), 93 Tanner Sorenson (25/ US-Amerikaner, neu von Torpedo Ust-Kamenogorsk), 44 Anthony Staiger (25), 53 Tim Wieser (23), 19 Martin Busovsky (18/ Elite-B), 25 Claudio Forrer (19/Elite-B), 56 Colin Mettler (18/Dübendorf Nachwuchs), 85 Levin Schneider (19/Elite-B), 13 Ron Martikainen (20/neu mit B-Lizenz von Rapperswil-Jona, zuletzt bei Fribourg Elite-A).

Trainerteam: Cheftrainer und Sportchef: Michel Zeiter (44). Assistenztrainer: Manuel Brugger (52). Konditionstrainer: Jan Pochobradsky.

Abgänge: Mario Lamoureux (Graz 99ers), Adrian Wichser (Rücktritt), Marwin Leu (Dübendorf), Joshua Theodoridis (Dübendorf), Matteo Schärer (Wil), Marek Zagrapan (Poprad), Jan Lee Hartmann (Bülach), Patrick Blatter (Rücktritt), Dominik Devaja (Valais-Chablais).

Saisonstart: Samstag, 15.9., 17.30: Thurgau – EHCW.

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