Eishockey

Teamplayer mit starker Bilanz

Mit bald 27 Jahren ist Samuel Keller beim EHC Winterthur bereits ein Routinier. Der zum Verteidiger umfunktionierte Center ist einer der wichtigsten Spieler im Team von Trainer Michel Zeiter.

Solide in jeder Beziehung: Samuel Keller (rechts) ist einer, dem nur wenige Fehler unterlaufen.

Solide in jeder Beziehung: Samuel Keller (rechts) ist einer, dem nur wenige Fehler unterlaufen. Bild: Madeleine Schoder

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Wer Qualität und Bedeutung von Samuel «Sam» Keller beim EHCW ergründen will, der wirft am besten einen Blick in die Statistik. Und findet Erstaunliches: Keller steht mit «Minus 4» zu Buche. Das heisst: Vier Gegentore mehr als Plus­tore sind gefallen, wenn er auf dem Eis stand. Bis vor kurzem war die Bilanz sogar positiv. Das ist ziemlich gut in einer Mannschaft, die 83 Tore geschossen, aber schon 134 kassiert hat, also «Minus 51» aufweist. Gefehlt hat Keller nie, mehr noch, als einer von oft sechs, zuletzt auch mal nur fünf Verteidigern bekommt er sehr viel Eiszeit. Kein Wunder, schickt Trainer Michel Zeiter ihn immer dann ins Feld, wenn Qualität und solide Arbeit gefragt sind. In jüngster Zeit auch im Powerplay, mit den Stürmern Adi Wichser, Marek Zagrapan, Mario Lamoureux und Kevin Bozon.

Verantwortung übernehmen

Keller fühlt sich wohl in dieser Rolle. «Es ist das, was ich gesucht habe, als ich hierher gekommen bin. Ich will Verantwortung übernehmen. Ich war stets ein defensiv orientierter Center. Das war wichtig für Winterthur.» Seit Anfang­ dieser Saison spielt er hinten, was nichts Neues ist: «Ich war teilweise schon bei den Junio­ren in Kloten Verteidiger.» Und plötzlich auch in der NLA: «Es war ein Auswärtsspiel in Lang­nau. Wir hatten ohne mich nur fünf Verteidiger, und von denen verletzte sich einer. «Also durfte ich nach dem Einlaufen kurzfristig einspringen.»

«Ich habe beim EHCW die Rolle, die ich gesucht habe.»Samuel Keller

Keller ist in Ricketwil aufgewachsen und in Elsau zur Schule gegangen. Zum Eishockey kam er über die Hockeyschule des EHCW in den Herbstferien auf dem Zelg­li. «Da wurde ich von Urs Lautenschlager entdeckt. Als 6-Jähriger begann Samuel Keller bei den Bambini, mit 15 wechselte er nach Kloten. Dort durchlief er alle Junio­renstufen und kam 2010/11 und 2011/12 unter Anders Eldebrink auch zu 61 Spielen in der NLA, dazu drei am Spengler-Cup.

In der zweiten Hälfte der zweiten­ Saison wurde er nach Visp ausgeliehen, um Spielpraxis zu sammeln. Dort traf Keller auf Spielertrainer Zeiter. Zeiter überzeugte ihn von einem Transfer ins Oberwallis, wo der Winterthurer zwei gute und ein weniger gutes Jahr hatte. In seiner zweiten Saison wurde er mit Visp NLB-Meister. «Ich spielte stets Center in der zweiten oder dritten Linie.» Ein Jahr später aber bekam er nur noch wenig Spielzeit. In Visp setzte man lieber auf junge Spieler vom Partnerteam SC Bern. «Ich hatte nicht mehr die­selbe Rolle wie im Meisterjahr. Damit hatte ich nicht gerechnet», gibt Keller zu.

«Wechsel drängte sich auf»

Da kam im richtigen Moment die Nachricht, der EHC Winterthur wolle in die NLB aufsteigen. «Da drängte sich ein Wechsel auf. Ich suchte den Kontakt frühzeitig. Denn meine Familie und meine Freundin und jetzige Frau wohnten in der Region.» So wurde Keller­ einer der ersten Transfers, die der EHCW nach dem Aufstieg tätigte. Ein Rückkehrer.

Es passte auch beruflich. Keller hatte schon in Visp neben dem Eishockey die Berufsmatura gemacht und als Hochbauzeichner zu arbeiten begonnen. Jetzt hat er kurze Wege: Er wohnt mit seiner Frau in Wülf­lin­gen und zieht im Frühjahr nach Dinhard. Trainiert wird in der Zielbau-Arena und gearbeitet bei der Firma HRF Architekten in Hettlingen. Die Doppelbelastung mit Beruf und Eishockey, wie sie in Winterthur üblich ist, betrachtet er als Herausforderung: «Als Profi ­hatte man mehr Zeit, um sich auch auf die Trainings und ­Spiele vorzubereiten. Und man kann sich in intensiven Phasen der Saison besser erholen.» In seinem Fall hat er das Glück, dass sein Arbeitgeber ihm flexible Arbeitszeiten ermöglicht.

Das Lob des Trainers

In seiner zweiten Spielzeit in Winter­thur ist Keller wieder auf Zeiter getroffen, der grosse Stücke hält auf den Spieler mit vielen Fähig­keiten: «Er hat einen tollen Charakter und ist der totale Teamplayer. Das sieht man daran, wie er seine neue Rolle als Verteidiger angenommen und umgesetzt hat», sagt Zeiter. Als Teamplayer sieht sich auch Keller selber. Er fühlt sich wohl in dieser Rolle: «Ich sehe meine Aufgabe ­darin, die Mannschaft durch meine Spielweise positiv zu beeinflussen und ihr Stabilität zu geben.» Dazu ist er prädestiniert. Denn Samuel Keller begegnet einem als ausgeglichener Mensch. Als Hockeyspieler «macht er wenig Fehler, das entspricht seinem Charakter», lobt Zeiter.

In der Tat darf man sagen, der EHCW könnte noch den einen oder anderen mehr vom Schlag Kellers gebrauchen. Denn das Team kassiert zu viele Gegentore. «Uns passieren im Moment zu viele Fehler. Wir machen den Gegnern das Toreschiessen zu leicht», analysiert Keller. Dabei habe das Team durchaus eine Entwicklung gemacht. «Offensiv haben wir viel mehr Potenzial als in den beiden vorangegangenen Saisons. Aber wir waren nur in der ersten Phase der Saison effizient genug. Wir arbeiten daran, in den verbleibenden Spielen die Balance besser zu finden.» Punkto Effizienz hat Keller seinen Beitrag geleistet. Vier Tore und fünf Assists hat er schon geliefert – ein guter Wert für einen defensiv orientierten Verteidiger beim Ta­bellen­zehnten. (Der Landbote)

Erstellt: 11.01.2018, 20:32 Uhr

Zwei Chancen

Der EHC Winterthur tritt am Freitag (19.45) in Olten an; am Sonntag (16 Uhr) empfängt er den EHC Visp. Teams wie der Dritte und der Fünfte der Tabelle sind normalerweise ausser Reichweite für die Equipe von Michel Zeiter. So gesehen bieten die beiden Spiele die Möglichkeit, Punkte zu holen, die man nicht auf der Rechnung haben durfte. «Wir spielen frisch von der Leber weg», verspricht Zeiter. Chancen könnte es durchaus geben. Denn Olten hat nach einer guten Serie vier der letzten fünf Partien verloren, und auch Visp ging in den letzten vier Spielen dreimal als Verlierer vom Eis. Und gegen beide Klubs hat der EHCW immer wieder mal gut ausgesehen.

Verzichten muss Zeiter dieses Wochenende auf den verletzten Kevin Bozon. Eine genaue Diagnose steht noch aus. Es wird deshalb in den Sturmlinien einige Veränderungen geben. Dafür ist Atanasio Molina zurück, sodass wieder sechs Verteidiger zur Verfügung stehen. Nicht gebraucht wird im Moment Center Joshua Theodoridis. Er spielt seit dieser Woche mit einer B-Lizenz beim EHC Dübendorf.

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