Kloten

Kloten, morgens um 1.25 Uhr

Die kanadischen Investoren der Kloten Flyers, vor zwei Wochen noch nette ältere Herren, entlarven sich von Tag zu Tag mehr. Den Klub so schnell wie möglich verkaufen wollen sie.

Die Zukunft der Kloten Flyers ist nach dieser Saison so ungewiss wie nie zuvor.

Die Zukunft der Kloten Flyers ist nach dieser Saison so ungewiss wie nie zuvor. Bild: Keystone

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Telefonanrufe und E-Mails beantwortete Doug Piper, Ad-interim-Präsident der Flyers, bis gestern nicht. Und die Avenir Sports Entertainment (ASE) belegte noch einmal sehr deutlich, wie wenig sie sich überhaupt den Kloten Flyers, der Schweiz oder der NLA angenähert hat. In der Nacht auf Samstag, exakt morgens um 1.25 Uhr, verschickte sie das Communiqué, über das man herzhaft lachen könnte, wenn es nicht so traurig wäre. Denn am Ende stand die Nachricht: ASE hat mit der Suche nach einem Besitzer begonnen, der in Kloten verwurzelt ist.

Als hätten sie vor ihrem Kauf nie die Bücher geprüft, als hätten sie nie gesagt, dass ihr Engagement langfristig (bis zu vier Jahre) sei: Sie zeigten sich völlig überrascht vom finanziellen Verlauf und enttäuscht, dass ihre nordamerikanischen Ideen nicht griffen. Wenn ein Schweizer einen Klub in Nordamerika übernähme, wäre er kaum so einfältig, dass er erwarten würde, von nun an verspeise dort jeder mindestens eine Bratwurst pro Tag. Er würde ausloten und versuchen, sich ein bisschen anzupassen.

Die ASE gibt in ihren Verkaufsplänen keinen Zeitrahmen vor und schreibt so blauäugig: «Es ist unsere oberste Priorität, der Klotener Gemeinschaft die Möglichkeit zu geben, das Team zu übernehmen und es erfolgreich zu führen.» Ein Besitzer ausserhalb Klotens wie die ASE sei nicht die richtige Struktur für Erfolg in Kloten. Das sind schwache Ausreden, denn auf genau diese Punkte ist die ASE hingewiesen worden, bevor sie von Philippe Gaydoul das Aktienpaket (fast) gratis übernahm.

Einleitend zur Schreckensnachricht hat die ASE noch vermeldet, dass sie sehr stolz auf das Team sei, dass es sich sportlich sehr verbessert habe. Die einzigen Namen, die im Communiqué erwähnt werden, sind die von Sean Simpson und Colin Muller, denen ausdrücklich gedankt wird.

Auf der Suche

Festzuhalten ist, dass es wohl kaum die ASE schaffen wird, sich möglichen Klotener Käufern anzunähern, denn sie führt die Geschäfte ja vor allem aus Übersee. Es ist jedoch davon auszugehen (denn offiziell nimmt niemand Stellung), dass auch in Kloten selber Leute bemüht sind, eine Lösung zu finden. Welche Szenarien und gewagte Thesen gibt es?

Wäre der Rubel ein bisschen attraktiver, könnte sogar die russische KHL ein Thema sein. Doch das war früher realistischer.

Die Veränderung, die man sucht, ist eine klar billigere Variante der Flyers. Das Budget könnte heruntergefahren werden, damit nicht jedes Jahr 7 bis 8 Millionen Franken Schulden eingefahren werden. Das ist möglich. Allein das Trainerduo nimmt bei den Lohnkosten einen grossen Posten ein. Vorletzte Woche begannen in Lausanne die Diskussionen, dass man offensiver spielen möchte. Ist es so undenkbar, dass der frühere Kloten-Präsident Ken Stickney, am 17. Februar nach Lausanne abgewandert, das Duo Simpson/Muller übernimmt? Nein, denn unmöglich scheint in diesem kanadischen Theater nichts mehr. Und Simpson hat in einem Klub, dessen vierter Block wieder vermehrt aus eigenen Junioren bestehen soll, keinen Platz.

Vergessen gehen in dieser Aktion all die vertragslosen Klotener Spieler. Sie wissen noch weniger als jene, die einen Kontrakt haben, wie es weitergeht. Das muss sich schnellstmöglich ändern. Wie sagte noch Erik Gustafsson, einer der jetzt vertragslosen Spieler, um die Weihnachtszeit herum: «In diesem Klub geschehen komische Dinge.»

Erstellt: 14.03.2016, 10:33 Uhr

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