Kloten

Zwei Beispiele wie die Fans die Kloten Flyers retten könnten

Was mit den Kloten Flyers passiert, weiss derzeit noch niemand. In der Sportswelt gibt es gewichtige Beispiele, bei denen die Fans das Zepter gleich selber übernommen haben. Ein Gedankenspiel.

Berner Unterstützung für Kloten.

Berner Unterstützung für Kloten. Bild: pd

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Viele Klubs in verschiedenen Sportarten werden erfolgreich von Fans geführt. Mit dem FC Portsmouth ist auch ein Traditionsverein des englischen Fussballs seit kurzem in der Hand seiner Anhänger. Die Vorgeschichte des Klubs aus der südenglischen Hafenstadt ähnelt dabei jener der Kloten Flyers.

Nach erfolgreichen Jahren in der obersten Liga übernahm sich der Klub. 2009 musste Portsmouth aufgrund von finanziellen Problemen seine besten Spieler verkaufen, ein arabischer Geschäftsmann übernahm den Klub und gab aufgrund der Schulden­lage bald an ein arabisches Konsortium weiter. Innert Jahresfrist gab es einen dritten Besitzerwechsel. Der nun chinesische Eigentümer sprach von rund 200 Millionen Franken Schulden. Weil Portsmouth Gehälter nicht bezahlen konnte, gab es automatische Punkteabzüge.

Bis 2012 stieg der Klub zweimal ab, und ein russischer Investor übernahm das Zepter, wobei dieser bald dar­auf wegen krummer Bankgeschäfte verhaftet wurde. Die Spieler verliessen den Klub, der daraufhin nochmals abstieg.

Im April 2013 konnte der Pompey Supporters Trust, eine Investmentgruppe bestehend aus Fans, den Klub aufkaufen. Die 2300 Eigner schossen bis 2014 weiteres Geld ein, sodass der Klub im September 2014 schuldenfrei dastand. Der Traditionsverein hat sich mittlerweile in der vierthöchsten englischen Liga eta­bliert und hat Aufstiegschancen.

Mit 16 000 Zuschauern besuchen mehr Fans die Spiele, als dies während der Zeit in der zweithöchsten Liga der Fall war, und nur 4000 weniger als in den besten Jahren. Der von Fans geführte Klub findet bei den Anhängern den Zuspruch, den auch die Flyers nun brauchen könnten, nachdem viele Zuschauer in der letzten Saison nicht mehr in die Swiss-Arena gingen. Im Vergleich zu Portsmouth ist Kloten trotz der Sommerturbulenzen 2012 als Spiel­ball der Milliardäre bisher auch noch glimpflich weggekommen.

Fans besitzen Rekordmeister

Ein noch erfolgreicheres Beispiel als Portsmouth ist der American Football Club Green Bay Packers. Das Team aus Wisconsin im Norden der USA ist eines der ältesten und erfolgreichsten Teams in Nordamerika. 1919 gegründet, hat es 13 Titel gesammelt, zuletzt 2010, und ist damit Rekordmeister. Das Team ist dabei als einziges in der NFL in der Hand von Fans, welche Aktionäre des Vereins sind. 1923 wurden die ersten 1000 Aktien ausgegeben, mittlerweile gibt es 360'000 Kleinaktionäre, die zusammen rund fünf Millionen Anteilscheine halten. Niemand darf mehr als 200'000 Aktien oder vier Prozent besitzen.

Das Team aus der 100'000-Einwohner-Stadt Green Bay ist durch diese Besitzerstruktur breit abgestützt und kann sich gegen die reichen Konkurrenten aus den Millionenstädten mehr als behaupten. Das Stadion ist seit 1960 durchgehend ausverkauft und wurde mehrmals erweitert, auf aktuell 81'435 Plätze. Auf der Warteliste für ein Saisonabo stehen 123 000 Namen. Wer sich vor 35 Jahren auf diese Liste setzte, erhält nun endlich seinen Platz. Wer sich jetzt in die massiv angewachsene Warteliste eintragen lässt, erhält rein rechnerisch allerdings erst in knapp 1000 Jahren sein Ticket.

Das Management erklärt die Beliebtheit des Teams mit dem «David gegen Goliath»-Effekt des kleinen Green Bay gegen die Metropolenklubs in der Hand von Milliardären. Ein Effekt, der auch für die 18'000-Einwohner-Stadt Kloten geltend gemacht werden könnte.

Unterstützung ist noch da

Die Flyers wiesen nun jahrelang ein millionenschweres Defizit auf und wurden zuletzt von einigen Fans im Stich gelassen. Trotz dieser Enttäuschungen ist nicht nur bei Fanklubs oder im Internet noch viel Unterstützung für Kloten spürbar, auch Hockeyfans ­anderer Vereine wünschen sich offenbar, dass es weiterhin NLA-Eishockey in der Flughafenstadt gibt, beispielsweise in Bern. Die Basis wäre also theoretisch noch da, um die Fans in die Struktur des Klubs zu integrieren.

Auch der FC Barcelona oder Real Madrid gehören ihren Mitgliedern, wobei da andere Dimensionen spielen, als dies in Kloten möglich wäre. Ein Modell «Green Bay» – mit vielen Kleinaktionären und einigen grösseren in der Form von Swiss, Flughafen, Schib­li und anderen – würde aber durchaus die regionale Verankerung bieten, welche künftig wieder für eine volle Swiss-Arena sorgen könnte.

Erstellt: 23.03.2016, 08:23 Uhr

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