Eishockey

Schwieriges Finanzjahr für den EHCW

In der Axa-Arena kämpft Pfadi Winterthur aufgrund seiner Schuldenlast ums Überleben. Auch die Eishockeyaner nebanan in der Zielbau-Arena haben finanzielle Sorgen. Wenn auch deutlich kleinere.

Auch gegen die GCK Lions fraglich: Luca Homberger.

Auch gegen die GCK Lions fraglich: Luca Homberger. Bild: Enzo Lopardo

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Profisport zu finanzieren ist hart. Das hat man auch beim EHC Winterthur erfahren müssen. Aus den ersten beiden Jahren in der zweithöchsten Liga schiebt die EHCW Sport AG bekanntlich eine Schuldenlast von rund einer Viertelmillion Franken vor sich her. Nachdem die letzte Saison einen minimalen Gewinn ergeben hatte, muss man diesmal wohl wieder von einem Verlust ausgehen. Denn wenn der sportliche Erfolg ausbleibt, tun es auch die Zuschauer.

Tiefe Zuschauerzahl

Man war sich beim EHCW der Probleme sehr wohl bewusst, die ein Wechsel vom Amateur- in den Profisport mit sich bringt, als man sich vor vier Jahren zum Schritt in die Nationalliga B entschied. Anders als oft kolportiert war es damals ja auch so: Die 1. Liga zog in Winterthur in den letzten ein, zwei Jahren auch beim Publikum nicht mehr derart uneingeschränkt wie vorher. Zwei Beispiele: Offiziell 465 Zuschauer wollten sich im Februar 2015 die Masterround-Partie gegen Bellinzona anschauen, knapp 700 das Derby gegen Frauenfeld. Im Vergleich dazu die letzten Zahlen der letzten EHCW-Heimspiele in der Swiss League: Fast 900 gegen die EVZ Academy, 730 gegen Olten, gut 600 gegen Ajoie. Wobei die offiziellen Zahlen mittlerweile eher leicht zu tief als zu hoch angegeben werden. Es zählen die Tickets, die am Eingang gescannt werden. Aber nicht jeder Zuschauer braucht ein Ticket und wird so erfasst.

Es sind also kaum weniger Zuschauer als zu Erstliga-Zeiten zugegen. Aber es sind zu wenige, als dass die Rechnung 2018/19 aufgehen könnte. 965 Zuschauer kamen bisher im Schnitt, auch dank der attraktiven Heimspiele gegen Kloten, von denen eines noch aussteht. Gerechnet aber hat man im Budget mit 1200, etwa 150 mehr als im Vorjahr. Dies in der Hoffnung, dass das Team um einen Playoff-Platz kämpfen würde. Dazu ist es aber nicht gekommen, auch wenn die Mannschaft im Moment erfolgreicher spielt als auch schon. Da wird also etwas fehlen in der Kasse, denn man kann davon ausgehen, dass im Schnitt 100 Zuschauer weniger in der Halle etwa 80 000 Franken weniger Einnahmen in der Jahresrechnung bedeuten.

Ein blaues Auge

Zumindest ein bisschen Entwarnung gibt aber Rolf Löhrer, der Verwaltungsratspräsident der EHCW Sport AG: «So wie es aussieht, werden wir dieses Jahr bestimmt keinen Gewinn machen», glaubt er zwar. Man werde aber mit einem mehr oder weniger blauen Auge davon kommen. Genaueres kann man noch nicht sagen. Zum einen hat der EHCW noch ein paar attraktive Heimspiele vor sich und zum anderen bringen auch jene EHCW-Spieler dem Klub noch etwas ein, die im Playoff mit B-Lizenzen für andere Teams spielen. Wieviele das sein werden, weiss man nicht.

Ein Teil der tieferen Einnahmen wird auch dadurch kompensiert, dass das Budget auf der Ausgabenseite nicht ausgeschöpft wird. Es wird also weniger Geld ausgegeben als geplant. Das ist eigentlich nicht die Normalität, wenn man von finanziellen Problemen im Profisport hört. Da ist meist die Ursache, dass man es mit den Ausgaben übertreibt in der Hoffnung, die entstprechenden Einnahmen dann schon irgendwie generieren zu können.

Beim EHCW war das bislang nicht der Fall, und dafür darf man dem Klub ein Kränzchen winden. Aber er muss sich überlegen, wie er den Zuschauerzuspruch erhöhen kann. Klar: Mehr Erfolg bringt mehr Publikum, vor allem, wenn er nachhaltig ist. Ein Beispiel dafür ist der HC Thurgau: Vor zwei Jahren noch lag der Zuschauerschnitt der Thurgauer in der Qualifikation ungefähr da, wo er beim EHCW jetzt ist, bei 950. In der sehr erfolgreichen letzten Saison kamen (ohne Playoff) schon fast 1100, in der laufenden Saison sind es fast 1400.

Das Thema Eintrittspreise

Den sportlichen Erfolg kann man aber nicht budgetieren, wie der EHCW dieses Jahr schmerzlich erfahren muss. Gedanken machen könnte man sich aber über die eher sportlichen Eintrittspreise. Ein Erwachsener zahlt in der Zielbau-Arena mindestens 25 Franken für einen Einzeleintritt. Dafür kriegt man zwar einen Sitzplatz, aber es ist nun mal teurer als überall sonst in der Swiss League. Und es ist auch deutlich mehr, als ein Sitzplatz bei Pfadi (20 Franken) oder ein (ungedeckter) Estradenplatz beim FCW (18 Franken) kostet. Wer häufiger Sportanlässe besucht, dem fällt das auf und der kommt eben nur dann, wenn es eine besondere sportliche Affiche gibt. Wer aber da ist, der konsumiert meist über den Eintrittspreis hinaus und generiert einem Klub so weitere Einnahmen.

(Der Landbote)

Erstellt: 25.01.2019, 19:02 Uhr

Swiss League

GCK Lions - EHC Winterthur. Sonntag, 15.45, Küsnacht.

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