Eishockey

Nun haben sie auch in Winterthur reagiert

Immer mehr Gegentore, immer weniger Punkte und immer weniger Zuschauer. Der EHC Winterthur hat genug Argumente für die Entlassung von Trainer und Sportchef Michel Zeiter.

In der vierten Saison beim EHC Winterthur ging Michel Zeiters Zeit zu Ende.

In der vierten Saison beim EHC Winterthur ging Michel Zeiters Zeit zu Ende. Bild: Madeleine Schoder

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Die ganze Liga rätselte und fragte sich: Wann passiert in Winterthur etwas? Der EHCW präsentierte sich in der Swiss League von Saison zu Saison gleich: einigermassen gut beim Start, danach immer schwächer und nach Weihnachten kein Faktor mehr. Im ersten Jahr mit Michel Zeiter waren die Winterthur im Frühherbst 2016 sogar Leader. Nicht für lange Zeit. Im letzten Jahr gab es die Serie von zehn Niederlagen in Folge oder von nur 3 Siegen in den ersten 18 Spielen. 0,66 Punkte pro Match – so wenig hatte Winterthur noch nie geholt.

In Winterthur indes ging es weiter, als würden all die Misserfolge keine Rolle spielen, als wäre alles bestens. Keiner schien die sportliche Entwicklung und somit die Arbeit des Trainers und Sportchefs kritisch zu hinterfragen.

Die Nähe zum Besitzer der Firma, die einen schönen Betrag für das Namensrecht der Zielbau-Arena zahlt, machte Zeiter lange unantastbar. Egal, was passierte. Fast jedes Jahr wurde der Assistenztrainer ausgewechselt, in den letzten Saisons leistete sich der EHCW sogar das, was sich andere Teams der Swiss League auch gönnen: zwei Ausländer. Im Ergebnis änderte sich nichts. Das Playoff, für 2018/19 erstmals als Ziel ausgegeben, wurde klar verpasst. Der einzige Erklärungsversuch für das Scheitern war der, dass die Erwartungen an das Team zu hoch gewesen seien.

Vor dieser Saison war wieder alles toll – und wieder kam der Einbruch. 1:7 gegen die GCK Lions am Dienstag und 2:7 am Samstag – das waren die Ergebnisse der letzten Tätigkeiten von Michel Zeiter in seiner Doppelfunktion. Gestern kam das Communiqué doch noch, von dem viele gedacht haben, es käme gar nie. 15 Punkte Rückstand auf einen Playoff-Platz nach den ernüchternden Niederlagen gegen direkte Konkurrenten waren zu viel.

In der vierten Saison ging Zeiters Zeit, die abenteuerlich begonnen hatte, zu Ende. Im Sommer 2016 war der 45-Jährige als Nachfolger von Markus Studer ernannt worden, obwohl der das Team für die kommende Saison schon zusammengestellt hatte. Zeiter kam nicht mit besten Referenzen – zwei Jahre zuvor war er mit Rapperswil abgestiegen –, aber mit viel Vorschusslorbeeren. Die Aufbruchstimmung jedoch fand nur auf dem Papier statt.

Und sie dauerte nur eine Saison, als der Rückstand auf einen Playoffplatz nur 11 Punkte betrug. Nachher fehlten 25, dann 22 – und jetzt sind es eben schon 15. Mit Ausnahme der letzten Saison war Winterthur stets das Swiss-League-Team, das am meisten Gegentore kassierte, zwischen 3,47 und 4,2 pro Match. Aktuell sind es 4,62.

Der EHCW wäre vielleicht noch länger hinter Zeiter gestanden, wenn nicht andere Zahlen noch alarmierender gewesen wären. Das Interesse am Verein nahm Jahr für Jahr extrem ab. Die beste Zuschauerzahl hatte der EHCW im Premierenjahr in der Swiss League mit dem Schnitt von 1254 Besuchern pro Match. In Zeiters erster Saison waren es 1158, in seiner zweiten 1028, in seiner dritten noch 996 – und aktuell beträgt der Schnitt 799. Wenn dem Verein die Resultate egal sind, dann hat die Öffentlichkeit auch das Recht, sich nicht für das Geschehen zu interessieren. Mit der Entlassung hat der Club gezeigt, dass er in Zukunft wieder einer sein will, der sich an Resultaten messen lässt. Bei der Nachfolgelösung für Zeiter ist der EHCW gut beraten, nicht noch einmal einen Mann im Doppelmandat Trainer/Sportchef anzustellen.

Erstellt: 08.12.2019, 20:44 Uhr

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