Eishockey

Schwere Zeiten für den EHCW

Mit 0:7 kassierte der EHC Winterthur in Pruntrut eine brutale Niederlage. Gegen Ajoie, den sehr stark ­aufspielenden Leader der Swiss League, lag nicht mehr drin.

EHCW-Trainer Michel Zeiter und sein Team sind gefordert.

EHCW-Trainer Michel Zeiter und sein Team sind gefordert.

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«Auch aufgrund der Situation, die wir im Moment haben, zahlen wir viel Lehrgeld», musste EHCW-Trainer Michel Zeiter feststellen. «Wir haben gegen einen ‹sack­starken› Gegner gespielt und trotz des hohen Rückstandes bis zum Schluss gekämpft.» Mangelnden Einsatz konnte man den Winterthurern in der Ajoie tatsächlich nicht vorwerfen, wie auch in den vorangegangenen Partien nicht. Trotzdem resultierte eine Kanterniederlage, und man konnte nicht mal sagen, mit 7:0 (3:0, 3:0, 1:0) sei das Resultat zu hoch ausgefallen. Es war ein Spiel auf ein Tor.

Man fragt sich, wie das kommen konnte. Denn grundsätzlich verfügt der EHCW über eine stärkere Mannschaft als in den vorangegangenen Jahren, er ist breiter aufgestellt und nicht mehr von den Befindlichkeiten eines Partnerteams abhängig. Trotzdem ist er anfällig, wenns beim Personal Probleme gibt, und die gibt es, wenn Schlüsselspieler ausfallen. Der Kanadier Anthony Nigro, in den ersten drei Spielen Schütze von vier Toren, fehlt wohl auch diese Woche noch. Dasselbe gilt für die Verteidiger Mike Küng und Pascal Blaser,die als Verstärkungen vom HC ­Thurgau gekommen sind. Und bei Luca Homberger, seit Jahren eine Teamstütze, weiss niemand, wann er wieder einsatzfähig ist. Durch diese einschneidenden Ausfälle rutschen andere in Rollen, die für sie eigentlich noch zu früh kommen: Samuele Pozzorini und Silvio Schmutz sind plötzlich Schlüsselspieler in der Verteidigung, oder Stürmer wie Ron Martikainen, Orlando Scherz und die Junioren Colin Mettler und Martin Busovsky erhalten viel mehr Eiszeit als vorgesehen. Bezahlt werden muss dann eben das «Lehrgeld», das Zeiter anspricht.

Sehr starke Gegner

Zu sagen ist auch: Der EHCW bekommt es just in dieser schwierigen Phase Spiel für Spiel mit den besten Teams der Liga (oder der Schweiz im Fall von Zug) zu tun. Olten beeindruckte am letzten Dienstag beim 6:2-Erfolg in der Zielbau-Arena mit seiner Qualität über vier Blöcke und hat am Samstag auch in La Chaux-de-Fonds 6:3 gewonnen. In der Mélèzes stand nach 43 Minuten genauso ein 1:5 auf der Anzeigetafel wie vier Tage vorher in Winterthur. Bei Ajoie ist es etwas anders: Sein Coach Gary Sheehan stattet zwei Paradeformationen besonders stark aus. Das reichte, um im Powerplay die Vorentscheidung zu erzwingen und bei ausgeglichenem Spielstand das eine oder andere Mal zu zaubern.

Der EHCW kann dem wenig entgegenwerfen, im Moment nicht, und wahrscheinlich wäre das zumal in Pruntrut auch in besserer Besetzung kaum anders gewesen. Denn Ajoie und Olten sind im Stile von Spitzenteams aufgetreten, die einen Aussenseiter nicht unterschätzen und Gas geben. Dass das in anderen Jahren gerade in der ersten Phase der Saison nicht immer der Fall war, davon hat der EHCW auch schon profitiert.

Viele Fehler, viele Strafen

Natürlich müssen die Winterthurer in erster Linie vor der eigenen Türe wischen. Die eigenen Ausfälle und die Qualität der Gegner sind zwar Fakten, und gerade in Pruntrut fehlte auch jegliches Glück: So wurden die ersten beiden Gegentore erst nach der Konsultation des Videos gegeben, beim 2:0 mussten die Schiedsrichter gar ausserordentlich lange hinschauen, ehe sie auf Tor entschieden. Trotzdem muss sich der EHCW schnell verbessern, vor allem hinten. Da kommt zu viel zusammen an taktischen und individuellen Fehlern. Wenn man in Pruntrut ein Gegentor kassiert, dann darf man im nächsten Einsatz nicht einen Konter laufen, sonst stehts eben 0:2, und der Gegner ist vor seinem euphorischen Publikum definitiv in Fahrt. Die Winterthurer müssen auch ruhiger bleiben, wenn der Gegner kombiniert, und sich dar­auf konzentrieren, die Abschlüsse zu blocken und den Slot im Griff zu haben. Vor allem Letzteres war gegen Ajoie nicht genügend.

Am schnellsten Fortschritte erzielen können die Winterthurer sicher, wenn sie unnötige Strafen vermeiden: Halten, immer wieder Haken, Beinstellen, Stockschlag und so weiter, verursacht irgendwo in der Mitte oder am Rand des Spielfeldes und manchmal sogar in der gegnerischen Zone: Solche Vergehen erscheinen viel zu oft in der Statistik. Auch wenn klar ist, dass ein Team wie der EHCW gegen eines wie Ajoie auch mal zu einem Foul greifen muss, um ein Gegentor zu verhindern.

Geduld ist gefragt

Immerhin: Dass der EHCW nach dem 0:7 nach 40:46 Minuten nicht komplett einbrach, sondern sich gegen weitere Tore wehrte, war ein Lichtblick. Im Moment braucht es vor allem Geduld. Wahrscheinlich wird auch am Mittwoch zu Hause gegen Langenthal und am Sonntag in Kloten punktemässig wenig drinliegen. Aber es sind gute Gelegenheiten, um an den Schwächen zu arbeiten, quasi unter verschärften Bedingungen. Denn wirklich leichter wirds auch in den Wochen danach nicht, wenn die Gegner auf dem Papier schwächer sind als gerade jetzt. Denn dann ist der Druck bedeutend grösser.

Erstellt: 08.10.2018, 20:25 Uhr

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