Eishockey

Kein Grund zur Unruhe

Der Winterthurer Mirco Müller ist noch bei keinem NHL-Club unter Vertrag und verzichtet deswegen auf die WM. Nun hält er sich in der Nachbarschaft fit.

Am Sonntag beim Playoff-Halbfinal stand Mirco Müller, NHL-Profi und ehemaliger Pfadi-Junior, erstmals in der Axa-Arena.

Am Sonntag beim Playoff-Halbfinal stand Mirco Müller, NHL-Profi und ehemaliger Pfadi-Junior, erstmals in der Axa-Arena. Bild: Martin Deuring

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Aus dem fernen New Jersey richtete Mirco Müller via Grossleinwand die besten Wünsche für die neue Axa-Arena aus. Neun Monate sollten seit jener Eröffnungsfeier im August vergehen, bis der Eishockeyaner der New Jersey Devils selbst einmal in die se Halle am Deutweg kam.

Letzten Sonntag tauchte er fürs dritte Spiel von Pfadis Playoff-Halbfinal gegen Wacker Thun auf. «Ich sehe mir immer wieder gerne Handballspiele an», erklärt er. Aus dem normalen Zuschauer wurde plötzlich ein Ehrengast: Pfadi-Präsident Jürg Hofmann lud ihn nach dem Match spontan ein, mit Karin Leuch, Protagonistin der Rettungsaktion «Pfadi4ever», die Ehrung der besten Spieler beider Teams vorzunehmen. Und weil Müller gerade auf dem Platz stand, angelte ihn sich der MySports-Sender auch gleich für ein TV-Interview.

«Super» sei die Axa-Arena, war Mirco Müller beeindruckt, und «sehr gut für die Stadt und die Region Winterthur». Der 24-Jährige besass das Potenzial, um selbst hier spielen zu können. Doch dann entschied sich Pfadis U-15-Elite-Handballer, auf Eishockey zu setzen. Jener Entscheid kann rückblickend nicht falsch gewesen sein.

Kein Risiko eingehen

2018 bei seiner WM-Premiere war Mirco Müller als nahezu fehlerfreier Verteidiger einer der Schweizer Stammkräfte auf dem Weg zur Silbermedaille. 2019 verzichtet er auf die Titelkämpfe in der Slowakei, er wird sie nur vor dem Fernseher miterleben.

Der Grund ist nachvollziehbar: Müller steht noch bei keinem NHL-Club unter Vertrag und will keine Verletzung riskieren. Kevin Fiala, der sich in der gleichen Ausgangslage befindet, entschied sich anders, für die WM. «Ich hätte gerne wieder an der WM gespielt. Aber das Risiko ist mir zu gross. Es geht nicht», bedauert Müller. Mit einer Verletzung würde sich seine Position in Vertragsverhandlungen verschlechtern.

Bis Ende Juni müssen sich die Devils entscheiden, ob sie den zuverlässigen Verteidiger behalten wollen oder ihn gehen lassen. «Der Ball liegt bei ihnen. Was sie vorhaben, weiss ich nicht. Ich bin gesund und fit. Alles andere kann ich nicht beeinflussen», sagt Müller. Im Extremfall könnte die vertraglose Situation bis im September andauern.

Verzichtet der Club aus New Jersey auf seine Dienste, wäre er auf dem freien Markt. Die Devils scheinen sich alle Optionen offen zu lassen. Und sie sind derzeit wohl vor allem mit der NHL-Draft beschäftigt: Am 21. Juni haben sie das Recht, die Nummer 1 zu ziehen, zudem müssen sie neun weitere Talentpicks regeln.

Unruhig wird Mirco Müller deswegen nicht. «Das ist normal bei uns. Ich mache mir keine grossen Sorgen und denke nicht, dass es um meine NHL-Karriere geht», ist der Winterthurer zuversichtlich, auch künftig in der besten Eishockeyliga der Welt anzutreten. 2014 hatte er bei den San Jose Sharks debütiert. Nach 54 Einsätzen wechselte er 2017 zu den Devils, für die er in der abgelaufenen Saison seine persönliche Rekordzahl an 53 Partien bestritten.

Die Wohnung ist geräumt

Das NHL-Playoff begann ohne die Devils, seit Anfang April hat Müller frei. Zunächst blieb er in New Jersey, räumte seine Wohnung am Hudson River und stellte die Möbel ein. «Ohne Vertrag» bringe es nichts, eine Wohnung zu behalten, sagt er. «Man weiss nie, was passiert.»

Für gut zwei Wochen ging er zur Freundin nach Vancouver. Ein paar Tage verbrachten sie in Las Vegas. «Ich bin gerne dort», sagt Müller. «Es ist warm und trocken und hat viele gute Restaurants.» Er traf sich mit Timo Meier, dessen San Jose Sharks zum Playoff-Achtelfinal bei den Vegas Golden Knights antraten, zum Essen.

Seit letzten Donnerstag ist Mirco Müller zurück in Winterthur. Ein paar Tage früher traf seine zwei Jahre jüngere Schwester Alina im Elternhaus am Deutweg ein. Die Topskorerin des Olympiaturniers 2018, die an der Northeastern University in Boston studiert und spielt, hatte eine Woche vor Mirco in der Axa-Arena die besten zwei Handballer der ersten Playoff-Halbfinalpartie geehrt. Auch sie spielte einst im Pfadi-Nachwuchs.

Trainings im Win4

Beide werden den Sommer weitgehend in Winterthur verbringen und sich aufs nächste Eishockeyjahr vorbereiten. Seit Saisonende habe er es «etwas easy genommen», räumt Mirco Müller ein. «Sport und Fitness nur zum Spass. Wichtig war, dass ich in Bewegung bleibe. Jetzt beginne ich langsam wieder mit dem Training.»

Momenten gehen beide ins Trainingszentrum «Zone 4 Performance» im Win4-Campus zwischen Eishalle und Handballarena, nur ein paar hundert Meter von zu Hause entfernt. Alina Müller bestreitet wohl den gesamten Saisonaufbau dort. «Sehr gute Möglichkeiten und Räumlichkeiten» finde man vor, sagt Mirco Müller. «Ich trainiere sicher ein paar Wochen hier.»

Obs länger wird, hängt auch von Schweizer NHL-Gefährten ab. Sven Andrighetto und Timo Meier, die sich heute Mittwoch im siebten Match des Viertelfinals gegenüber stehen, werden nach Playoff-Ende zusammen mit Müller trainieren, zunächst in Winterthur, später vielleicht anderswo. Dazwischen bleibt weiterhin Zeit für Handballspiele – solange, wie es Pfadi im Playoff aushält.

Erstellt: 08.05.2019, 09:47 Uhr

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